Natur, Tradition, Feste – Schliersee hat viel zu bieten. Zu kurz kommen dabei regelmäßig Geschichte und Kultur. Dies dem Gast – und auch Einheimischen – auf eine moderne Art mundgerecht zu servieren, ist das Ziel von Beatrix Seidenfus. Ihre Kollegen im Gemeinderat finden’s gut.
Schliersee – Man kennt das Prinzip von Audio-Guides in Museen. An einzelnen Exponaten stehen Zahlen, und über Kopfhörer kann sich der interessierte Gast die Hintergründe zu dem Stück erläutern lassen. In neueren Ausstellungen funktioniert das auch über Smartphones. Das Prinzip will Schliersee nun auf den ganzen Ort anwenden. Auf sechs Wanderungen sollen Gäste das „Sehenswerte Schliersee“ entdecken können. Die Idee geht auf Gemeinderätin Beatrix Seidenfus (Ausschussgemeinschaft) zurück. Sie hat das Projekt nun dem gesamten Gremium vorgestellt und Unterstützung erfahren. An den Start gehen wird das Projekt wohl erst im Frühjahr 2020. Zur Finanzierung möchten die Schlierseer die Fördertöpfe Alpenmodellregion (75 Prozent in der Konzeptionsphase) und Leader (50 Prozent bei der Umsetzung) anzapfen.
Angedacht sind sechs Routen, beginnend mit dem „Historischen Spaziergang durch Schliersee“ unter anderem zu Rathaus, Kirche und Heimatmuseum. Viele Häuser haben eine erzählenswerte Geschichte. Das Rathaus etwa, das einst Gebetsraum war, weshalb es im Sitzungssaal eine Kanzel gibt. Solche Geschichten sollen Gäste und Einheimische erfahren können. Nicht nur in Textform, sondern auch mit Fotos sowie kleinen Video- und Audiosequenzen, etwa Glockenläuten oder Musikstücken. Schließlich sind die Gebäude selbst nicht immer zugänglich. Die weiteren Runden tragen die Bezeichnung „Schlierseer Ausblicke“, „Von der Fischerlehen zur Oberleiten“, „Leonhardirunde“, „Neuhauser Geschichte(n)“ und „Historische Almwanderung“. Seidenfus sagt: „Sie sind verschieden lang und teils auch mit Kinderwagen und Rollator begehbar.“
Im Kleinen hat Schliersee ein solches Angebot ja schon. Die Gäste-Info hat 18 Straßenschilder mit Tafeln ausgestattet. Über einen QR-Code werden Interessierte auf eine Internetseite geleitet, auf der Infos über die Personen stehen, nach denen die Straße benannt ist. Rein von der Optik her sollen sich die „Sehenswertes Schliersee“-Schilder an den bestehenden orientieren. Mit Mathias Schrön hat Seidenfus schon Kontakt aufgenommen, und der Gäste-Info-Leiter hat auch schon einiges an Ideen und Engagement eingebracht.
Seidenfus’ Vorstellung erntete im Gemeinderat Applaus. „Hervorragend gemacht“, sagte Gerhard Waas (Grüne). Das Gremium stimmte einhellig dafür, das Projekt voranzutreiben.
Wie teuer Planung und Umsetzung werden, ist noch unklar. Neben den rund 50 bis 60 Schildern müssen die App programmiert, Video- und Audiomaterial produziert und/oder bearbeitet, Info-Texte geschrieben und eine Begleitbroschüre gedruckt werden.
Auch interessant: Preisschock: Turnhalle kostet fast zwei Millionen Euro mehr
Involviert ist auch der Schlierseer Touristik-Verein mit Johannes Wegmann an der Spitze. Das ist unter anderem nötig, um über Leader Fördergelder zu bekommen. An der Umsetzung werde sich der Verein mit zehn Prozent beteiligen, sagte Seidenfus. Auf die Gemeinde kämen somit 40 Prozent zu, wenn es mit der Förderung klappt.