- VonNicolas Bettingerschließen
Am 29. und 30. November können Supermarkt-Kunden „ein Produkt mehr“ kaufen und es der Tafel Bad Aibling spenden. Doch wie hilfsbereit sind die Menschen wirklich? Was hinter der Aktion steckt, welche Märkte im Altlandkreis beteiligt sind, wer von einem „Armutszeugnis“ spricht.
Bad Aibling – „Darf ich es einfach reinlegen?“, fragt eine junge Mutter, die gerade einen vollgeladenen Einkaufswagen aus dem Supermarkt schiebt. „Hier ist noch eine Packung Zucker“, sagt ein anderer Kunde und wirft diese in eine rote Kiste. An diesem sonnigen Freitagmittag (29. November) herrscht geschäftiges Treiben an den Einkaufsmärkten im Mangfalltal. An acht dieser Filialen wird man an diesem Tag besonders freundlich empfangen und bekommt einen Zettel in die Hand gedrückt. Darauf findet sich eine Liste an Produkten, die benötigt werden, allerdings nicht für den Einkäufer selber.
An diesem Freitag und Samstag ( 29. und 30. November) führt die Tafel Bad Aibling, wie jedes Jahr, wieder die Sammelaktion „Eins Mehr“ durch. Zahlreiche Tafel-Unterstützer und Mitarbeiter stehen dafür vor allen Supermärkten und bitten die Kunden beim Einkauf, auch einige Artikel für die Tafel Bad Aibling zu kaufen und anschließend zu spenden. Neben Bad Aibling wird auch in Bad Feilnbach, Tuntenhausen und Großkarolinenfeld gesammelt.
Tafelleiter Stöckel: „Bisher läuft es sehr gut“
„Bisher läuft es sehr gut, wir haben schon eine ganze Menge eingesammelt“, zeigt sich Tafelleiter Dr. Stefan Stöckel nach den ersten Stunden am Freitag sichtlich zufrieden. An den Märkten sei viel los und man werde die gespendeten Waren anschließend im Lager sortieren, die länger haltbaren Produkte einlagern und den Rest zeitnah bei der Tafel ausgeben. „Wir sind jedem sehr dankbar, der von dieser Liste eins bis X Stücke nach dem Einkauf bei uns abgibt.“ Laut Stöckel soll die Aktion Aufmerksamkeit auf die Bedürftigen und die Arbeit der Tafel richten.
Und das kommt an. So gibt es etwa beim Aiblinger Prechtl kaum einen Kunden, der den Laden ohne eine Spende wieder verlässt. Mehl, Zucker, Nudeln, Süßigkeiten. Die Kisten, in denen die Kunden ihre Waren-Spende nach ihrem Einkauf legen, füllen sich schnell. Am Prechtl-Eingang stehen an diesem Freitagmittag Heidi Benda und Altbürgermeister Felix Schwaller, verteilen die Zettel und nehmen die Waren entgegen.
Spender bemängelt „Armutszeugnis“
„Wir erleben hier eine positive Stimmung und die Leute sind durch die Bank sehr aufgeschlossen“, sagt Schwaller, der auch Vorsitzender der Bürgerstiftung Bad Aibling und Mangfalltal ist, dem Träger der Tafel. „Es ist überwiegend verpackte Ware, wie Kaffee oder Tee“, erklärt Schwaller dem OVB, ehe er in zahlreiche angeregte Gespräche mit Kunden verwickelt wird. „Ich mach‘ das für Bedürftige“, sagt ein Mann, der soeben ein paar Schoko-Nikoläuse an Heidi Benda übergeben hat. „Ich denke da vor allem an die Kinder an Weihnachten, denen es nicht so gut geht.“
Ein weiterer Kunde, der nicht nur eine Ware gespendet hat, sieht in der tollen Aktion einen traurigen Ursprung. „Eigentlich ist es ein Armutszeugnis, dass in einem so reichen Land überhaupt die Leute für Bedürftige spenden müssen“, sagt er. Es würden Milliarden für alles Mögliche ausgegeben, für manche Menschen reicht es aber offensichtlich nicht aus.“ Felix Schwaller freut sich deshalb umso mehr, dass so viele Aiblinger an diesem Tag Hilfsbereitschaft zeigen. „Es sind nicht nur die Waren, viele Leute spenden auch Bargeld, von fünf bis 50 Euro.“
Wo die Aktion noch bis Samstag läuft
Während sich das eingespielte Team Benda-Schwaller langsam Platzproblemen bei den Spendenkisten ausgesetzt sieht, ist die Stimmung ein paar Hundert Meter weiter, vor der Aldi-Filiale, mindestens genauso gut. „Ich spende natürlich, weil ich auch aus dem sozialen Bereich komme und genau weiß, welche Bedürfnisse es gibt“, erklärt Semra Yazan-Bachmayr, während sie ebenfalls Teile ihres Einkaufs an die Tafel übergibt.
Entgegengenommen werden die Spenden hier am Freitagmittag von Elisabeth Palm und Petra Schwaderlapp, die an der Tafel-Aktion laut eigener Aussage viel Spaß haben. „Wir haben gleich alle Kisten voll“, sagt Schwaderlapp begeistert und lobt die Aiblinger für ihre „außerordentliche Großzügigkeit“. Die Mitarbeiter und Unterstützer sind in Teams und Schichten auf die verschiedenen Märkte verteilt.
Die Aktion „Eins mehr“ läuft noch an diesem Samstag (30. November) von 8 bis 20 Uhr. An allen Supermärkten sind die Helfer vertreten, immer in Zwei-Mann-Schichten für jeweils drei Stunden. In Bad Aibling sind Prechtl, Aldi, Lidl und Kaufland vertreten, in Tuntenhausen und Großkarolinenfeld jeweils Edeka und in Bad Feilnbach Prechtl und Penny.
