Restaurierungsfirma

Wiederaufbau von Notre-Dame: Wackersberger bieten Hilfe an

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Notre-Dame in Flammen: Für das Mammutprojekt des Wiederaufbaus hat die Firma Erwin Wiegerling Restaurierungs GmbH ihre Expertise angeboten.
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Fassungslos beobachtete die Welt im April, wie ein  Brand ein wichtiges Symbol des Glaubens und der europäischen Kultur schwer beschädigte. Hilfe beim Wiederaufbau von Notre-Dame in Paris könnte aus Wackersberg kommen.

Wackersberg – Eine Wackersberger Firma möchte mithelfen, Notre-Dame in Paris wiederaufzubauen. Die Erwin Wiegerling Restaurierungs GmbH, die seit gut einem Jahr im ehemaligen „Treibhaus“ an der Steinsäge ansässig ist, hat dem französischen Konsulat Unterstützung bei dem Großprojekt angeboten.

„Es ist nicht so, dass uns langweilig wäre. Aber die Chance, an der Restaurierung so einer Kirche beteiligt zu sein, gibt es nicht oft im Leben“, erklärt Firmeninhaber Erwin Wiegerling (40). Den Anstoß, sich zu melden, hatte ein Aufruf von Bundeskanzlerin Angela Merkel gegeben. Die deutsche Regierungschefin hatte nach dem verheerenden Brand der Pariser Kathedrale erklärt, es habe sie tief berührt, die Kirche in Flammen zu sehen. Es handele sich um ein gemeinsames europäisches Erbe, und Deutschland sei bereit, „dass wir gemeinsam an dem Wiederaufbau mitwirken, auch mit deutscher Expertise, mit deutscher Erfahrung“.

Sie wollen helfen: Firmen-Inhaber Erwin Wiegerling (Mi.) und seine Brüder Peter (li. ) und Christian tätig.

Die Firma Wiegerling fühlte sich angesprochen. „Wir haben ziemlich allumfassende Erfahrung bei Restaurierungsarbeiten denkmalgeschützter Gebäude“, erklärt Erwin Wiegerling. Das Unternehmen ist auf die Konservierung, Restaurierung und Sanierung von Profan- und Sakralbauten spezialisiert. Zu den aktuell 73 Mitarbeitern zählen Restauratoren, Kirchenmaler, Maler, Schreiner, Kunstschmiede und Planer.

Kontakt zum französischen Konsulat aufgenommen

In Notre-Dame könne das Unternehmen ebenso an Reinigungs- und Absaugarbeiten mitwirken wie an der Wiederherstellung des abgebrannten Dachstuhls. „Wir sind mit den historischen Techniken vertraut, um die Holzarbeiten zu übernehmen“, erklärt Wiegerling. Zu überprüfen sei aber zunächst, ob aus statischer Sicht ein Dachstuhl aus Holz „heute noch rechenbar“ sei. Die Firma Wiegerling habe aber auch schon oft Metallkonstruktionen bei historischen Gebäuden umgesetzt. Bauzeichner und Statiker aus seinem Betrieb könnten ihre Expertise beim Wiederaufbau der zerbrochenen Raumschale einbringen. Auch für Kirchenmalerarbeiten stehe das Wackersberger Unternehmen zur Verfügung.

Wie berichtet hat Wiegerling das zuvor einige Zeit leer stehende frühere „Treibhaus“ nahe der B 472 saniert und umgebaut und im April 2018 den Sitz seines Unternehmens aus Warngau hierher verlegt. Seither hat er auch seine beiden älteren Brüder in das Unternehmen miteingebunden.

Christian Wiegerling hatte bislang in Bad Tölz sein eigenes Unternehmen geführt, die „Dekorationsmalerei Christian Wiegerling“. „Ich war lange in einem kreativen Beruf“, sagt der 52-Jährige. „Das war wunderschön, aber du kannst davon nicht existieren.“ Zudem hätten sich die Bedingungen zuletzt weiter verschlechtert, erklärt der Kirchenmalermeister. Gerade im kirchlichen Bereich seien in Zeiten scharenweiser Kirchenaustritte „viele Projekte auf Eis gelegt“ worden. „Der Kuchen wird kleiner.“ Christian Wiegerling machte seine Firma zum Jahresende 2018 dicht und trat im Januar als Angestellter in den Betrieb seines Bruders ein, wo er als eine Art Bauleiter beziehungsweise Vorarbeiter tätig ist.

Im Betrieb mitarbeiten soll in Kürze auch der Kunsthistoriker sowie Farben- und Lacktechniker Peter Wiegerling (62). Er möchte sich im Bereich Baustellen-Organisation und Materialwesen einbringen. „Jeder von uns ist auf seinem Gebiet spitze, warum soll man das nicht zusammenführen?“, sagt Erwin Wiegerling, der selbst Betriebswirt ist. In der Vergangenheit arbeiteten alle drei zeitweise in der Gaißacher Restaurierungs-Werkstatt ihres Vaters Erwin Wiegerling. Ihn zeichnete der Landkreis wie berichtet heuer mit dem Kulturehrenbrief aus.

Was Notre-Dame betrifft, so steht das Wackersberger Unternehmen mittlerweile in Korrespondenz mit dem französischen Konsulat in München. „Dort gibt es einen Mitarbeiter, der für die Belange von Notre-Dame zuständig ist“, berichtet Christian Wiegerling. Noch gebe es keine konkrete Antwort. Die Motivation seinerseits sei jedenfalls vorhanden: „Das ist einfach unser Job.“

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