VonBoris Forstnerschließen
Die Wildschwein-Abschusszahlen im Landkreis Weilheim-Schongau sind zuletzt massiv eingebrochen. Auch zu wenig Rehwild wurde laut der Unteren Jagdbehörde geschossen.
Wies – Die Premiere im Vorjahr, nur noch eine Hegeschau für das Schongauer Land durchzuführen, habe sich bewährt, sagte Landrätin Andrea Jochner-Weiß in ihrem Grußwort bei der vom Jagd- und Naturschutzverein Schongau und Umgebung ausgerichteten Pflichtveranstaltung, bei der alle Jäger ihre Trophäen vorlegen müssen. Wichtigstes Thema war das forstliche Gutachten zur Naturverjüngung im Wald, das kürzlich vorgestellt worden war und „Licht und Schatten“ zeigte, so Jochner-Weiß. Sie bat darum, möglichst einvernehmliche und gesetzeskonforme Abschusspläne einzureichen.
Prems Bürgermeister Herbert Sieber, der bereits im Vorjahr eine umjubelte Rede gehalten hatte, wählte erneut nachdenkliche Worte. Leider habe sich im schwierigen Verhältnis von Wald, Wild und Jagd nichts verbessert, „weil es oft Mensch gegen Mensch geht und Lösungen gar nicht gewollt sind“. Alle an der Jagd Beteiligten hätten ein schlechtes Image, stellte er nüchtern fest, dabei werde die Arbeit immer mehr. Weil immer mehr Jogger, Schneeschuhwanderer zu allen Tages- und Nachtzeiten im Wald unterwegs seien, zum Teil mit Hunden, und so das Wild aufschrecken, müsse man das Thema Ruhezonen diskutieren, so Sieber. „Denn Ruhe in der Natur ist gut für Jäger Wald und Wild.“
Bernbeuren ist Schlusslicht beim Rehwild-Abschuss
Manfred Stork, Leiter der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt, ging kurz auf die Themen Verbiss und Fütterung ein, ehe er auf die Abschuss-Erfüllung zum Ende der dreijährigen Jagdperiode einging. Demnach sei der vorgesehene Abschuss von Rehwild nur zu 84 Prozent erfüllt worden, mit der Hegegemeinschaft Rottenbuch an der Spitze (89 Prozent) und der Hegegemeinschaft Bernbeuren als Schlusslicht (74 Prozent). „Wobei die Situationen in den einzelnen Revieren sehr unterschiedlich ist, von unter 50 Prozent bis 120 Prozent Abschusserfüllung ist alles vertreten“, so Stork.
Er bat, möglichst zeitig im Jagdjahr loszulegen, um übermäßigen Verbiss durch Jagddruck in der Winterruhe zu vermeiden. „Wir sind zum Teil heftig kritisiert worden, weil wir in verschiedenen Revieren trotz zum Teil hoher Schneelage die Jagdzeit um 14 Tage bis 31. Januar verlängert hatten“, sagte Stork, der darauf hinwies, dass jeder Revierinhaber selbst verantwortlich sei – auch für Aspekte des Tierschutzes.
Um Ziel zu erreichen, muss ein Jäger immer abdrücken
Doch wie ist die Frage der zu geringen Abschusszahlen in Einklang zu bringen mit dem Trophäen-Ergebnis der Jäger, die vor allem junge Rehe schießen, aber eigentlich 30 Prozent alte Böcke erlegen sollten? Und der angespannten Verbiss-Situation in vielen Bereichen? „Der Großteil unserer Jäger leistet hervorragende Arbeit“, betonte Schongaus Jäger-Chef Manfred Berger und sprach zum Beispiel die aufwendige Fallwild-Beseitigung an – oft müssen Jäger nachts raus, um überfahrene Rehe oder andere Wildtiere zu entsorgen. Und zum Thema Verbiss sagte Berger, „oft reichen zwei Rehe, die für einen Großteil des Schadens in einem Revier verantwortlich sind“.
Für Stork von der Jagdbehörde sagt die Abschusszahl deshalb auch nur bedingt etwas über die Situation im Wald aus. Es gebe Reviere, da werde das Ziel nicht erfüllt und trotzdem können Bäume wie vorgeschrieben natürlich nachwachsen. Andere erfüllen das Soll, doch im Wald schaut es anders aus – das kann an den von Berger beschriebenen zwei besonders verfressenen Rehen liegen, oder, wie Stork sagt, an Scheinabschüssen – Rehe werden als erlegt eingetragen, obwohl sie gar nicht geschossen wurden. Nicht umsonst ist der so genannte körperliche Nachweis, also die Vorlage des erlegten Rehs beim Jagdvorsteher, für Stork ein probates Mittel, das auch auf Druck des Ministeriums vermehrt angewandt werden soll in Hegegemeinschaften, die seit Jahren eine schlechte Verbiss-Situation haben – und das sind nicht wenige.
Kreisjagdberater hält Abschuss-Regel für überholt
Für Kreisjagdberater Klaus Thien ist die Regel, dass zu 30 Prozent Alttiere erlegt werden müssen, was oft nur zu fünf Prozent gelingt, ohnehin überholt: „Um das Abschussziel zu erreichen, muss ein Jäger immer abdrücken und kann nicht sagen, dem Rehbock lasse ich noch Zeit bis zum nächsten Jahr.“
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Von einem Reh, das im Dornauer Feld in Schongau vermutlich von einem Hund gerissen wurde, ist nur noch die Hälfte übrig. Ein Jagdpächter und der Stadtförster nennen dazu erschreckende Zahlen.
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