Paradigmenwechsel für die Jäger in der Region Bruck: Landrat Thomas Karmasin will einigen Waidmännern erlauben, bei der Jagd auf Wildschweine die durchaus umstrittenen Nachtzielgeräte zu verwenden. Bei den Jägern sieht man das mit gemischten Gefühlen. Die Bauern dagegen halten den Schritt für absolut notwendig.
Landkreis – Die Zahl der Wildschweine in der Region Bruck nimmt stetig zu. Die Tiere verursachen teils massive Schäden auf Feldern und Wiesen. Dazu kommt die Gefahr der Afrikanischen Schweinepest. Sollte sie sich auch in Deutschland ausbereiten, wäre das ein Riesen-Problem, Sperrgebiete wären wohl die Folge.
Vor dem Hintergrund dieser Umstände will der Landrat zu einer ungewöhnlichen Maßnahme greifen: Die Erlaubnis, bei der Jagd technische Hilfsmittel zu verwenden, die es möglich machen, die nachtaktiven Wildschweine besser erlegen zu können. Der Landrat betont, dass es sich dabei nicht um Nacht-Sicht-Geräte handelt, die das Bundeskriminalamt genehmigen müsste.
Es handele sich um Geräte, die man auf das Gewehr schraubt, um bei Nacht besser sehen und zielen zu können, so Karmasin. Der Landrat reagiert damit auf Beschwerden aus der Bauernschaft und auch auf die Gefahr der Afrikanischen Schweinepest. Vor diesem Hintergrund sei es nötig, die Wildschweinbestände zu reduzieren.
Bauernobmann Georg Huber begrüßt das maximal. Er berichtet von massiven Schäden durch die Wildschweine. Auf der Suche nach tierischem Eiweiß durchackern sie Wiesen und zerstörend dabei die Grasnarbe. Außerdem fressen die Schwarzkittel auch Getreide und Mais. Huber berichtet von einer Populationssteigerung von 300 Prozent pro Jahr und fürchtet um den Frieden im Zusammenleben zwischen Landwirten und Jägern.
Noch herrsche weitgehend Ruhe, sagt Bauernobmann Huber. Noch drückten viele Bauern beide Augen zu. Es sei aber nur eine Frage der Zeit, bis größte Probleme auftauchen. „Wir befinden uns am Anfang des Wahnsinns. Wir müssen rechtzeitig beginnen, um ihn zu verhindern.“ Weil die Jagd auf die klugen Tiere sehr schwer, und eben nur nachts möglich ist, plädiert er vehement für den Einsatz der Nacht-Zielgeräte.
Warum, so fragt Huber, solle man den Jägern diese technische Möglichkeit nicht eröffnen. Wenn ein Jäger zehn Mal stundenlang in seinem Stand warten müsse, bis er eine einzige Sau erwische, sei es klar, dass er die Lust an der Jagd verliere. Huber betont freilich auch: Der Einsatz müsse ein Probelauf sein. In ein oder zwei Jahren sei man dann schlauer – in diese oder jene Richtung. „Wir müssen es zumindest probieren.“
Gerhard von Hößlin, Vorsitzender der Kreisgruppe des Bayerischen Jagdverbands, indes spricht in Bezug auf die Geräte von einer „heißen Kiste“. Es würden jetzt bereits massiv Tiere gejagt. Gerade in Vollmondnächten seien die Jäger stundenlang in den Wäldern unterwegs. Etwas über 400 Tiere seien heuer erlegt worden. Im Jahr 2007 seien es nur 87 gewesen, die Zahl sei seitdem ständig gestiegen.
Die Ziel-Geräte hält Hößlin für ein zweischneidiges Schwert – aus Sorge, dass sie in falsche Hände geraten könnten und aus Sorge, dass sie auch zur Jagd auf andere Tiere verwendet werden könnten. Er fürchtet, dass man mit den Geräten anfangs vielleicht Erfolge erzielen könnte, dass dies dann aber bald wieder abebben werde.
Landrat Karmasin unterdessen will zunächst drei Jägern die Verwendung erlauben. Diese müssen einen entsprechenden Antrag bei der Kreisbehörde einreichen, der dann unter bestimmten Auflagen respektive Voraussetzungen genehmigt wird. So soll es drei Probereviere geben. Kreis-Bauernobmann Georg Huber ist überzeugt, dass es diesen Versuch geben muss. „Wir haben keine Alternative zu einer stärkeren Bejagung.“ (Thomas Steinhardt)
