Rund 250 Pferde, dutzende Hunde, ein Esel, zahlreiche Kutschen und hunderte Besucher waren beim Willibaldritt in Jesenwang auf den Beinen. Zum 295. Mal haben Ross und Reiter traditionell den Segen des Heiligen in der Wallfahrtskirche empfangen.
Jesenwang – Die letzten beiden Bänke sind in der Wallfahrtskirche St. Willibald traditionellerweise die besten. Während draußen die Hitze flimmert sitzt man dort angenehm kühl. Nach und nach ziehen Reiter und Pferde in das Gebäude ein. Ehrfürchtig blicken sie zum Hochaltar, von dem ihnen der heilige Willibald entgegenblickt. Nur in Jesenwang darf man schließlich hoch zu Ross in die Kirche reiten, um dem Heiligen seine Reverenz zu erweisen und dafür dessen Segen zu erhalten. Ein europaweit einmaliges Erlebnis.
Beim Willibaldritt dabei zu sein und die Fürsprache des Heiligen zu erhalten ist für die meisten Teilnehmer jedoch auch ein persönliches Anliegen. Zwar sind Tier-Seuchen inzwischen selten geworden, aber die Bitte um Schutz vor Krankheiten und Unfällen ist nach wie vor aktuell. „Dreimal in vier Jahren hat’s mein Pferd schon erwischt“, sagt Malina Chizzola (16) aus Jesenwang. Sie ist heuer zum neunten Mal dabei. Für ihre Freundin Lea Burghart (19) aus Baierbrunn und ihr Pferd Calata ist es dagegen eine Premiere.
Auch Max Kugelmann will, dass seine Rösser gesund bleiben. Zwei seiner sechs Tiere hat der Bobinger zum achten Mal vor den Wagen gespannt und zieht damit die Teilnehmer vom Mammendorfer Trachtenverein D’Moasawinkler. Bio-Futter aus der eigenen Landwirtschaft ohne Antibiotika haben seine Pferde zwar bisher vor Koliken und ähnlichen Notlagen bewahrt. Ein Unfall, bei dem die Stute auf ihr eigenes Fohlen gestiegen ist und es damit schwer verletzte, machte aber trotzdem den Besuch beim Tierarzt notwendig. „Drei Tage lang war es in der Tierklinik“, sagt Kugelmann. „Alle drei Tage mussten die Verbände unter Vollnarkose gewechselt werden – das hat ganz schön gekostet.“ Seine Pferde müssen nicht bei Feld- oder Waldarbeiten helfen. Vielmehr setzt der Landwirt sie für Hochzeiten oder Kindergeburtstage ein.
Dass ein Esel – entgegen der gängigen Meinung – nicht störrisch ist, wollte Nicole Wunder aus Purk beweisen. Deswegen kam sie zum Jesenwanger Willibaldritt. Freilich soll der 22-jährige Esel Pepe aber auch gesund bleiben. Darum kümmern sich jedoch auch die Heiligen Leonhard und Silvester. Auf deren Fahrten in Bruck und Türkenfeld ist Nicole Wunder auch immer dabei.
Die Aufstellung von Rössern, Reitern und Gespannen erforderte in diesem Jahr etwas Flexibilität. Wegen diverser Straßenbaumaßnahmen im Zusammenhang mit der Dorferneuerung waren einige Absperrungen zu umkurven. Jesenwangs Bürgermeister Erwin Fraunhofer freute sich über die große Beteiligung beim Willibaldritt: „Wenn es wieder soweit ist und die Uhr aufgezogen wird, laufen alle Zahnräder des Ortes mit“, sagte Fraunhofer und lobte damit das Engagement der Ortsvereine.
Die weiteste Anreise würdigte Cheforganisator Martin Schmid vom Förderverein St. Willibald in seiner Ansprache besonders. Ein Pferd aus Aachen durfte nach mehreren Autobahn-Etappen Kurzurlaub in Bayern machen und sich samt seiner Reiterin den Segen eines bayerischen Heiligen abholen. Dieser war diesmal ein ökumenischer: Pfarrer Wolfgang Huber und Diakon Tomislav Rukavina ließen sich von der evangelischen Pfarrerin Sabine Huber beim Schwingen der Weihwasserbürste am Kirchenportal ablösen.
Anders als ihre katholischen Kollegen zog Pfarrerin Huber die Anfahrt in einer Kutsche vor: „Ich bin zwar schon zum achten Mal dabei, aber noch nie auf einem Pferd gesessen und möchte an Willibald auch nicht experimentieren“.
von Max-Joseph Kronenbitter


