Interview

Experte sagt: „Die meisten Bürger wollen Windräder“

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Windkümmerer Peter Beermann erklärt, warum es mit dem Ausbau von Windkraftanlagen jetzt vorangehen soll.
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Im Interview erklärt der bayerische Windkümmerer Peter Beermann, warum es mit dem Ausbau von Windkraftanlagen jetzt vorangehen soll.

Landkreis – Noch steht im Landkreis München kein einziges Windrad. Konkrete Planungen laufen für Anlagen im Forstenrieder Park, Hofoldinger und Höhenkirchner Forst und in Garching. Peter Beermann ist Geschäftsführer einer Energiesysteme-Firma in München-Solln, die Windkraftanlagen plant. Als bayerischer Windkümmerer setzt er sich mit der Landesagentur für Energie und Klimaschutz (LENK) für die Akzeptanz und den Ausbau von Windenergieanlagen ein. Er betreut acht Kommunen, unter anderem Pullach und Neuried.

Herr Beermann, was tun Sie als Windkümmerer, um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu steigern?

Wir versuchen die Bevölkerung frühzeitig zu involvieren. Zudem machen wir uns für kommunale Projekte mit Bürgerbeteiligung stark. Beim Forstenrieder Park haben wir die Bürger von Anfang an mit in das Planungsverfahren einbezogen. Es gibt eine eigene Webseite und im Juli und Oktober fanden Infoveranstaltungen in den Gemeinden statt. Der Unmut entsteht erfahrungsgemäß dann, wenn man die Gemeinden und die Bevölkerung vor vollendete Tatsachen stellt.

Seit November gelten die neuen Ausnahmen von der 10H-Abstandsregel. Noch einflussreicher ist das Wind-an-Land-Gesetz der Bundesregierung. Sehen Sie dieses Jahr einen Durchbruch für die Windkraft?

Naja, Durchbruch ist ein großes Wort. Es ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Man hätte auch schon mit der 10H-Regel bauen können über kommunale Bauleitplanung. Die jetzigen Ausnahmen von 10H erlauben die Errichtung von Windenergieanlagen mit einer Entfernung von 1000 Metern zur Wohnbebauung unter anderem im Wald und entlang von Autobahnen und Schienennetzen. Die Regionalen Planungsverbände werden zudem bis 2032 1,8 Prozent der Landesfläche als Vorrangflächen für Windenergie ausweisen. Die bayerischen Ausnahmen von 10H greifen vor allem dort, wo es noch keine Regionalpläne gibt.

Kämpft für die Akzeptanz von Windkraftanlagen: der bayerische Windkümmerer Peter Beermann.

Was bedeuten diese Regionalpläne?

Der Freistaat Bayern hat entschieden, das geforderte Flächenziel von 1,8 Prozent über die regionalen Planungsverbände auszuweisen. Es gibt in Bayern 18 Planungsregionen, die die räumliche Entwicklung koordinieren. 14 davon haben Regionalpläne für Windkraft, die größten Teils überarbeitet werden müssen. Die vier übrigen Regionen müssen den Regionalplan für Windkraft neu aufstellen. Die Region München hat bisher keinen.

Warum dauert es so lange, bis ein Windrad steht?

Bevor der eigentliche Antrag im Landratsamt geprüft werden kann, müssen viele Gutachten angefertigt werden. Windmessungen, Windgutachten, Schall und Schattengutachten, naturschutz- und artenschutzrechtliche Gutachten. Das Artenschutzgutachten dauert mit etwa einem Jahr am längsten. Erst wenn alle Gutachten fertig gestellt sind, kann der Genehmigungsantrag beim Landratsamt eingereicht werden. Häufig werden Genehmigungen dann rechtlich angefochten. Diese Rechtsstreitigkeiten bremsen den gesamten Prozess. Erst wenn die Genehmigung rechtssicher ist, kann die Windenergieanlage in Auftrag gegeben und gebaut werden.

Wie viele müssen noch von der Windkraft überzeugt werden?

Die Akzeptanz ist schon heute sehr hoch. Das Bild von den Windkraftgegnern in der Öffentlichkeit ist oftmals etwas verzerrt. Die Studien in den letzten Jahren bereits vor der Energiekrise haben gezeigt, dass etwa 80 Prozent der Bevölkerung der Windkraft positiv gegenüber stehen; selbst wenn die Windenergieanlagen in der Nähe stehen. Die Energiekrise hat das ohnehin schon positive Stimmungsbild verstärkt.

Wird 2023 ein Jahr für die Windkraft?

Die Zeichen stehen auf Ausbau. Die Weichen sind gestellt, um den Ausbau zügig voranzutreiben. Dieses Jahr werden wir im Landkreis zwar noch keine Windräder sehen. Wir bemerken derzeit allerdings eine enorme Nachfrage, sodass sich dies in den nächsten Jahren sicherlich ändern wird.

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