Trotz schwachen Konzertbesuchs: Die Oktoberfest-Band Münchner Zwietracht ließ es im „Merkurdrome“ in Wolfratshausen krachen.
Wolfratshausen – Man stelle sich vor: Die populärste Oktoberfestband der Welt kommt nach Wolfratshausen, und keiner geht hin. Ganz so schlimm war’s nicht. Immerhin 150 von 600 maximal erlaubten Besuchern kamen trotz Temperaturen über 30 Grad und viel Veranstaltungskonkurrenz in die ehemalige Merkur-Druckerei an der Pfaffenrieder Straße. Vor so wenig Publikum spielte die Zwietracht schon lange nicht mehr. „Zuletzt bei einer privaten Geburtstagsfeier“, war am Rande von dem Ickinger Trompeter und Bandgründer Heinzi Fuhrmann zu erfahren. Aber die Jungs von der Münchner Zwietracht sind Profis genug und versprachen: „Wir reißen die Hütte ab.“ Natürlich nur sprichwörtlich. Denn wie es mit dem „Merkurdrome“ in ferner Zukunft weitergeht, hatte an diesem Abend keinerlei Bedeutung.
Drei Stunden Vollgas
Nach drei Stunden Vollgas gingen die Konzert-Gäste zum Guten Schluss beseelt von Fuhrmanns „Highway to Hell“ nach einem sehr intimen Wohnzimmerkonzert nach Hause. Veranstalter Stefan Eckardt nahm die Besucherzahl ähnlich gelassen wie die Musiker: „Diese Band so hautnah zu erleben, das hat schon was.“
Gerry Grass (Gesang, Gitarre, Trompete) holte das Publikum gleich zu Beginn mit Humor näher an die Bühne: „Wir wurden für ein ganz exklusives Konzert gebucht. Es gab nur 150 Karten. Alle verkauft. Schön, dass ihr alle da seid.“ Dann ging’s los mit einem Reigen der bekanntesten Wiesnhits – in Resis Taxi über Marmor, Stein und Eisen ohne Achsbruch bis nach Fürstenfeld. Hey Baby, da war ’was geboten. Es gingen die Hände zum Himmel. Es wurde gesungen, getanzt und gerockt. Für und vor allem mit dem Publikum. Mit dabei unter anderem einige Lokalprominenz und der mit vielen goldenen Schallplatten ausgezeichnete Komponist Hans Greiner (er komponierte und textete unter anderem für Mary Roos und die Kastelruther Spatzen). Der Wahl-Münchner hatte seine helle Freude, nicht nur an dem Highway zur Hölle.
„Highway to hell“ beim Wiesn-Warm-Up
Die Münchner Zwietracht auf der Wiesn ist eins. Doch bei den Live-Auftritten gibt es ein etwas anderes, rockigeres Programm und etwas weniger „Prosit der Gemütlichkeit“. Legendär das Schlagzeug-Solo von Mark Fugmann und die stimmgewaltigen Gesangseinlagen von Heinzi Fuhrmann, der unter anderem den „König der Löwen“ und den berühmten AC/DC-Titel anstimmte. „Highway to Hell“ ist inzwischen zu seinem Markenzeichen geworden. Das YouTube-Video, in dem er zusammen mit Thomas Gottschalk 2010 im Hippodrom singt, wurde schon zigtausendmal aufgerufen. Ein Muss bei jedem Konzert.
Das Wiesn-Warm-Up der Münchner Zwietracht im „Merkurdrome“ war jedenfalls heiß, richtig heiß. Wenn die damit wirklich einmal die Hütte abreißen wollen, muss die Feuerwehr anrücken. Bettina Sewald