38 eher hochpreisige Wohneinheiten sollen auf der Zwickerwiese in Verlängerung der Heißstraße entstehen. Ein erster Entwurf wurde am Dienstag im Tölzer Bauausschuss präsentiert und befürwortet. Erstmals war vom Thema Bergbau die Rede.
Bad Tölz – Noch lange standen Anwohner der Heißstraße und Mitglieder einer Bürgerinitiative Hintersberg nach der Sitzung zusammen, um die Ergebnisse des eben Gehörten zu analysieren. Zufrieden war man nicht, fühlte sich von der Stadt „nicht mitgenommen“ und bilanzierte viel mehr: Je mehr (teure) Gutachten und Planungsschritte die Stadt zur Entwicklung des 2,4 Hektar großen Areals in Auftrag gibt, um die von der Rathausspitze beschworene Diskussionsgrundlage zu bekommen (Bürgermeister Josef Janker: „Wir brauchen erst einmal Fakten, dann können wir reden“), desto weniger Chancen bestehen für die Hintersbergler, noch Einfluss auf die Planungen zu nehmen. Weil sich der ganze Aufwand schließlich rentieren muss, fasste es einer der Zuhörer zusammen.
In der Tat. Die Ausschuss-Mitglieder machten nicht den Eindruck, als wenn sie an der sogenannten Ideenskizze für drei Einfamilien-, zehn Doppelhäuser und fünf Dreispänner noch viel ändern wollen. Die 38 Wohneinheiten sollen durchgrünt sein, die städtebaulichen Strukturen des alten Hintersberg-Viertels (Firstrichtung, Dichte) aufgreifen und den Bezug zum umgebenden Landschaftsraum suchen. Der Vorschlag wurde als Grundlage eines Bebauungsplan-Verfahrens einstimmig befürwortet. Debatten gab es also nicht ums Ziel, sondern um den Weg dorthin.
Auch einige Stadträte waren nicht überzeugt, dass die Anlieger im Vorfeld ausreichend informiert und eingebunden waren. Bevor man Beschluss um Beschluss fasse, wäre es auch Margot Kirste (FWG) lieber gewesen, eine Ortsbegehung mit den Anliegern zu machen, um die Entwicklung auf der Zwickerwiese zu diskutieren.
„Worüber sollen wir reden?“, antwortete Bauamtsleiter Christian Fürstberger. „Das sind ungelegte Eier.“ Man habe noch keine belastbaren Zahlen und Fakten. Aber auch René Mühlberger (CSU) befürchtete, dass sich so „Dinge manifestieren, die nicht mehr verändert werden können“. Mühlberger hielt einige Einwände für durchaus bedenkenswert, die eine neue Bürgerinitiative Hintersberg in einem 18-seitigen Schreiben im Vorfeld der Sitzung erhoben hatte und auf die Christian Fürstberger vorab nur mit einem Satz eingegangen war.
Am Hintersberg wurde früher Bergbau betrieben. Könne die Stadt wirklich sicher sein, dass es durch die Bebauung zu keinen nachträglichen Gelände-Absackungen und enormen Schäden und Kosten kommen könne, fragt die BI in dem Schreiben. Und waren die Stadträte im Vorfeld über die Kosten- und Haftungsrisiken informiert, als sie dem Kauf zustimmten?
Das Bauamt schätzt die Bergbauproblematik freilich gering ein. Fürstberger: „Wir sind hier nicht im Ruhrgebiet.“ Es habe nur einen Schacht gegeben, der unterhalb des künftigen Baugebiets verlaufen sei. Es gebe gutes Kartenmaterial dazu. Man habe bereits mit dem Bergamt gesprochen, das das Baugebiet als unproblematisch bewertete. „Im worst case muss der Strang mit Beton verfüllt werden.“ Fürstberger machte klar, dass jede Untersuchung den künftigen Baugrund teurer machen wird.
Franz Mayer (Grüne) wollte nicht ausschließen, dass im städtischen Drittelanteil (auf der Zwicker-Wiese greift die ZoBon-Satzung) auch Mietwohnungen entstehen, erntete aber sofort Widerspruch von Michael Lindmair (FWG), der ebenfalls im Arbeitskreis Wohnen sitzt. Von Mietwohnungs-Beschlüssen im Arbeitskreis wisse er nichts. Vielmehr gehe er davon aus, dass der Erlös der hochpreisigen Wohnungen auf der Zwickerwiese „an anderer Stelle in Tölz für wirklich günstigen Wohnraum eingesetzt wird“.
Im Schreiben der Bürgerinitiative wurde noch ein weiterer Punkt angesprochen, der im Bauausschuss keine Rolle spielte. Warum nicht die Zufahrt zum neuen Wohngebiet über eine separate Zufahrt vom Friedhofsberg her regeln, um die Heißstraßen-Anlieger zu schützen? Das BI-Schreiben, das von Roland Lang, Marcel Mohaupt und Thomas Hilger unterzeichnet ist, geht sogar noch einen Schritt weiter und hält auch die Variante für möglich: Warum nicht gleich die untere Zwickerwiese zum Baugebiet machen und die bereits erworbenen Flächen mit dem Besitzer (Martin Sappl) tauschen?