Kultur

„Wir sind in Kochel sehr gut integriert“

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Die Schweizer Architekten Alois Diethelm und Daniel Spillmann konzipierten dieses Haus und setzten sich bei einem Wettbewerb gegen die Konkurrenz durch. Vom Panoramazimmer hat man einen wunderbaren Ausblick auf den Kochelsee und die Berge. Der Raum wird auch für Trauungen genutzt.
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Das Franz-Marc-Museum in Kochel feiert heuer seinen 10. Geburtstag. Groß gefeiert wird am 17. Juni.

Kochel am See – Das Franz-Marc-Museum in Kochel existiert eigentlich schon seit 1986. Doch die Blicke der Kunstliebhaber zieht es vor allem seit zehn Jahren auf sich, seit im Juni 2008 der Erweiterungsbau eingeweiht wurde (wir berichteten bereits überregional). Im Mittelpunkt steht neben den Werken von Franz Marc die Kunst des 20. Jahrhunderts, dargestellt in Sonderschauen mit bedeutenden Leihgaben von bekannten Museen aus dem In- und Ausland.

Cathrin Klingsöhr-Leroy, Direktorin des Museums

Seit 2008 gab es 32 Sonderausstellungen, besucht von insgesamt rund 700 000 Interessierten. „Der Großteil unserer Besucher kommt aus der Region, vor allem aus München und aus dem Umland“, sagt Museumsdirektorin Dr. Cathrin Klingsöhr-Leroy im Gespräch mit dem Tölzer Kurier. Durchschnittlich seien es 55 000 bis 60 000 Besucher im Jahr. „Ich bin stolz, dass wir diese Zahlen halten können.“ 2016, im Gedenkjahr zum 100. Todestag von Franz Marc, kamen sogar 64 000 Gäste. Aus dem Ausland sind es vor allem Italiener und Schweizer, gefolgt von Gästen aus Österreich, Holland, Spanien und Großbritannien, vereinzelt auch aus Japan, listet Klingsöhr-Leroy auf. Einige der Urlauber verbinden den Besuch mit einem geführten Rundgang durch Kochel, den die Tourist-Info auf den Spuren von Franz Marc im Sommer anbietet.

Eines ist Klingsöhr-Leroy besonders wichtig: „Ich habe das Gefühl, dass wir hier in Kochel gelandet und wirklich gut integriert sind.“ Das Marc-Museum werde als „positive Instanz wahrgenommen“. Kochler Bürger sind einmal im Jahr am „Tag der offenen Tür“ bei freiem Eintritt ins Museum eingeladen.

Klingsöhr-Leroy freut sich vor Ort zudem über die Arbeit des 216 Mitglieder starken Marc-Förderkreises, der das Museum seit 1986 kontinuierlich unterstützt: „Ein sehr aktiver Verein. Für die Hilfe sind wir sehr dankbar.“ Der Förderkreis hilft finanziell bei kleineren Projekten zu Franz Marc und bei der Durchführung des museumspädagogischen Programms.

Dieses hat sich im Laufe der zehn Jahre sehr gut entwickelt. „Hier mussten wir aber erst ausloten, wie wir das Interesse der Besucher gewinnen können.“ Jetzt gibt es jeden Sonntag ein offenes Atelier, zudem werden in den Schulferien spezielle Workshops angeboten. „Vor allem die Kurse im Park werden gut nachgefragt“, sagt die Direktorin. Im Museum kann man übrigens auch heiraten – im Aussichtszimmer mit Panoramablick auf Kochelsee und Herzogstand. Etwa zehn bis 15 Trauungen pro Jahr finden dort statt. Die meisten Paare kommen aus Bayern.

Auch mit der Grundschule pflegt das Museum eine enge Verbindung – und das soll so bleiben. „Rektor Jakob Dondl ist sehr aufgeschlossen“, freut sich Klingsöhr-Leroy, selbst Mutter zweier erwachsener Kinder. Die Grundschüler haben am Audioguide von Kindern für Kinder mitgearbeitet. Heuer, zur Sonderausstellung zum Thema „Lektüre“ (ab 17. Juni), werden einige Schüler zu Museumsführern ausgebildet.

Apropos 17. Juni: An diesem Sonntag findet die Jubiläumsfeier zum zehnjährigen Bestehen statt. Vormittags gibt es einen Festakt für geladene Gäste, ab 15 Uhr steht das Museum dann allen Besuchern offen – bei freiem Eintritt. Verschiedene Angebote für Kinder und Erwachsene runden das Programm ab.

Zwölf Mitarbeiter in Voll-und Teilzeit sind im Museum beschäftigt. „In den vergangenen zehn Jahren ist eigentlich kaum jemand ausgeschieden. Ich werte das als Beweis, dass sich alle mit unserem Haus identifizieren und sich wohlfühlen“, sagt Klingsöhr-Leroy nicht ohne Stolz. Seit 2010 ist sie sowohl für die künstlerische Ausrichtung als auch für die Betriebs-, Finanz- und Personalverwaltung des rein privat finanzierten Museums (siehe Kasten) verantwortlich. Der Etat beträgt rund eine Million Euro. „Etwa 60 Prozent erwirtschaften wir selbst durch die Eintrittspreise“, sagt die Direktorin. Erwachsene zahlen 8,50 Euro. Der Preis ist seit 2008 stabil – und daran soll sich auch nichts ändern. „Das Museum soll als Ort für viele Menschen zugänglich sein.“

Weil nach zehn Jahren der Sammlungskatalog fast vergriffen ist, wird derzeit an einer erweiterten Neuauflage gearbeitet. Daran beteiligt sind auch Studenten der LMU München im Rahmen eines Projekts. Sie beschäftigen sich unter anderem mit Dossiers zu Franz Marcs kunsthandwerklichen Entwürfen und seinen Skizzenbuchblättern. Ein weiteres Kapitel wird sich um Sammlerpersönlichkeiten drehen, verrät die Direktorin. Zudem arbeitet das Museum an einem neuen Internetauftritt.

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