- VonJennifer Beuerleinschließen
Der Rückgang der Gastronomie in Vagen bedroht das soziale Leben der Bürger. Aus diesem Grund initiierte der Ortsbeirat einen Arbeitskreis, wo alle Bürger eingeladen sind, nach Lösungen zu suchen. Beim ersten Treffen kamen bereits einige spannende Ideen zusammen.
Vagen – An dem Abend kamen viele Menschen zusammen. Denn für sie alle war es eine wichtige Angelegenheit. Das gastronomische Angebot in dem Ortsteil Vagen der Gemeinde Feldkirchen-Westerham geht zurück. So wurde im vergangenen Jahr das endgültige Aus des Gasthofs Schäffler besiegelt. Die Türen der Gastronomie waren allerdings schon länger verriegelt. Nun bleibt den Bürgern nicht mehr viel. Und das soll jetzt geändert werden.
Denn für den Ortsratsvorsitzenden Mathias Schmid war klar, der Rückgang der Gastronomie muss gestoppt werden. Damit sei nämlich das soziale Leben der Bürger und der Gemeinschaft gefährdet. Um dem entgegenzuwirken, initiierte der Ortsbeirat einen Arbeitskreis mit den Bürgern. Ziel ist es, Ideen zu entwickeln, um bestehende Betriebe zu unterstützen und neue Konzepte zu fördern. Alle Bürger wurden aufgerufen, ihre Vorschläge einzubringen. Und am Abend des 25. Juni war es dann so weit. Fast 35 interessierte Bürger aller Altersgruppen kamen zusammen, um sich an der Ideenwerkstatt „Gastro“ zu beteiligen. Andreas Haimerl, stellvertretender Vorsitzender des Ortsbeirats Vagen, blickt auf den Abend zufrieden zurück.
Einführen vom „Gastroführer“
„Mit dem Abriss des Gasthofs Schäffler wurde Vagen als lebendiger Ort der gesellschaftliche Mittelpunkt der Ortsgemeinschaft und des Vereinslebens genommen“, sagt Haimerl. Vor allem die dort noch sehr „gelebte bayerische Wirtshauskultur“ mit ihren Stammtischen ging mit der Schließung verloren. So mussten unter anderem Vereinsveranstaltungen umorganisiert werden. „Das gesellschaftliche Leben im Ort hat sich relativ schnell verändert und entwickelt sich in eine ganz andere Richtung“, so der stellvertretende Vorsitzender.
Zwar würde das Vereinsleben nach wie vor in gelebter Form stattfinden, doch nicht alle Bürger seien dort eingebunden. Mit der Zeit habe man gemerkt, dass die Nachfrage nach einem gesellschaftlichen Austausch in der Gemeinschaft nach wie vor groß sei. Und das auch unabhängig vom Vereinsleben. Die Leute wollten sich einfach wieder zwanglos miteinander austauschen. Und wo gehe so etwas besser als im Kreise eines gemütlichen Stammtischs? „Die Herausforderung für uns ist nun, diesem Bedarf irgendwo und irgendwie gerecht zu werden“, erklärt Haimerl. So sind auch Kochabende für Männer, Schafkopfabende, Musiktreffen oder Diskussionsrunden bei den Bürgern gewünscht. Doch die Frage nach dem wo ist dabei das größte Problem.
Ein Vorschlag, um die Gastronomie wieder in Schwung zu bekommen, ist ein sogenannter „Gastroführer“. „Es soll ein Ortsplan erstellt werden mit Verweis und Vernetzung auf die bestehenden, vorhandenen Strukturen, die für Veranstaltungen oder Events genutzt werden können“, sagt Andreas Haimerl. Denn nicht alle Bürger wissen, welche es vor Ort gibt. Hierzu zählen unter anderem der Kellerwirt, die Pizzeria Castel del Monte, der Veranstaltungsraum Köpke-Hof, die Wallner-Alm, das Boschnhaus oder die Cateringplatte durch „Fanni‘s Ladl“. Auf dem Gastroführer sollen außerdem die Kontaktdaten der jeweiligen Eigentümer, Vermieter oder Gastronomen aufgeführt werden, sowie der Verweis auf die Raumgröße und wie viele Personen dort hineinpassen.
„Ein großer Wunsch der Vagener-Bürger“
Des Weiteren wurden auch „tiefergreifende Gespräche“ mit den Eigentümern der „strategisch wichtigsten Liegenschaften und Gebäude“, wie die am Ortseingang und in der Ortsmitte, gehalten. Man sei sich einig, dass neue Nutzungskonzepte entwickelt werden müssen und bestehende Strukturen weiter ausgebaut werden sollen. Wie zum Beispiel die Ansiedlung eines Cafés. Aber auch die Einführung eines regelmäßigen Stammtisches am Boschnhaus soll zeitnah umgesetzt werden. „Einen regelmäßigen Frauenstammtisch gibt es bereits einmal im Monat“, sagt Haimerl. „Dieser ist sehr gut besucht und das allein zeigt schon, dass der Bedarf hierfür gegeben ist.“
Viele Bürger wollten außerdem wissen, wie es mit der beliebten Pizzeria des Ortes „Castel del Monte“ weitergeht. „Der Fortbestand ist ein großer Wunsch der Vagener Bürger“, betont der stellvertretende Vorsitzende. Der Betreiber der Pizzeria konnte am Abend aber alle beruhigen. Er versicherte, dass er seinen Laden noch viele Jahre in seiner jetzigen Form fortführen wird. Allerdings nur, solange es seine Gesundheit zulässt.
Und auch die Familie Schäffler gab Einblicke in die bevorstehenden Baumaßnahmen zum ehemaligen Schäfflerwirt-Gelände. So sei man derzeit in der Planungsphase und habe schon einige Überlegungen, die zur Stärkung der Gastronomien führen könnten. Mehr wolle man derzeit allerdings nicht sagen. „Bezüglich des Feichtlhofs wird laut Aussage Herrn Helmut Kolb das bestehende Gebäude beseitigt und durch einen Neubau mit Wohnung ersetzt“, erklärt Andreas Haimerl. Im Erdgeschoss des Neubaus sei eine kleine gewerbliche Nutzung in Form von Bankautomaten geplant. Zudem solle auch eine Querungshilfe geschaffen werden. „Erfreulich ist, dass der Bachlauf offen in Richtung Straße vor dem Haus verlegt werden soll“, so Haimerl.
Ein weiteres Treffen wird kommen
Der stellvertretende Vorsitzende des Ortsbeirats Vagen war mit dem Abend mehr als nur zufrieden. Ihm war es vor allem wichtig, dass „einfach mal wild los diskutiert“ wurde. „Erfreulich war, dass die örtlichen Gastronomen und Besitzer der strategisch wichtigsten Immobilien ebenfalls anwesend waren, was natürlich ein erheblicher Mehrwert zu diesem Thema war“, so Haimerl. Schließlich konnten diese „fundierte Informationen aus erster Hand“ liefern.
Nun wolle man sich nochmal im Herbst an einen Tisch setzen. Haimerl hofft, dass dann auch schon ein Rohentwurf des „Gastroführers“ fertig ist und an den letzten Diskussionen wieder angeknüpft werden kann. „Alle Teilnehmer wurden gebeten, anhand der geführten Diskussion und der darin gewonnenen Erkenntnisse, Ideen zu sammeln sowie gegebenenfalls Konzepte oder Kontakte einzubringen“, sagt Haimerl. Damit bleibt es spannend, wie die Gastronomie in Vagen gerettet werden soll. Klar ist aber, dass die Bürger zusammen darum kämpfen und mit viel Begeisterung nach Lösungen suchen.

