Eine neue Form des Trampens

Wo in Wolfratshausen Mitfahrerbänke stehen

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Richtung Waldram bitte: Wie hier an der Kräuterstraße stehen jetzt an vier Standorten Mitfahrerbänke.

Mitfahrerbänke sollen es erleichtern, schnell und unkompliziert von A nach B zu gelangen. Die Stadt Wolfratshausen macht mit. Der Bürgermeister erklärt, warum.

Wolfratshausen – Nach Benediktbeuern und Münsing verfügt jetzt auch Wolfratshausen über Mitfahrbänke, sozusagen offizielle Haltestellen für Tramper. Die von den Behindertenwerkstätten gefertigten Holzbankerl stehen an der Bahnhofstraße beim alten Pumpenhäuschen in Wolfratshausen, am Prälat-Maier-Platz in Waldram, an der Weidacher Hauptstraße gegenüber dem Feuerwehrhaus in Weidach und in Farchet an der Kräuterstraße beim Stadion. Eine fünfte Sitzbank wird auf Höhe des Parkhauses von XXXLutz noch aufgestellt.

Der Stadtrat hatte vergangenen Sommer beschlossen, sich dem landkreisweiten Projekt „Mitfahrbänke“, das der Behindertenbeauftragte Ralph Seifert initiiert hat, anzuschließen. Die Sitzbänke erkennt man am roten „M“ und an den blauen Tafeln zum Umblättern, auf denen die Ziele stehen. Am Pumpenhäuschen ist unter anderem zu lesen „Farchet“, „Weidach“ und „Dorfen/Icking“. Der Wartende gibt so seinen Wunschort an, den der Vorbeifahrende lesen kann.

Hinter dem Konzept stecken mehrere Ideen. Bürgermeister Klaus Heilinglechner und Rathaus-Mitarbeiterin Sibylle Gruber erläuterten sie bei einem Pressegespräch. Zum einen soll es Menschen natürlich erleichtert werden, von A nach B zu gelangen. „Es fährt nicht immer und überall ein Bus“, sagte Heilinglechner. Der Stadtbus steuere zum Beispiel Weidach nicht an. Wenn Egling und Geretsried wie geplant ebenfalls Mitfahrbänke aufgestellt hätten, werde der Radius noch größer. Wichtig ist dem Rathauschef auch der ökologische Aspekt. Viele Autos seien nur mit dem Fahrer besetzt – eine Verschwendung von Sprit und Kohlendioxid. Schließlich hoffen er und Gruber, dass die Aktion dazu führt, nachbarschaftliche Bekanntschaften zu schließen oder zu vertiefen oder Fahrgemeinschaften zu gründen. „Man kennt sich in der Regel in den Stadtteilen, zumindest vom Sehen“, sagte Heilinglechner. Das setze auf beiden Seiten, beim Autofahrer und beim Mitfahrer, die Hemmschwelle herab.

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Der Bürgermeister glaubt nicht, dass die moderne Art des Trampens gefährlich ist. Eltern müssten mit ihren Kindern freilich über das Thema reden. Sibylle Gruber hat extra in der Eifel bei der Gemeinde, die die erste Mitfahrbank Deutschlands eingeführt hat, angerufen. Es sei dort noch nie zu Übergriffen gekommen, habe man ihr mitgeteilt.

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Dass die Bänke auf eigene Verantwortung benutzt werden und die Stadt keine Haftung übernimmt, war bereits im Vorfeld geklärt worden. Jede der Bänke hat laut Heilinglechner 250 Euro gekostet. In seinen Augen ist das Projekt ausbaufähig. Im Landratsamt plane man gerade eine App, die sämtliche Bänke im Landkreis anzeigt. Ob das Angebot von der Bevölkerung angenommen werde, zeige sich wohl erst nach einigen Monaten. Die Stadt freue sich jedenfalls über Feedback auf ihrer Homepage. Tanja Lühr

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