Pläne des Immobilienmoguls Rainer Beck

Wohnen in Erdhügeln: Hotelprojekt am Kochelsee stößt auf Widerstand

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Kochler Idyll: Vor etwa zehn Jahren hat Rainer Beck dieses Grundstück in Altjoch gekauft. Bis dato handelt es sich um eine landwirtschaftliche Fläche mit einer kleinen Kapelle. Nun kann sich der Investor dort ein touristisches Projekt mit Erd-Lodges vorstellen
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    Andreas Steppan
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Für Kochels Bürgermeister Thomas Holz könnte es ein „touristisches Leuchtturmprojekt“ werden. Viele Anwohner betrachten ein am Seeufer in Altjoch geplantes Hotel mit großer Sorge. Das liegt auch daran, dass hinter dem Projekt der berüchtigte Münchner Immobilien-Mogul Rainer Beck steckt.

Kochel am See – Rund zehn Jahre ist es her, dass der Münchner Rainer Beck ein 26 000 Quadratmeter großes Grundstück in Altjoch kaufte. Nun hat er offenbar Pläne, wie er es nutzen möchte. Am Dienstagabend präsentierte ein Mitarbeiter von Beck den Anwohnern in einer nicht öffentlichen Versammlung die Ideen für das Areal. Im Anschluss befasste sich der Gemeinderat – ebenfalls nicht öffentlich – mit dem Thema.

Wie Bürgermeister Thomas Holz auf Anfrage erklärt, ist dort ein Hotelprojekt vorgesehen, bestehend aus einzelnen eingeschossigen Lodges – die Anzahl steht momentan nicht fest –, die fast komplett begrünt werden. „Von hinten sieht das wohl aus wie eine Buckelwiese mit etwas größeren Buckeln“, schildert Holz seinen ersten Eindruck von den Plänen. Nur zum See hin sollen die Erd-Lodges Fenster und eine Terrasse haben. Dazu soll ein zentrales Gebäude mit Rezeption und Kiosk entstehen sowie ein ebenfalls begrüntes Parkhaus. Zu den Lodges selbst gebe es keine Zufahrten, auch oberirdische Stellplätze seien nicht vorgesehen. Eine Querfinanzierung durch Wohnungen, wie man es aus Tölz kennt, sei nicht vorgesehen.

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Für Holz könnte das Ganze „ein touristisches Leuchtturmprojekt“ sein. „Solche Lodges gibt es nirgendwo anders.“ Zudem bringe es Arbeitsplätze und könne generell eine „Weiterentwicklung des Tourismus“ darstellen. Gleichwohl „nehmen wir die Bedenken der Anwohner natürlich ernst“, versichert Holz. Die Planungen seien bislang nicht konkret genug, um wirklich Aussagen treffen zu können, welche Auswirkungen das Hotel beispielsweise auf die verkehrliche Belastung hat. „Im Gemeinderat ist die Grundstimmung, dass wir dem Projekt eine Chance geben wollen, zunächst einmal konkreter entwickelt zu werden, um es überhaupt beurteilen zu können.“ Das sei keine Zusage, „dass wir später wirklich zustimmen“.

Bei den Anwohnern, von denen am Dienstag rund 40 bei der Infoveranstaltung gewesen sein sollen, herrscht wenig Begeisterung. Rundweg als „Riesensauerei“ bezeichnet der Altjocher Claudius Gall das Vorhaben. Es gehe hier um „eine der letzten naturnahen Flächen am Kochelsee“. Mit dem Bau eines Hotels werde sie „im Zweifelsfall zubetoniert“, und das in Zeiten der rasend fortschreitenden Flächenversiegelung. Daran ändert aus Sicht des Mediziners auch die Tatsache nichts, dass die Dächer begrünt sein sollen. „Das ist bloß Augenwischerei.“

Das Projekt soll in Altjoch am Ufer des Kochelsees entstehen.

Auch wenn am Dienstag nur sehr vage Pläne vorgestellt worden seien, hat Gall „grundsätzliche Zweifel“, dass der angedachte „Luxus-Campingplatz“ in irgendeiner Form „nachhaltig und naturnah“ sein und die örtliche Biodiversität erhalten könne. „Deswegen ist die Einwohnerschaft geschlossen gegen das Projekt“, sagt er im Gespräch mit dem Tölzer Kurier.

Zur ablehnenden Stimmung trägt offenbar die Tatsache bei, dass es sich bei Investor Beck um einen „Baulöwen aus München“ handelt, wie der Altjocher Martin Jäger es formuliert. Auch Gall stellt fest, dass Beck „ein zweifelhafter Ruf“ vorauseile.

Wer den Namen Rainer Beck googelt, stößt auf zahlreiche Artikel über den Immobilienmogul. Der Münchner Mieterverein bezeichnet ihn in einem tz-Artikel als „schlimmsten Entmieter der Stadt“, der Immobilien aufkaufe, Luxussanierungen vornehme und mit horrenden Mieterhöhung und einer gewissen „Zermürbungstaktik“ dafür sorge, dass die alten Bewohner das Feld räumen.

Noch aus anderen Gründen herrscht bei den Altjochern Misstrauen gegenüber Beck. Vor zehn Jahren habe er nämlich versucht, bei seinem Grundstück den Zugang zum See für die Öffentlichkeit zu sperren. Das konnte er letztlich nicht durchsetzen, da der Uferstreifen im Besitz der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung ist. „Aber wir haben jetzt Sorgen, dass der Zugang zum See für die Anwohner künftig eingeschränkt werden könnte“, sagt Jäger.

Zudem befürchten die Altjocher zusätzlichen Verkehr. „An einem Sonntagnachmittag im Sommer ist es doch jetzt schon so, dass wir keine Chance haben, aus Altjoch herauszukommen“, sagt Jäger. Er befürchtet zudem, dass das Hotel „ein zweites Elmau“ werden könnte, also ein abgeschirmter Bereich „für das obere eine Prozent“, das den Einheimischen keinen Nutzen bringe. Jäger erklärt deshalb, er stehe dem Vorhaben „nicht direkt ablehnend gegenüber“, aber doch „sehr skeptisch“.

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