Wohnprojekt in Weilheim

„Wir können nicht um jeden Baum herumbauen“

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Auf diesem Grundstück zwischen Münchener Straße und Bahnhofgasse errichtet das Bürgerheim Wohnungen für Senioren und Mitarbeiter. Dafür wurde bereits eine große Eiche gefällt, wie der Baumstrumpf in der Bildmitte zeigt.
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Das Bauprojekt an sich finden alle gut. Doch dass für das geplante „Mehrgenerationenhaus“ des Bürgerheims zwischen Münchener Straße und Bahnhofgasse prächtige Bäume fallen, das sorgte gestern erneut für Diskussionen im Bauausschuss der Stadt Weilheim.

Weilheim – Eine prächtige, rund 100 Jahre alte Eiche musste dem Vorhaben schon weichen. Schweren Herzens hatte der Bauausschuss des Stadtrates im Februar deren Fällung zugestimmt (wir berichteten). Denn niemand wollte daran die hoch willkommenen Pläne des städtischen Bürgerheims scheitern lassen, in Holzbauweise ein „Mehrgenerationenhaus“ mit rund 20 neuen Wohnungen – teils für Mitarbeiter, teils für „Betreutes Wohnen“ – zu errichten. Das Grundstück dafür hat das Heim geerbt; es liegt hinter der Villa an der Münchener Straße 21, die bereits 2017 zu zehn seniorengerechten Wohnungen umgebaut wurde.

Planung ist weit fortgeschritten

Zusätzlich zu Ersatzpflanzungen vor Ort will die Stadt als Ausgleich für den gefällten Prachtbaum eine „Solitär-Eiche“ in freier Natur pflanzen. Und womöglich ist noch eine zweite solche Pflanzung angebracht. Denn in der Bauausschuss-Sitzung am Dienstag war von einem weiteren stattlichen Baum die Rede, der auf dem Baugrundstück wohl nicht zu halten ist. Anwohner hatten Grünen-Stadträtin Brigitte Gronau – die auch als Stadtratsreferentin fürs Bürgerheim fungiert – kurz vor der Sitzung auf eine große Trauerlinde im Westteil des Gartens aufmerksam gemacht. Um diese zu erhalten, müsste die bereits „weit fortgeschrittene Planung umgeschmissen werden“, erklärte Stadtbaumeisterin Katrin Fischer: „Dafür ist es zu spät.“

„Wir brauchen das Betreute Wohnen dringend“

Das wollte Alfred Honisch (Grüne) im Ausschuss so nicht stehen lassen. Ihn wurmte, dass ein solcher Baum nicht von vornherein als „zu erhalten“ festgesetzt sei und „erst auf dem Umweg zum Thema werde, dass sich Anwohner melden“. Er frage sich schon, „ob wir als Stadt da nicht die Verpflichtung hätten, mehr bestehende große Bäume zu erhalten“.

„Machbar ist vieles, aber finanzierbar ist nicht alles“, meinte dazu Rupert Pentenrieder (BfW): Man könne nicht „um jeden Baum herumbauen“ und dürfe das Projekt in dieser Phase nicht mehr in Frage stellen. „Sind wir froh, dass wir das ,Betreute Wohnen’ dort kriegen, das brauchen wir dringend.“ Der Fokus dieser Planung liege auf dem Bauvorhaben des Bürgerheims, betonte auch Stefan Kirchmayer vom Stadtbauamt: „Man wollte diese Erweiterungsmöglichkeit zugestehen.“ Und, so fügte er hinzu: „Weilheim hat keine Baumschutzverordnung.“ Alles in allem werde dieses Quartier durch die Neuplanung jedoch „eine grünere Insel als jetzt“.

Nachbarn sind gegen geplanten Geh- und Radweg

So hat der Bauausschuss die bereits viel diskutierte Änderung des Bebauungsplanes für den Bereich zwischen Münchener Straße, Schützenstraße und Bahnhofgasse – die auch auf anderen Grundstücken eine „verträgliche Nachverdichtung“ ermöglicht – nun einstimmig als Satzung beschlossen. Ergänzt wird lediglich ein „Hinweis“, den vorhandenen Baumbestand so weit wie möglich zu erhalten.

Bei der jüngsten öffentlichen Auslegung der Planunterlagen wandten sich Nachbarn noch gegen den Geh- und Radweg zur Bahnhofgasse, der zwischen ihrem Grundstück und jenem fürs „Betreute Wohnen“ vorgesehen ist. Dadurch werde eine große Linde in ihrem Garten gefährdet, so die Begründung. Doch die Stadt bleibt bei der Planung. Man werde den Weg so gestalten, dass der Linde nichts passiert, versprach Kirchmayer.

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