VonCarl-Christian Eickschließen
Bezahlbaren Wohnraum schaffen. Das ist die ureigenste Aufgabe der 1948 gegründeten Baugenossenschaft. In der jüngsten Mitgliederversammlung wurde aber einmal mehr deutlich: Trotz aller Bemühungen ist die Wohnungsnot in Wolfratshausen akut.
Wolfratshausen – 14 Mitglieder, keine einzige Wohnung und knapp 14.000 Mark in der Kasse. Das war die Faktenlage bei der Gründung der Baugenossenschaft (BG) Wolfratshausen im November 1948. Knapp 70 Jahre später zählt die BG 635 Mitglieder, betreut gut 470 Wohnungen und das Bilanzvolumen beträgt fast 35 Millionen Euro. Sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat sind mit dem Geschäftsjahr 2017 sehr zufrieden, doch die Herausforderungen seien nicht kleiner geworden: „Es wird gebaut und gebaut, auch hier in Wolfratshausen“, stellte Vorstandsmitglied Britta Wurm am Mittwochabend in der Mitgliederversammlung im Sparkassensaal fest. „Aber selbst wenn die Bautätigkeit weiter ausgeweitet wird – es wird nicht reichen, um allen Menschen, die neu in die Boomregion München kommen, ein Dach über dem Kopf zu bieten.“
Schon heute sei die Situation dramatisch. Laut Wurm umfasst die Warteliste der Baugenossenschaft aktuell 318 Namen. Sie unterstrich eine Aussage von Caritas-Mitarbeiterin Ines Lobenstein: Zu den Wohnungssuchenden in Wolfratshausen zählen längst nicht mehr nur „Alkoholiker und Bildungsfremde“, sondern Polizisten, Krankenschwestern und Erzieherinnen. „Wir haben die Wohnungsnot direkt vor unserer Haustür“, bedauerte Wurm. Nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sei das BG-Projekt an der Blombergstraße, dort entstehen wie berichtet bis 2021 insgesamt 63 neue Wohnungen, allesamt einkommensgefördert.
„Wir brauchen günstige Grundstücke“
Um auch künftig bezahlbaren Wohnraum schaffen zu können, „brauchen wir vor allem günstige Grundstücke“, betonte Wurm. Seit 2006 seien die Baulandpreise in der Region enorm gestiegen. „In Wolfratshausen ist ein Quadratmeterpreis von 1000 Euro und mehr mittlerweile keine Seltenheit mehr“, konstatierte die Vorstandsvertreterin. Eine signifikante Ausweisung neuer Bauflächen sei nicht in Sicht, unter dem knappen Angebot hätten vor allem sozial orientierte Wohnungsunternehmen wie die Baugenossenschaft zu leiden. Privateigentümern Grundstücke abzukaufen, um preisgünstigen Wohnraum zu bauen, sei finanziell nicht darstellbar.
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„Das Ansinnen, den Flächenverbrauch zu reglementieren, ist verständlich“, sagte Wurm in Anwesenheit von Bürgermeister Klaus Heilinglechner. „Aber das darf nicht dazu führen, dass Menschen kein Zuhause mehr bekommen. Die vorhandenen Flächen müssen durch eine dichtere Bebauung und mehr Geschossflächen besser ausgenutzt werden.“ Mehrgeschossiger Wohnungsbau sei energieeffizienter und spare gegenüber Eigenheimen „deutlich mehr Fläche ein“.
Zu dem teuren Baugrund würden sich hohe Baukosten gesellen. „Seit 2005 sind sie um 55 Prozent nach oben geschossen“, berichtete Wurm. Ein erheblicher Teil der Mietpreissteigerungen in den vergangenen Jahren sei auf diese Tatsache zurückzuführen.
Wurm plädierte dafür, dass „das Bauen in den Kommunen zur Chefsache wird“. Die Bauämter müssten personell aufgestockt und Bauvorschriften abgebaut werden. „Bauen muss einfacher gehen, wir brauchen wieder ein Miteinander der Investoren, der Kommune und der Baubehörden, um die Genehmigungsverfahren zu beschleunigen“.
Die Baugenossenschaft leiste „einen ganz wichtigen Beitrag zur Entlastung des nach wie vor überhitzten Mietmarktes in Wolfratshausen“, sagte Christian von Stülpnagel, Aufsichtsratsvorsitzender der BG. Doch auch er rechnet mit unablässigem Zuzug – „unsere Stadt liegt im Brennpunkt des künftigen Bevölkerungszuwachses in der Region München“. Das bedeute, dass die Leistungsfähigkeit der BG weiterhin sehr wichtig sei. „Wir wären dank guter Ertragslage sowie liquider Mittel und ohne Inanspruchnahme von Steuermitteln dazu in der Lage und bereit“, bezahlbare Wohnungen zu bauen, beteuerte der Aufsichtsratsvorsitzende. „Jedoch ist kein freies Grundstück in unserer Hand und die Aussicht darauf leider sehr schlecht.“ cce
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