- VonRudi Stalleinschließen
Dr. Josef Hingerl macht ernst: Der Präsident des Golfclubs Bergkramerhof und Rechtsanwalt öffnet das Grün in Wolfratshausen. Die Mitglieder sind begeistert, Verband und Behörden empört.
- Aufgrund der Corona-Pandemie ist das Golfspielen untersagt
- Wolfratshauser Golfclub-Präsident sieht sich in seinen Grundrechten eingeschränkt und öffnet den Golfplatz Bergkramerhof
- Landratsamt und Innenministerium drohen mit Schließung
Wolfratshausen – Ein Golfer schreitet mit breitem Grinsen über den Parkplatz, den rechten Daumen in die Höhe gestreckt. „Bravo“, ruft ein anderer und klatscht in die Hände. „Einfach nur schön“, flötet eine Dame, die ihre Runde bereits beendet hat, „auch für die Seele.“ Dr. Josef Hingerl genießt den Beifall, der ihm von vergnügten Golfern entgegenweht. Da sind die Scharen von Kamerateams und Rundfunkreportern, die die Golfanlage Bergkramerhof am frühen Morgen heimgesucht haben, bereits verschwunden.
Wie angekündigt hat Hingerl, der seit Wochen Wanderer zum Spazierengehen auf seinem Golfplatz animiert, die Anlage trotz Verbots auch zum Golfen geöffnet. Zuvor hatte er Ministerpräsident Markus Söder in einem fünfseitigen Schreiben seine Beweggründe erläutert. Man sei davon ausgegangen, dass die Anlage vorigen Donnerstag im Zuge weiterer Lockerungen der Corona-Beschränkungen ebenfalls wieder hätte geöffnet werden dürfen, erklärt Hingerl gegenüber unserer Zeitung. Deshalb habe er bereits zahlreiche Reservierungen entgegengenommen. „Dann war die Enttäuschung natürlich groß.“ Das war der Moment, als der rebellische Golfplatz-Betreiber endgültig entschied: „Jetzt reicht’s!“
Golfer am Bergkramerhof stehen hinter ihrem Präsidenten
Der voll belegte Parkplatz am Montag zeigt, dass seine Klientel auf so ein Signal gewartet hat. „Ich finde es gut, dass sich endlich mal jemand traut gegen diesen Propagandaminister“, ereifert sich Alexander Fluhrer (72). „Anfangs war das berechtigt, aber jetzt geht es deutlich an der Realität vorbei. Das ist ohne Augenmaß, total hysterisch und es verstößt gegen unsere Grundrechte“, schimpft der Golfer aus Grünwald.
Lesen Sie hier die Vorgeschichte zu dem Thema: Weil in Bayern immer noch härtere Corona-Maßnahmen gelten, als in anderen Bundesländern, wagt der Besitzer des Golfplatzes Berkramerhof nun einen riskanten Schritt.
Corona-Regeln zum Trotz: Golfplatz öffnet - Verband ist alles andere als begeistert
Der Bayerische Golfverband hingegen ist kein Hingerl-Fan. Dort zeigt man sich angefressen von den
Alleingängen des Wolfratshauser Rechtsanwalts. „Die Aktion von Herrn Hingerl ist unsportlich und schadet der Gemeinschaft der Golfer“, heißt es in einer Mitteilung des Verbands, die Hingerl unterstellt, es gehe ihm lediglich darum, „Aufmerksamkeit zu erheischen“. Statt die Verordnung im Verwaltungsverfahren anzufechten, „übt er Selbstjustiz mit öffentlicher Ankündigung“. Die Kritik endet mit der Feststellung: „Wir Golfer wollen keine Sonderstellung“. Hingerl will die Aussagen des Verbands nicht kommentieren.
Heftigen Gegenwind erfährt er auch von seinem Kollegen Dr. Werner Proebstl. Der Präsident des Golfclubs Starnberg schickt in einem geharnischten Brief an Hingerl zwar voraus, dass dessen Argumentation „in vielen Punkt durchaus diskutierenswert und richtig ist“. Die Art und Weise seines Vorgehens missbilligt das Präsidiumsmitglied des Bayerischen Golfverbands jedoch entschieden: „Sie sind dabei, viel Porzellan zu zerschlagen, und niemandem, aber auch wirklich gar niemandem dabei zu helfen.“
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Sie verstehe das nicht, sagt eine Golferin, die namentlich nicht genannt werden möchte, bei ihrem Besuch am Bergkramerhof. „An der Isar liegen die Leute dicht nebeneinander, das ist erlaubt. Wir sind hier auf einem riesigen Gelände mutterseelenallein, das ist verboten.“ Irgendwo müsse man doch mal den gesunden Menschenverstand einsetzen, findet die Dame.
Golfplatz trotz Corona eröffnet: Landrat und Innenministerium sind empört
Landratsamt und Innenministerium sind der Meinung: So geht es gar nicht! „Herr Hingerl begeht ganz klar eine Ordnungswidrigkeit, weil nach der Verordnung die Öffnung eines Golfplatzes und das Golfspielen dort nicht erlaubt ist. Ich empfinde es als zutiefst unsolidarisch gegenüber allen anderen Bürgerinnen und Bürgern, die sich ebenfalls unter Schmerzen an die verschiedensten Auflagen aus der Verordnung halten. Das ist eine Missachtung des Rechtsstaats und muss Konsequenzen haben“, teilt Landrat Josef Niedermaier mit. Das weitere Vorgehen erörtere man „in enger Abstimmung mit der Polizei und dem Innenministerium“.
Dort ist die Empörung ebenfalls groß: „Die Öffnung des Golfplatzes ist auf keinen Fall hinzunehmen und verstößt gegen geltendes Recht“, teilt die Presseabteilung mit. Das Ministerium droht mit einer sofortigen Schließung der Golfanlage. Ob es dazu kommt, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.
„Es ist ein Bußgeldverfahren eingeleitet worden“, bestätigt Josef Hingerl, der die Sperrung des Platzes nur als Gong sieht, der die nächste Runde einläutet. Dann werde er eine Normenkontrollklage beim Verfassungsgericht erheben, sagt der Rechtsanwalt. Und wendet sich wieder dem Plausch mit seinen Golfern zu, die sich den Spaß auch vom gelegentlichen Nieselregen nicht vermiesen lassen.
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