- VonPeter Herrmannschließen
Der Historische Verein und die Bürger fürs Badehaus stellen eine Musikaufnahme ins Internet. Die Klaviersonate erinnert an den Todesmarsch.
Waldram – Ende April jährt sich ein schreckliches Ereignis zum 75. Mal: In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zwangen Nationalsozialisten tausende KZ-Häftlinge aus dem Konzentrationslager Dachau und seinen Außenlagern auf verschiedenen Routen zu einem Evakuierungsmarsch in Richtung Süden. Viele starben an Entkräftung oder wurden von den SS-Wachmännern erschossen.
Eine Gruppe von Gefangenen marschierte nachts am Haus des in Kempfenhausen am Starnberger See lebenden Musikers Karl Amadeus Hartmann vorbei. Das Ereignis inspirierte ihn zur Komposition der aufwühlenden Klaviersonate „27. April 1942“. „Das ist Musik, die einem an die Nieren geht“, sagte Dr. Lucie Wohlgenannt. Die Waldramer Musikpädagogin setzte sich am Mittwoch im Erinnerungsort Badehaus ans Klavier, um einige Passagen des Stücks anzuspielen und zu kommentieren. Die Szenerie hielt Regisseurin Dr. Sybille Krafft gemeinsam mit dem Ickinger Kameramann Rüdiger Lorenz und dessen Frau Faranak für einen Kurzfilm fest, der ab dem 27. April auf den Internetseiten des Historischen Vereins und des Vereins Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald zu sehen sein wird. „Diese Erinnerung soll in der gebotenen räumlich distanzierten Form erfolgen, um die Gesundheit aller Beteiligten nicht zu gefährden“, erklärte Krafft in einem Pressegespräch. Denn die Corona-Krise hat den ursprünglichen Plan der Vorsitzenden des Badehausvereins und des Historischen Vereins Wolfratshausen zunichte gemacht. Vorgesehen war, am 2. Mai mit einem Gedenkzug und einem mehrstündigen Festakt im Badehaus an den Todesmarsch zu erinnern. Dafür sollte sogar der Zeitzeuge Jack Adler aus den USA eingeflogen werden.
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Stattdessen zog sich die Filmcrew nun Atemmasken mit dem Badehaus-Logo über und achtete penibel auf Sicherheitsabstände. Um besser verstanden zu werden, verzichtete die Pianistin auf den Mundschutz und zitierte die Eindrücke des Komponisten Hartmann. „Unendlich war der Strom, unendlich war das Elend, unendlich war das Leid“, sagte Wohlgenannt nach einer Passage.
Später, beim Pressegespräch auf dem Kolpingplatz, verriet die 44-Jährige, dass sie erst vor drei Jahren nach Waldram gezogen und mit Dr. Sybille Krafft zufällig in München ins Gespräch gekommen ist. Sofort wurde ihr ein Besuch des Erinnerungsortes Badehaus nahegelegt. Wohlgenannt ließ sich nicht lange bitten und zeigte sich auch nach der Filmaufnahme beeindruckt vom besonderen Ambiente. „Man spürt, dass von diesem Ort Geschichte und Atmosphäre ausgeht“, stellte sie fest. Um nicht nur im Internet an den Todesmarsch zu erinnern, stellt der Badehaus-Verein am 27. April ein Modell der von Professor Hubertus von Pilgrim entworfenen Mahnmal-Skulpturenreihe sowie erklärende Textdokumente ins Schaufenster des Badehauses.
ph