VonVolker Ufertingerschließen
In Deutschland wird es jetzt extrem heiß. In Panik versetzt das aber weder die Feuerwehr, noch die Landwirte, noch die Behörden. Nur um den Wald sorgt man sich.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Die nächsten Wochen werden heiß, richtig heiß. Auch seriöse Modelle sagen voraus, dass möglicherweise bis Mitte August kein Regen fällt – und das bei Temperaturen um 30 Grad. Die Dürre in Norditalien scheint nun auch in Deutschland anzukommen.
In Panik versetzt diese Nachricht zwischen Isar und Loisach vorderhand kaum jemanden. Der Sprecher der Landkreisfeuerwehren, Stefan Kießkalt, bringt es so auf den Punkt: „Sommer halt.“ Die Feuerwehr habe für die nächste Zeit keine besonderen Maßnahmen ergriffen, einfach deshalb, weil keine nötig seien. „Es gibt für alles Einsatzpläne“, sagt er. „Die Feuerwehr ist bereit.“ Zu rechnen sei gleichwohl mit einer erhöhten Waldbrandgefahr. In Erinnerung ist vielen Einsatzkräften noch das Feuer in der Pupplinger Au vor einigen Jahren. „Das kann durchaus wieder passieren.“ Bei möglichen Einsätzen werden Retter sehr schnell die Oberbekleidung ablegen, wenn man sie nicht mehr braucht.
Solche Dürren gab es durchaus schon einmal
Kreisbäuerin Ursula Fiechtner kann sich gut erinnern, dass schon einmal eine derartige Dürre geherrscht hat, und zwar 1976. „Damals hatten wir sogar Zeit, zum Baden zum Starnberger See zu gehen“, erinnert sie sich. Denn: Das Grünland war abgemäht – und neues ist nicht nachgewachsen. Also nutzte die damals junge Landwirtin die Gelegenheit zu einem erfrischenden Bad. Auf die leichte Schulter nimmt sie das Ganze nicht. Sollte eine derart massive Trockenperiode wieder anstehen, werde es zuerst auf Sandböden wie in Ascholding schwierig, erst später auf Moorböden wie in Fischbach. „Hoffen wir einfach, dass es nicht so schlimm kommt.“
Der Borkenkäfer könnte wieder ausschwärmen
Das tut ebenfalls der neue Amtsleiter Forsten im Grünen Zentrum in Holzkirchen, Maximilian Wolf. „Für den Wald wäre es eine Katastrophe“, sagt er. Denn: Die Hitze setze die Bäume unter Stress und mache sie anfällig für Schädlinge. Der Borkenkäfer, der die im Landkreis vorherrschenden Fichten angreift, habe heuer zwar relativ wenig Schäden verursacht, doch das kann sich ändern. Der Käfer produziert mehrere Generationen pro Saison. „Was die Waldbesitzer dagegen unternehmen können, ist überschaubar“, sagt Wolf. Er appelliert, die eigenen Bestände immer wieder zu inspizieren, ob der Käfer zugeschlagen hat. Und vor allem bittet der Behördenleiter dringend darum, auf das Verbrennen von Reisig zu verzichten. Die Waldbrandgefahr ist extrem hoch.
Regierung ordnet Beobachtungsflüge an
Die Regierung von Oberbayern behält die Situation im Auge. Wegen der erhöhten Waldbrandgefahr hat sie veranlasst, dass seit vergangenen Donnerstag wieder Beobachtungsflüge gestartet werden, und zwar von Eichstätt, Pfaffenhofen, Oberpfaffenhofen, Erding, Mühldorff, Ohlstadt sowie Königsdorf. Die Flüge starten am Nachmittag. Aufgrund der Trockenheit herrscht schon jetzt hohe Waldbrandgefahr (Stufe 3 von 4). Die Regierung bittet dringend darum, im Wald sowie im Umkreis von 100 Metern um einen Wald kein Feuer anzuzünden, keine offenen Feuerstätten zu betreiben, keine Pflanzen oder Pflanzenreste abzusengen und keine brennenden und glimmenden Sachen wegzuwerfen sowie nicht zu rauchen. „Das gilt auch für Waldbesitzer, Jäger und alle Personen, die mit Waldarbeiten beschäftigt sind“, heißt es in einer Mitteilung.
Relativ entspannt ist hingegen Florian Zanker, Chef des Wasserwirtschaftsamts in Weilheim. „Wir sind nicht im kritischen Bereich und kommen da wohl auch nicht rein“, sagt er. Der Sylvensteinspeicher sei zu 100 Prozent gefüllt, und dieser dient eben nicht nur dem Hochwasserschutz, sondern auch der Auffüllung des Grundwassers. Dessen Spiegel ist tatsächlich ein wenig niedriger als üblich. „Das ist eine Folge des relativ trockenen Winters“, sagt Zenker. Sorgen macht er sich deshalb nicht. Auch weil Trockenperioden am Alpenrand nie so krass ausfallen wie etwa im Norden Bayerns. „Die Nähe zu den Alpen rettet uns da ein Stück weit.“
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Wird die Hitzewelle eine Leidenszeit für die Tiere? „Das nimmt die Viecher schon mit“, sagt Georg Unterholzner, Veterinär im Landratsamt. Das erschließt sich einem, wenn man weiß, dass Kühe nicht schwitzen können und sich am wohlsten bei Temperaturen zwischen 6 und 10 Grad fühlen. Sorgen muss man sich um das Almvieh aber nicht machen. „Die meisten Landwirte haben am Rand der Weide eine Hütte stehen, wohin sich die Tiere zurückziehen können.“ Wie die Menschen auch, werden sie bevorzugt den Schatten aufsuchen. Etwas leichter haben es die Haustiere, die dank ihrer Besitzer über eine kühle Wohnung verfügen. Dort werden sie zusammen mit Herrchen und Frauchen abwarten, bis die Temperaturen wieder etwas milder und verträglicher werden.
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