VonMagdalena Höcherlschließen
Für die Serie „Sommer mit allen Sinnen“ haben wir uns in Wolfratshausen auf Spurensuche begeben. Heute: eine Schnupperstunde im Blumenladen Kastenmüller.
Wolfratshausen – Zartrosa Fassade, hellbraune Fensterläden, gusseiserner Zaun, bunte Blümchen. Wer das Erdgeschoss des anheimelnd wirkenden Häuschens betritt, wüsste selbst mit verbundenen Augen sofort, wo er sich befindet. Der Duft von orangefarbenen Rosen, lila Hortensien und pinken Bartnelken verrät es: mitten in der Blumenbinderei Kastenmüller.
Hier ist das Reich von Brigitte Wunderl, die das Geschäft an der Sauerlacher Straße in dritter Generation führt. Die 54-Jährige und ihre sieben Mitarbeiterinnen, alle gelernte Floristinnen, verbindet vor allem eins: die Liebe zu den Blumen. „Unser Beruf ist sehr kreativ und abwechslungsreich“, sagt die 54-Jährige, als sie an diesem Nachmittag rosa Röschen zu einem kleinen Strauß bindet.
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An dem großen, dunklen Holztisch im hinteren Teil des Ladens bindet ihre Kollegin Katrin Herrmann gerade weiße Wilde Möhre und cremefarbene Hortensien zu einem Strauß zusammen. Neben ihr steckt Maria Schlickenrieder ein bisschen Grün in ein hölzernes Körbchen. „Das hat eine Kundschaft vorbeigebracht und uns gebeten, es zu bepflanzen.“ Die 27-Jährige hat sich für Freilandrosen, Frauenmantel, Astern und Fetthennen entschieden. „Gerade im Sommer arbeiten wir mit heimischen Pflanzen, also mit allem, was Saison hat.“ Die Floristin betrachtet ihr Werk. „Wir schöpfen den Sommer voll aus.“
Der Charme des Vergänglichen
Brigitte Wunderl, die rosa Röschen für eine der vielen Vasen um sie herum arrangiert, ergänzt: „Das ist das Schöne – wir können jede Jahreszeit voll ausleben.“ Dass sich der Herbst in kleinen Schritten nähert, ist für den Laien nicht auf Anhieb sichtbar. Spätsommer, sagen die Floristinnen. Sonnenblumen, Dahlien oder die Vogelbeere seien die Vorboten der kommenden Saison.
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Doch momentan ist der Laden noch gefüllt mit Sommerblumen, die einen aromatischen Duft verströmen. „Wir arbeiten mit frischen, lebendigen Produkten“, sagt die Inhaberin des 60 Jahre alten Familienbetrieb. Manchmal sei es zwar schade, liebevoll gesteckte Werke verwelken zu sehen. „Doch dieses Vergängliche hat einen gewissen morbiden Charme.“
Helga Orterer nickt. „Aber dafür kommt immer etwas Neues nach.“ Ein Kreislauf, wie das Leben. Sie hat aus dem Hinterzimmer einen Arm voll pfirsichfarbener Rosen geholt. Diese wird die Floristin nun in einen grünen Kranz einarbeiten, der einem Verstorbenen als letztes Andenken zugedacht ist. Blumen sind für jedermann, zu sämtlichen Anlässen und Jahreszeiten. Doch vor allem im Sommer sind die bunten Gewächse nicht wegzudenken. Helga Orterer legt den Bund Blumen vor sich auf den Tisch und atmet tief ein. „Sommer ist, wenn die Rosen duften.“ mh
