Alfred Fraas präsentierte drei Vorschläge

Brücke, Tunnel, Floßfahrten: So geht es mit den Visionen für Wolfratshausen weiter

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Platz für gut 260 Pkw: Der Vorschlag von Alfred Fraas, eine Parkbrücke über der Loisach zu bauen, kam im Stadtrat nie zur Abstimmung.
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Kreativität kann man dem Kulturreferenten des Stadtrats nicht absprechen. Binnen eines Jahres präsentierte Alfred Fraas drei mehr oder minder spektakuläre Vorschläge. Aber was ist aus den Ideen geworden? Bürgermeister Klaus Heilinglechner klärt auf.

Wolfratshausen – Zehn bis 15 Meter hoch, Platz für mehr als 260 Pkw und zur Krönung eine riesige Café-Dachterrasse mit Blick auf die Alpenkette: Mit diesem visionären Vorstoß bereicherte Alfred Fraas (CSU) Anfang 2017 die Diskussion über die Schaffung zusätzlicher Parkplätze in Wolfratshausen.

Der Standort, den Fraas für sein Bauwerk ausgemacht hatte, sorgte jedoch bei vielen Wolfratshausern für Schnappatmung. Der Software-Entwickler skizzierte eine imposante Parkbrücke über der Loisach, konkret zwischen Andreasbrücke und Rathaus. Ähnliche Konstruktionen gebe es in Stuttgart und Leipzig. Für maximal 2,6 Millionen Euro ließe sich ein solches Bauwerk auch in der Flößerstadt realisieren.

Die Bürger debattierten den Parkbrückenvorschlag kontrovers, mehr passierte nicht. „Herr Stadtrat Fraas hat nie einen Antrag gestellt“, sagt Rathauschef Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung) auf Nachfrage. „Die Idee kam nie zur Abstimmung im Stadtrat.“

Etwas anders verhält es sich mit Fraas’ zweitem kühnen Großprojekt: Ein zirka zwei Kilometer langer Fahrzeugtunnel vom Autobahnzubringer in Wolfratshausen bis zur Pupplinger Au. Die Röhre hat der Kulturreferent Anfang dieses Jahres gemeinsam mit Markus Feigl, Vorsitzender der Bürgerinitiative für eine Wolfratshauser Umgehungsstraße, ausgetüftelt. Martin Herda, Abteilungsleiter am Staatlichen Bauamt Weilheim, zollte dem Duo seinen Respekt: Die Tunnellösung „ist eine sinnvolle und verkehrstechnisch sehr gute Variante“, stellte Herda in einem Gespräch mit unserer Zeitung fest. Dennoch überwog bei dem Experten die Skepsis, denn Fraas und Feigl rechnen mit 150 Millionen Euro Baukosten. „Durchaus realistisch“, urteilte Herda – aber Finanzierungsmöglichkeiten „sehe ich derzeit nicht“.

Tunnel-Vorschlag wurde bereits besprochen

Noch ist nicht aller Tunneltage Abend: „Der Vorschlag ist im Stadtrat bereits einmal besprochen worden“, berichtet Bürgermeister Heilinglechner. Das Gremium sei zu dem Entschluss gekommen, sich der Tunnel-Idee konkret anzunehmen, wenn die in Arbeit befindliche Verkehrsexpertise vorliegt. „Es macht wenig Sinn, über die Kosten zu debattieren“, ohne konkrete Zahlen zu Verkehrsbelastung und -strömen zu haben.

Im März hatte sich Heilinglechner mit dem neuen Leiter des Staatlichen Bauamts, Uwe Fritsch, zusammengesetzt. Dabei kam auch die Fraas/Feigl-Röhre zur Sprache. Der Tunnel wäre in den Augen des Behördenchefs eine Ortsumgehung der Staatsstraße 2070 in Richtung Egling. „Demnach wäre der Baulastträger der Freistaat“, so Fritsch. Projekte dieser Größenordnung müssen nach seinen Worten im Ausbauplan für die bayerischen Staatsstraßen enthalten sein. „Aber es ist noch nicht gewiss, wann der Ausbauplan das nächste Mal fortgeschrieben wird.“ Außerdem stellt sich auch für ihn die Frage der Finanzierung. 150 Millionen Euro könnten reichen, „aber die Jahresrate für Straßen in ganz Bayern beträgt nur 120 Millionen Euro“, gibt er zu bedenken. Laut Fritsch ist der Tunnelbau „derzeit nicht vorstellbar“.

Etwa 150 Millionen Euro teuer: Stadtrat Alfred Fraas und Markus Feigl, Vorsitzender der Bürgerinitiative für eine Wolfratshauser Umgehungsstraße, visualisierten Anfang dieses Jahres die Idee, zwischen dem Autobahnzubringer in Wolfratshausen und der Pupplinger Au einen Fahrzeugtunnel zu bauen.

Mit seinem aktuell dritten Vorschlag will Fraas die Attraktivität der Kommune erhöhen. Der CSU-Stadtrat kann sich vorstellen, dass künftig Flöße über die Loisach durch die Altstadt fahren. Eine Voraussetzung: Die Floßrutsche am Kastenmühlwehr, seit Jahrzehnten unbrauchbar, müsste ertüchtigt werden. Eine weitere Voraussetzung: Die Flößereibetriebe spielen mit – und das sieht im Moment nicht so aus. Floßmeister Franz Seitner lehnt den Vorschlag ab und spricht nach eigenen Worten auch für seine Berufskollegen. Der logistische Aufwand wäre viel zu groß, das Anlegen einer zweiten Floßlände am Wertstoffhof sehr teuer, und nicht zuletzt seien die Floßbetriebe in puncto Personal an einer Grenze angekommen.

Floßrutsche ist Thema im Stadtrat

„Mir liegt ein Antrag vor, die Floßrutsche am Kastenmühlwehr wieder in Betrieb zu nehmen“, bestätigt Bürgermeister Heilinglechner. Der Stadtrat „wird erklären, was er davon hält“. Zur Abstimmung stellen will Heilinglechner den Antrag von Fraas spätestens in der Juli-Sitzung des Gremiums. Den Vorwurf aus den Reihen der CSU, er habe die Flößer beeinflusst, den Vorschlag abzulehnen, weist er weit von sich. „Was habe ich davon, ob die Flöße durch die Stadt fahren oder nicht?“ Alles, das der Attraktivitätssteigerung der Loisachstadt helfe, werde von ihm unterstützt, versichert der Bürgermeister. „Aber es muss immer im Verhältnis stehen“, sagt Heilinglechner mit Blick auf die Stadt-Floßfahrten.

Die Flößer hätten bereits vor Jahren ihr Nein schriftlich begründet – Heilinglechner selbst rechnet mit hohen Kosten, die auf die Kommune zukommen, unter anderem für besagte zweite Floßlände am Wertstoffhof. Dort verfüge die Stadt zwar über ein Grundstück, „doch das reicht nicht an die Loisach“, sagt der Rathauschef, „dazwischen liegt FFH-Gebiet“. Auf dieses Problem habe er Fraas bereits in der Vergangenheit hingewiesen. cce

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