Trotz verschärfter Brandschutzbestimmungen

Wolfratshauser Christbaum kehrt zurück

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Budenzauber unterm Baum: Heuer wird auf dem Marienplatz in Wolfratshausen wieder ein Christbaum aufgestellt – unter Beachtung der Brandschutzvorschriften.
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Die Entscheidung sorgte bayernweit für eine kontroverse Diskussion: Aus Brandschutzgründen stellte die Stadt Wolfratshausen 2016 keinen Christbaum auf dem Marienplatz auf. Doch siehe da: Heuer wird es wieder einen geben.

Wolfratshausen – Eine Adventszeit ohne stattlichen Christbaum im Herzen der Wolfratshauser Altstadt? Viele Bürger glaubten, dass sich unsere Zeitung in der staaden Zeit einen verspäteten Aprilscherz geleistet hätte. Doch weit gefehlt: Das Landratsamt in Bad Tölz meldete nach einem Ortstermin im Oktober vergangenen Jahres ernste Sicherheitsbedenken an. Der Christbaum im Schatten der Stadtpfarrkirche St. Andreas stelle im Ernstfall ein unüberwindbares Hindernis für die Einsatzkräfte dar. Das Ergebnis: Der Marienplatz blieb in der Weihnachtszeit 2016 baumfrei.

Die Nachricht löste einen Sturm der Entrüstung aus. Georg Fischhaber, Leiter der Verkehrsbehörde im Landratsamt, reichte den Schwarzen Peter rasch an die Flößerstadt weiter. Die Kreisbehörde habe nur eine Empfehlung ausgesprochen, entschieden habe die Stadt Wolfratshausen. Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller, der Rathauschef Klaus Heilinglechner seinerzeit vertrat, erfuhr durch einen Anruf unserer Zeitung von der Entscheidung („Ich bin total überrascht, nach meinem Wissen ist das Thema im Stadtrat nicht behandelt worden“) – verteidigte den Entschluss jedoch. Andreas Spohn, Kommandant der Wolfratshauser Feuerwehr, beteuerte, dass die Wehr mit dem Baum auf dem Marienplatz zwar nicht glücklich sei, doch niemals gefordert hätte, auf ihn zu verzichten.

„Es herrschte damals einfach Zeitdruck“, sagt Bürgermeister Heilinglechner in einem Gespräch mit unserer Zeitung rückblickend. Die Empfehlung der Kreisbehörde sei mit Blick auf die Adventszeit zu spät gekommen, „da konnten wir nicht mehr reagieren“. Aber: „Heuer wird es wieder einen Christbaum auf dem Marienplatz geben“, kündigt der Rathauschef an. „Grundsätzlich geht das nicht“, stellt er mit Hinweis auf die verschärften Brandschutzvorgaben fest. Doch nach einer erneuten Bewertung sei man zu dem Schluss gekommen, das hinter – statt bisher vor – dem Marienbrunnen eine Tanne aufgerichtet werden kann.

Kommenden Montag werde das Projekt Christbaum noch einmal abschließend geprüft, anschließend werde das Landratsamt über die Renaissance „in Kenntnis gesetzt“. Gespräche mit Vertretern der Polizei und der Feuerwehr seien bereits geführt worden, berichtet der Bürgermeister.

Der Donnerhall, der dem Baumverbot 2016 folgte, hat den Rathauschef sehr überrascht. „Das hat uns natürlich zu denken gegeben.“ Ein weiterer Mosaikstein sei das Jugendforum gewesen, das kürzlich erstmalig in Wolfratshausen stattfand. Wie berichtet hatten auch viele der gut 140 teilnehmenden Kinder und Jugendlichen dafür plädiert, die Tradition weiterzuführen und wieder einen Christbaum auf dem Marienplatz aufzustellen.

Den großen Adventskranz mit elektrisch beleuchteten Kerzen auf dem Rand des Marienbrunnens – 2016 die Alternative zum klassischen Christbaum – wird die Stadt laut Rathauschef heuer nicht bestellen. Ähnliches gilt für die großen, leuchtenden Sterne, die im vergangenen Jahr in den Platanen auf dem Marienplatz hingen. „Die werden wir zur Ausschmückung der ,Eiszeit‘, der künstlichen Eisfläche an der alten Floßlände nutzen“, kündigt Heilinglechner an. 

Zwei Bäume für Geretsried

Auch in Geretsried machen sich einige Sorgen, dass es heuer am Karl-Lederer-Platz keinen Christbaum gibt. Im Zuge der Bauarbeiten im Zentrum wurde die betonierte Halterung vorübergehend entfernt. Auf Weihnachtsstimmung müssen die Bürger dennoch nicht verzichten, versichert der Pressereferent der Stadt, Thomas Loibl: „Wir werden in diesem Jahr sogar zwei Christbäume in Geretsried aufstellen: vor dem Geretsrieder Rathaus und am Neuen Platz.“ Vor dem Rathaus wird der Christbaum in einem übererdigen Fundament errichtet. Eine serbische Fichte – allerdings nur etwa vier Meter hoch – soll auf Weihnachten einstimmen. Sie wird je nach Wetterlage am 27. November aufgestellt. Voraussichtlich schon am 22. November kommt eine Tanne mit einer Höhe von zirka 8,50 Meter auf den Neuen Platz. Wie berichtet findet der Christkindlmarkt heuer im Rathausinnenhof statt. Geöffnet ist er am Samstag, 9. November, von 15 bis 21 Uhr und am Sonntag, 10. Dezember, von 13 bis 19 Uhr.

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