VonMagdalena Höcherlschließen
Seit Dezember streift die Sicherheitswacht durch Wolfratshausen. In der jüngsten Stadtratssitzung zog Polizeichef Andreas Czerweny ein erste Bilanz - und erklärte, warum die Freiwilligen die Polizei nicht ersetzen.
Wolfratshausen – Katja Jasper ist absolut überzeugt von ihrer Arbeit. „Wir bekommen eine tolle Resonanz von den Bürgern“, sagt die Irschenhauserin. Jasper ist eine der vier Ehrenamtlichen, die als Sicherheitswacht durch die Flößerstadt streifen. Sie und Andreas Czerweny, Leiter der örtlichen Polizeiinspektion, zogen in der jüngsten Stadtratsitzung eine Bilanz nach den ersten fünf Monaten. Im Anschluss stimmten 18 der 22 Räte für die Weiterführung der Sicherheitswacht. Den Anstoß für die erneute Diskussion hat Lucia Schmidt gegeben. Sie hatte in der Bürgerversammlung im März Bedenken geäußert und beantragt, das Thema noch einmal im Stadtrat auf den Tisch zu bringen. Wie berichtet haben die Räte im Juli vergangenen Jahres die Einführung der Sicherheitswacht mehrheitlich beschlossen. Auf dem Christkindlmarkt Anfang Dezember zeigten sich die vier Freiwilligen, die sich für das Projekt gemeldet hatten, zum ersten Mal den Bürgern. Zuvor waren sie 40 Stunden lang unter anderem in den Bereichen Recht, Psychologie, Kommunikation und Selbstverteidigung geschult worden.
Seither waren die ehrenamtlichen Einsatzkräfte etwa 330 Stunden unterwegs, berichtete Hauptkommissar Czerweny. Er betonte: „Die Sicherheitswacht ist keine Polizei. Sie übernimmt keine polizeilichen Themen.“ Außerdem würden durch den Einsatz der Helfer keine Polizeistellen eingespart. Laut Czerweny habe die Polizei vor Kurzem zwei neue Kollegen hinzubekommen. „Die Sicherheitswacht ersetzt keine Polizei.“
Oft eingreifen müssten Jasper und ihre Kollegen ohnehin nicht. „Wir leben hier wirklich auf einer Insel der Glückseligkeit“, sagte der Polizeichef. Zu den häufigsten Aufgaben der Wacht gehöre es, die Leute darauf hinzuweisen, ihre Hunde anzuleinen, in der Dunkelheit nur mit Licht Fahrrad zu fahren und die Radler auf etwaige Fahrverbote in der Innenstadt hinzuweisen. Auf den Märkten und in der Freinacht seien die Vier ebenfalls aktiv gewesen. „Ab und zu heben wir auch eine leere Flasche auf“, ergänzt Jasper. Ansonsten würden aber die Bürger dazu angehalten, ihren Müll ordnungsgemäß zu entsorgen. Das alles geschehe „freundlich, nett und hinweisend“.
„Sie wissen mehr von den Bürgern“
Den Sportplatz und die Isarauen wolle man in Zukunft genauer im Blick behalten, sagte der Hauptkommissar. Die Bezeichnung „Brennpunkte“ sei „zu weit hergeholt“. Doch der zunehmende Müll und die von Dr. Ulrike Krischke (Bürgervereinigung) angesprochenen Exhibitionisten an der Isar seien Probleme, die gemeinsam gelöst werden sollen. „Das schaffen wir miteinander“, sagte Czerweny. Seine Behörde profitiere von der Arbeit der Sicherheitswacht: „Sie sind draußen unterwegs und wissen mehr von den Bürgern“, betonte der Inspektionsleiter.
„Das ist eine tolle Sache“, sagte CSU-Fraktionsprecher Günther Eibl. Vize-Bürgermeister Schnaller ergänzte: „Die Sicherheitswacht ist wohltuend unauffällig, aber trotzdem total präsent.“ Dr. Hans Schmidt, Fraktionssprecher der Grünen, erklärte, für ihn sei es selbstverständlich, Leute auf zurückgelassenen Abfall oder freilaufende Hunde anzusprechen. Die Bürger sollten „weiterhin Zivilcourage zeigen“ und die Verantwortung „nicht an schlecht bezahlte Ehrenamtliche outsourcen“.
mh
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