Wolfratshausen

Elternprotest erfolgreich: Stadtrat nimmt Umzugspläne für Mittelschüler vom Tisch

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Ihr Kampf für den Verbleib der künftigen Fünftklässler an der Mittelschule Waldram war erfolgreich: Elisabeth Brustmann (li.), Mitbegründerin der Elterninitiative „Stark für unsere Kinder – die 5. Klasse der Waldramer Mittelschule bleibt bestehen“, und Elternbeiratsvorsitzende Stephanie Hanna-Necker.
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1200 Protest-Unterschriften hatte eine Elterninitiative gesammelt: Jetzt nahm der Wolfratshauser Stadtrat die Umzugspläne für Mittelschüler vom Tisch.

Wolfratshausen – Alles bleibt anders: Der Kulturausschuss des Stadtrats hatte im Mai beschlossen, dass die künftigen Fünftklässler der Mittelschule Waldram im neuen Schuljahr am Mittelschul-Standort am Hammerschmiedweg unterrichtet werden. Zahlreiche Eltern in Waldram gingen aufgrund dieser Nachricht auf die Barrikaden, 1200 Protestunterschriften überreichten sie dem Rathauschef – und in der Bürgerversammlung Mitte Juli gab’s eine deutliche Mehrheit für den Antrag der Elterninitiative: Mit dem Thema Schülerumzug muss sich der Stadtrat noch einmal befassen.

Elternprotest erfolgreich: Wolfratshauser Stadtrat nimmt Umzugspläne für Mittelschüler vom Tisch

Das tat das Gremium am Dienstagabend, in der letzten Sitzung vor der Sommerpause in der Loisachhalle. Das Ergebnis ist ein neuer, mit 23:0 Stimmen gefasster Beschluss: „Wenn an den beiden Wolfratshauser Schulen bis zum Abschluss der Um- und Erweiterungsmaßnahmen an der Hammerschmiedwegschule, voraussichtlich 2028, nur zwei fünfte Klassen gebildet werden können, werden diese in den Jahrgangsstufen fünf und sechs einzügig an den Schulen am Hammerschmiedweg und in Waldram gebildet.“ Ab der siebten Jahrgangsstufe werden die beiden Klassen am Standort in der Innenstadt zusammengeführt – das soll „zur Stärkung der Mittelschule und des Schulstandortes Wolfratshausen“ beitragen.

Das passiert, wenn eine dreizügige Mittelschule gebildet werden kann:

Bei einem nicht öffentlichen Treffen der Fraktionssprecher mit dem Bürgermeister am Montagabend im Rathaus wurde der Beschluss um den Passus ergänzt: „Sobald aufgrund der Schülerzahlen eine dreizügige Mittelschule gebildet werden kann, werden – wie in der Vergangenheit – zwei Klassen an der Schule in Wolfratshausen, Hammerschmiedweg, und eine Klasse in Wolfratshausen-Waldram gebildet.“ Auch diesem Vorschlag stimmte der Stadtrat geschlossen zu.

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Wie berichtet hatte sich der Kulturausschuss unter anderem für den Umzug der künftigen fünften Klasse aus Waldram an den Hammerschmiedweg entschlossen, da im Schuljahr 2022/23 nur zwei fünfte Klassen gebildet werden können – mehr geben die Anmeldezahlen nicht her. Doch die Waldramer Schülereltern setzten durch, dass der Stadtrat alternativ prüfen musste, für die Klassen fünf und sechs (bei zwei Klassen) jeweils eine in Waldram und eine Klasse am Hammerschmiedweg zu bilden.

Rathaus-Mitarbeiter warnt vor „Schwächung des Schulstandorts Wolfratshausen“

In der fünften und sechsten Jahrgangsstufe sei durch die jeweilige Einzügigkeit mit nur einem geringen Mehrbedarf an Lehrerstunden für den Mittelschulverbund Isar-Loisach mit Wolfratshausen, Geretsried, Königsdorf und Dietramszell zu rechnen: Darauf wies Martin Melf, Leiter des Rathaus-Referats „Bildung und Soziales“, die Stadträte hin. Ab der siebten Jahrgangsstufe würde die Einzügigkeit beider Schulen jedoch „erheblich mehr Lehrerstunden binden und somit das Stundenbudget des Mittelschulverbundes belasten und andererseits das Angebot bei den berufsorientierenden Fächern in Wolfratshausen einschränken“. Dies, so unterstrich Melf in der Sitzungsvorlage, „würde auf alle Fälle den Schulstandort Wolfratshausen schwächen“.

Bei den Lehrerstunden schauen wir in ein schwarzes Loch.  

Bürgermeister Klaus Heilinglechner

Da die sogenannten Teilhauptschulen abgeschafft wurden, sei ein Wechsel von der Einzügigkeit in den Klassenstufen fünf und sechs in eine Zweizügigkeit ab der siebten Klassenstufe eigentlich nicht möglich, erklärte Melf. Es sei denn, dass im Verbundvertrag eine entsprechende Regelung enthalten ist. Aufgrund des neuen Beschlusses muss dieser Vertrag nun geändert werden. Geretsried, Königsdorf und Dietramszell hätten schon mündlich versichert, dass sie mit einer Neuregelung einverstanden seien, sagte Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen/BVW) am Dienstag.

Langfristig bleibt der Wolfratshauser Stadtrat auf Kurs

Langfristig bleibt der Stadtrat allerdings auf dem eingeschlagenen Kurs: Nach Abschluss der Generalsanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg – voraussichtlich in sechs Jahren – wird es nur noch einen Mittelschul-Standort geben: den in der Innenstadt.

Mit Blick auf eine mögliche Dreizügigkeit vertraut der Sprecher SPD/FDP-Fraktion, Fritz Meixner, „auf die beiden Schulleiter“. Laut Rathauschef liegt die vom Kultusministerium festgelegte Teilungsgrenze bei 30 Schülern. Die „Untergrenze“ betrage 18 Schüler, er gehe aber davon aus, „dass die mutmaßlich angehoben wird“, so Heilinglechner. Eine Dreizügigkeit komme selbstredend nur infrage, „wenn es die Schülerzahlen hergeben – und die Lehrerstunden, da schauen wir in ein schwarzes Loch“. (cce)

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