Diakon Christian Horak verbringt jedes Jahr im französischen Kloster Taizé in Frankreich. Ein Ort, von dem jeder Jugendliche berührt nach Hause zurückkommt.
Wolfratshausen – „Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität.“ Das hat nicht etwa ein griesgrämiger Wolfratshauser gerade eben im Blick auf die Kids von heute geäußert, sondern – man lese und staune – der antike Philosoph Sokrates um das Jahr 470 vor Christus.
Ja, ich gebe zu, im Umgang mit jungen Menschen unserer Zeit (und da nehme ich meine eigenen Söhne nicht aus) kann man schon mitunter den oben genannten Eindruck gewinnen. Die kirchliche Jugendarbeit hat mit deutlich schwereren Randbedingungen zu tun als vor einigen Jahrzehnten, und ganz allgemein ist im Kontakt mit Kindern und Jugendlichen ein angemessenes Miteinander schwer geworden. Die Generationen klaffen auseinander. Aber vielleicht war das immer so?
Dem steht eine meiner ganz persönlichen eigenen Erfahrungen entgegen: Ich habe das Glück, alljährlich in der Pfingstwoche mit einem Bus voller junger Menschen zu Gast sein zu dürfen in der Ökumenischen Brudergemeinschaft von Taizé in Burgund, die vor gut 70 Jahren von Roger Schutz gegründet wurde. Dort verbringe ich die Woche in intensivem Austausch mit Jugendlichen, und wir beschäftigen uns im wörtlichen Sinne mit „Gott und der Welt“. Wir gehen auf gleicher Augenhöhe der Frage nach, wie unter heutigen Gesichtspunkten ein Leben gelingen kann, das im Einklang mit mir selbst, mit Gott und der mich umgebenden Lebenswelt steht. Wir wohnen dort in Zelten, leben unter einfachsten Bedingungen und nehmen dreimal täglich am Gottesdienst teil.
Eine Woche in Taizé berührt jeden
Wenn wir am Ende der Woche wieder heimreisen, ist bei Nachfrage ausgerechnet dies: das einfache Leben, die dreimalige Ausrichtung des Tages auf die Begegnung mit Gott im Gebet, Stille (!) und Singen gerade das, was sie als eindrücklichste und schönste Erinnerung mit nach Hause nehmen. Eine Parallelwelt? Nein, gerade die Einbettung dieser Beschäftigung mit mir selbst und meinem Glauben in unseren ganz normalen Alltag ist den Brüdern von Taizé ein zentrales Grundanliegen, und selbst ich k
ehre nach jeder Woche dort mit vielen guten Anregungen für ein noch mehr gelingendes Leben nach Hause zurück.
Also: Wenn Sie Ihren Kindern oder Enkeln einmal etwas ganz Besonderes schenken wollen: Ermöglichen Sie Ihnen ein Woche in Taizé (von 20. bis 27.05.2018 waren wir wieder dort), und Sie können sicher sein, dass sie Ihnen verwandelt oder doch zumindest berührt zurückkommen.
Nicht selten begegnen mir in Ehren ergraute Erwachsene, die leuchtende Augen bekommen, wenn sie an ihre Woche in Taizé zurückdenken, und mag sie 40 Jahre zurückliegen. Nächstes Jahr geht’s wieder los, die Katholische Jugendstelle nimmt jetzt schon Anmeldungen entgegen.
Hatte Sokrates recht? Vielleicht. Aber es gibt sie, die ganz, ganz anderen Erfahrungen. Gott sei Dank.
Lesen Sie auch: Kultur oder Zumutung? Was ein Geistlicher von Söders Kreuz-Befehl hält
Rubriklistenbild: © dpa / Andreas Arnold
