VonCarl-Christian Eickschließen
Rund 1,7 Millionen Euro legt die Stadt Wolfratshausen für ein Parkdeck am Paradiesweg auf den Tisch. Die Räte diskutieren bereits jetzt, ob eine Parkgebühr verlangt werden soll.
Wolfratshausen – Rund 1,7 Millionen Euro legt die Stadt für ein neues Parkdeck am Paradiesweg, in der Nähe des AWO-Demenzzentrums, auf den Tisch. Weit vor dem ersten Spatenstich diskutierten die Räte am Mittwochabend die Frage, ob von den Nutzern eine Parkgebühr verlangt werden soll.
Für Dr. Hans Schmidt ist sonnenklar: Das Parken vor den Toren der Altstadt, konkret am Paradiesweg, darf nichts kosten. „Wir produzieren sonst Suchverkehr“, erklärte der Grünen-Sprecher in der jüngsten Bauausschusssitzung. Der Fraktionschef der Bürgervereinigung, Josef Praller, ist anderer Meinung. Nicht zuletzt mit Blick auf die Investitionskosten „ist für mich schon heute klar, dass wir um eine Gebührenpflicht nicht herumkommen“. Praller kündigte an, „dass wir über das angedachte kostenfreie Parken noch einmal reden müssen“.
Keinen Gesprächsbedarf sieht Gerlinde Berchtold. Die SPD-Stadträtin votierte gegen den Bau eines Parkdecks am Paradiesweg. Die Kosten (1,7 Millionen Euro) stehen in ihren Augen in keinem Verhältnis zum Ergebnis (Platz für 97 Pkw). Berchtold favorisierte stattdessen wie Rathauschef Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung) die größtmögliche ebenerdige Lösung. Das hätte geheißen: 250 000 Euro Kosten, Stellflächen für mindestens 64 Autos.
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Zudem konterkariere der Parkdeckbau die Pläne des Investors, der nach dem Willen der Stadt auf dem Hatzplatz ein Parkhaus bauen und betreiben soll. Nur einen Steinwurf entfernt mit Steuergeld ein Parkdeck zu errichten und womöglich keine Gebühren von den Nutzern zu verlangen: „Was ist das für ein Zeichen an den Investor?“, fragte Berchtold in die Runde.
Noch ist die die Errichtung des Parkdecks am Paradiesweg nicht in Stein gemeißelt. Zunächst wird ein Schallschutzgutachten in Auftrag gegeben, dann erarbeitet das Unternehmen Goldbeck detaillierte Pläne, anschließend müssen die Räte einen Bauantrag bewerten, das Kreisbauamt diesen dann genehmigen. Heilinglechner: „Welche Auflagen von der Kommune im Rahmen des Verfahrens zusätzlich erfüllt werden müssen und in welcher Höhe dadurch Mehrkosten entstehen, kann derzeit nicht vorausgesagt werden.“
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Der Rathauschef ist sich sicher, dass mutmaßlich mehrere Anwohner gegen das Projekt klagen werden. Sie hätten bereits in Vorgesprächen auf den Erhalt des „Grüngürtels mit Baumbestand“ gepocht. Dieser könnte jedoch Schallschutzmaßnahmen zum Opfer fallen. Eine Klage, das kündigte Bürgermeister Heilinglechner in der Bauausschusssitzung an, „könnte uns zeitlich nach hinten werfen“. In der Diskussion, Parkgebühr oder nicht, legte sich der Rathauschef noch nicht fest: „Wenn wir etwas verlangen, ist die Frage: Wie wird’s angenommen?“ cce
