VonDominik Stalleinschließen
In Wolfratshausen sind die Hallenzeiten seit Jahren hart umkämpft. Im Winter zeigt sich das besonders deutlich. Die angespannte Lage verschärft sich heuer zusätzlich.
Wolfratshausen – In Wolfratshausen sind die Hallenzeiten seit Jahren hart umkämpft. Im Winter zeigt sich das besonders deutlich, wenn nicht nur die klassischen Indoor-Sportler drinnen trainieren, sondern auch die Sommersportler in die warme Turnhalle umziehen. Die ohnehin schon angespannte Situation verschärft sich in diesem Winter zusätzlich.
Seit einigen Monaten ist die Mehrzweckhalle im Ortsteil Farchet mit Flüchtlingen aus der Ukraine belegt. Deshalb schlug der Vorsitzende des BCF Wolfratshausen kürzlich Alarm: „Es geht um die Existenz und den Fortbestand des Vereins“, sagte Dr. Manfred Fleischer auf einer Vereinsversammlung. Beim Farcheter Ballclub seien sechs von sieben Abteilungen auf die Trainingszeiten in der Turnhalle angewiesen. Ein paar wenige hätten Restzeiten in anderen Sporthallen erhalten. Gelöst sei das Problem aber noch lange nicht.
Turnhalle an der Realschule seit geraumer Zeit gesperrt
Ein Mann macht seit Jahren auf die Hallensituation aufmerksam: Alfred Barth, Chef des TSV Wolfratshausen. „Die Sporthallen platzten schon vor der Sperrung in Farchet aus allen Nähten“, sagt der Leichtathlet. Die Sorge seines BCF-Kollegen könne er gut verstehen. „Auf Dauer kann so kein Verein überleben. Es ist furchtbar, wenn die Trainingsmöglichkeiten genommen werden.“ Barth weiß es aus eigener Erfahrung: Die Turnhalle an der Realschule in Wolfratshausen ist wegen einer Baustelle schon seit vergangenem Winter gesperrt und immer noch nicht freigegeben. Wann sie den Vereinen wieder zur Verfügung steht? „Ich weiß es nicht.“ Die Halle wird schmerzlich vermisst. „Unsere Leichtathleten, unsere Turner, unsere Fußballer brauchen sie. Wo sollen die alle hin?“, fragt der TSV-Chef. „Mir tut es vor allem für die Kinder wahnsinnig leid.“ Für Barth ist die Lösung offensichtlich: „Wolfratshausen bräuchte mehr Hallenflächen.“ Dass das schwierig sei, weil ein Neubau teuer und die Finanzsituation der Stadt nicht rosig sei, ist ihm klar. Trotzdem wird der TSV-Chef nicht müde, für weitere Sportflächen zu werben. „Ich habe bei jeder Wahlkampf-Veranstaltung vor der Bürgermeisterwahl die Problematik geschildert.“
Es ist Solidarität zwischen den Vereinen gefordert.
Die Probleme der anderen beiden Vereine hat Robert Linder in diesem Winter nicht. Bei der DJK Waldram hätten alle Abteilungen genügend Hallenzeiten bekommen. Sie sporteln in der Turnhalle der Grund- und Mittelschule im Ortsteil, „ein paar Fußballer kicken außerdem im Soccer-Five in Geretsried“. In der Waldramer Sporthalle können in diesem Winter auch Fußballmannschaften des FC Weidach am Donnerstag und Badminton-Spieler des BCF am Dienstag trainieren. „Wir schauen, dass wir zusammenhelfen, wo es geht“, sagt Linder. Das sei in der Waldramer Turnhalle schon lange gang und gäbe. Ein Problem seien die begehrten Zeiten am Nachmittag, wenn Jugendliche aller Altersgruppen trainieren könnten – und neben „Judo, Basketball oder Turnen“ noch die Fußballteams und andere Outdoor-Sportler in die Turnhallen drängen.
Auch interessant: Wo wohnen Asylbewerber: Ein landkreisweiter Überblick
Stefan Meyer, Vorsitzender des FC Weidach, sieht in der Waldramer Hilfsbereitschaft ein Positivbeispiel: „Es ist Solidarität zwischen den Vereinen gefordert.“ Die Verantwortung nur auf die Stadt zu schieben, ist für Meyer zu kurz gedacht: „Die Stadt hat auch kein Personal dafür, ein extrem ausgeklügeltes Verteilungssystem aufzuziehen.“ Eine weitere Turnhalle zu fordern, sei zwar leicht, „aber die muss auch finanziert werden“. Meyer hofft auf eine Zusammenarbeit aller Clubs. Würden zum Beispiel die C-Junioren-Kicker – die Kinder sind zwischen 13 und 15 Jahren alt – aller Vereine gemeinsam trainieren, könnte man Hallenzeiten sparen, die dann für andere zur Verfügung stünden. „Die Jungs kennen sich doch eh alle“, sagt der Weidach-Vorstand.
Ein Runder Tisch soll helfen
Den Vereinen soll ein Runder Tisch helfen, den der Sportreferent des Stadtrats, Max Schwarz, initiieren möchte. In dieser Runde soll es – so erklären die Vereinsvertreter unisono – um verschiedene Themen gehen, die den Sportlern auf den Nägeln brennen. Ein Thema tut das schon lange: die Hallensituation.
dst
Unser Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.
