VonMagdalena Höcherlschließen
Wenn die Temperaturen steigen, werden die Kleider kürzer. Im Berufsalltag ist das allerdings nicht gern gesehen – vor allem bei Männern. Denn die Hosenlänge ist ein wichtiger Maßstab.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Sonne knallt vom Himmel, das Thermometer zeigt frühmorgens schon über 20 Grad – Tendenz steigend. Viele Arbeitnehmer würden dann in der Früh lieber in kurze Shorts statt lange Hosen schlüpfen. Während sich Frauen mit Röcken und Kleidern luftiger kleiden können, bleibt Männern oft keine Wahl. Doch es gibt auch Ausnahmen.
„Wir sind so angezogen, wie es der Kunde von den Mitarbeitern eines Kreditinstitutes erwartet“, sagt Willi Streicher, Pressesprecher der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen. Das bedeutet: Die Männer tragen lange Hosen, geschlossene Schuhe, Sakko, Hemd und Krawatte. „Das Hemd darf im Sommer auch kurzärmelig sein und bei 30 Grad kann man natürlich auch mal das Sakko ausziehen“, erklärt Streicher. „Frauen sind flexibler. Sie können auch mal einen Rock zur Bluse tragen.“
Im Arbeitsvertrag ist der Dresscode nicht festgeschrieben, aber über angemessene Kleidung wisse jeder Bescheid. Für Auszubildende gebe es am Anfang der Lehre eine Empfehlungsliste, „doch auch die braucht’s eigentlich nicht“. Kurze Hosen sind in den Sparkassenfilialen im Landkreis schlicht „kein Thema“. Allerdings gibt es eine Ausnahme: „Ab und zu organisieren die Mitarbeiter einen Trachtentag. Gegen eine saubere Lederhose ist natürlich nix einzuwenden“, sagt Streicher schmunzelnd. Die dürfe auch kurz sein.
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Ähnlich ist es bei der Raiffeisenbank Isar-Loisachtal. „Wie bei allen Banken gehören bei uns Anzug und Krawatte dazu“, erklärt Xaver Much aus der Marketingabteilung. Frauen hätten da zwar einen Vorteil. „Aber sie dürfen sich auch nicht extrem freizügig anziehen.“ In der Betriebsordnung ist festgehalten, dass sich die Angestellten „banküblich und angemessen“ zu kleiden haben – von „Business“ bis „Smart Casual“. „Das bedeutet, dass man die Krawatte weglassen und die Anzughose auch mal gegen eine Chino tauschen kann“, erklärt Much. „Zu Tode schwitzen muss sich bei uns aber sowieso niemand. Die meisten Büros sind klimatisiert.“
Im Geretsrieder Rathaus ist keine Klimaanlage installiert. „Wir lüften einfach gut, und durch die dicken Wände des Gebäudes bleibt es meist kühl“, sagt Pressereferent Thomas Loibl. Abgesehen davon sei die Kleiderordnung in der Behörde „noch nie ein Problem“ gewesen. Es gebe keine festen Vorgaben, was erlaubt ist und was nicht. „Aber als Stadtverwaltung sind wir eine offizielle Stelle und wollen nach außen auch so auftreten. Das wissen die Mitarbeiter natürlich“, sagt Loibl. Kurze Hosen seien daher im Haus nicht üblich. Der Dresscode ist anlassbezogen. „Der Kinder- und Jugendtag ist zum Beispiel eher locker, die Gartensoiree des Bürgermeisters dagegen ein offizieller Anlass“, erklärt Loibl. „Die Mitarbeiter können das gut einschätzen.“
Im Landratsamt in Bad Tölz gibt es keine Kleiderordnung. „Niemand macht hier Vorschriften. Und das ist auch nicht notwendig“, sagt Sabine Schmid, Sprecherin der Kreisbehörde. „Die Kollegen wissen einfach, dass sie ihrer Verwaltungstätigkeit angemessen gekleidet sein sollen.“ Unangenehme Überraschungen habe sie deshalb noch nie erlebt. Generell wird die Kleiderwahl im Landratsamt eher locker gesehen. „Flipflops sind natürlich nichts“, sagt Schmid, aber gegen Sandalen spreche auch an Männerfüßen nichts. Ihre männlichen Kollegen müssen im Sommer nicht in langen Hosen schwitzen. „Bermudas sind in Ordnung, wenn sie gepflegt aussehen“, sagt Schmid. Die habe sie bislang allerdings noch nicht im Büro gesehen.
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Im Isar-Kaufhaus in Geretsried dürfen nur männliche Kunden Bein zeigen. Den Mitarbeitern ist das verboten, nur kurze Ärmel sind erlaubt. Die Mitarbeiterinnen dagegen haben freie Wahl: Röcke, Kleider und kurze Hosen sind in Ordnung. Dieser Dresscode ist in der Betriebsordnung festgelegt. „Das ist bei uns schon immer so“, sagt Geschäftsführer Frederik Holthaus. „Ich persönlich bin der Meinung, dass es seriöser aussieht, wenn mich jemand in langen Hosen berät.“
Die Schulleiterin der Isar-Loisach Realschule in Wolfratshausen sieht das ähnlich. Antonie Bálint-Meikis hat bislang noch keine Shorts im Lehrerzimmer gesehen, obwohl die männlichen Kollegen schon kurze Hosen tragen dürften. „Aber ich finde, dass lange, leichte Sommerhosen einfach ästhetischer sind.“ Ein Lehrer solle schließlich eine Autoritätsperson und ein Vorbild für seine Schüler sein. „Allerdings würde ich nie einen Kollegen dazu zwingen“, betont Bálint-Meikis. „Ich würde es höchstens auf humorige Art ansprechen; etwa im Kollegium sagen, wie schick ich lange Hosen finde.“ mh
Geht es oder doch nicht?
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