Nach sechs Jahren Diskussion steht in Wolfratshausen der Beschluss fest: Die Immobilie Untermarkt 10 bleibt im Besitz der Stadt - die Sanierung übernimmt die StäWo. Auch das Heimatmuseum im ersten Stock wird modernisiert.
Wolfratshausen – Als „symptomatisch für Wolfratshausen“ bezeichnete Fritz Schnaller den langen Zeitraum, in dem um eine Lösung für die städtische Immobilie Untermarkt 10 gerungen wurde. Der Vize-Bürgermeister berichtete beim jüngsten Ortsvereins-Treffen der SPD im Wirtshaus Flößerei über den Stadtratsbeschluss. Demnach wird das Gebäude nicht an einen Privatinvestor vergeben, sondern es bleibt im Besitz der Stadt und wird von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft (StäWo) saniert. Dem Beschluss waren sechs Jahre der Diskussionen vorausgegangen. „Es ist gut, dass wir diesen Kompromiss nun endlich gefunden haben, und er mit 22:2 Stimmen deutlich beschlossen wurde“, sagte Schnaller.
Das Heimatmuseum, derzeit im ersten Stock der prominenten Immobilie an der Ecke Bahnhofstraße/Untermarkt untergebracht, soll auch nach der Sanierung dort bleiben. Allerdings plant die Kommune, das „bunte Allerlei“ (Schnaller) moderner zu gestalten. „Wir wollen die Stadtgeschichte dort authentisch darstellen“, erklärte der Vize-Bürgermeister. „Bei der Sanierung wird alles überarbeitet“ – folglich auch die Räumlichkeiten der Dauerausstellung.
Museumsleiter Martin Melf hatte dem Kulturausschuss kürzlich Ideen geliefert, die Ausstellung mit Multimedia-Stationen und Mitmach-Angeboten attraktiver zu gestalten. Laut Schnaller wird nach der Sanierung zudem ein Raum im Ostflügel des Gebäudes für Wechselausstellungen zur Verfügung stehen. SPD-Stadträtin und erklärte Museums-Unterstützerin Roswitha Beyer lobte diese Entscheidung. Auch SPD-Ortschef Peter Fasching sprach von einer „vernünftigen Lösung für das Heimatmuseum“.
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Die Kommune rechnet mit Gesamtkosten in Höhe von 3,5 Millionen Euro. Michael Ballon, Gast des SPD-Treffs, überraschte diese Zahl. „Als vor wenigen Jahren über einen Bürgerladen in dem Gebäude diskutiert wurde, war die Rede von 820 000 Euro.“ Ballon, damals als Geschäftsführer des Bürgerladens im Gespräch, räumte allerdings selbst ein, dass seinerzeit nur das Erdgeschoss eingerechnet worden war. Ex-Bürgermeister Reiner Berchtold sagte: „Es war immer klar, dass das gesamte Gebäude, vor allem das Dachgeschoss, Millionen kosten würde.“ Das Projekt Bürgerladen war wie berichtet gescheitert, weil ein Bürgerentscheid am Nikolaustag 2015 nicht das notwendige Quorum erreicht hatte. Michael Ballon betonte, dass die Bürgerladen-Befürworter trotz der „emotionalen Situation“ froh darüber seien, „dass der Untermarkt 10 in städtischer Hand bleibt, aufgewertet wird und wieder Leben in das Gebäude kommt“.
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