VonVolker Ufertingerschließen
Hinter dem Landkreis liegt ein denkwürdiges Wochenende mit ununterbrochenem Schneefall. Erstaunlich: Es ereigneten sich relativ wenige Unfälle. Und die gingen glimpflich aus.
Bad Tölz-Wolfratshausen - Ausnahmezustand im Nordlandkreis: Am Wochenende hat es fast ohne Unterbrechung geschneit. Am Samstag konnte man noch Spaß im Schnee haben: Kinder rodelten etwa am Schlittenberg an der Wolfratshauser Gartenstraße, am Skilift in Beuerberg herrschte Hochbetrieb, an der Wolfratshauser Eisdisco war richtig was los. Doch der nasse Schnee am Sonntag machte viele Probleme: Der S-Bahn-Verkehr war massiv eingeschränkt, Polizei, Feuerwehr und Räumdienste waren im Dauereinsatz.
Wohl und Wehe des Wintereinbruchs erlebte Inge Mannheim vom Beuerberger Skilift besonders intensiv. Am Samstag war alles noch gut. „Endlich haben wir Schnee“, dachte sie sich. Doch am Sonntag war alles anders. „Wegen der massiven Schneefälle haben wir den Parkplatz nicht räumen können“, erzählt sie. Die Folge: Der Skilift ging gar nicht erst in Betrieb. „So was habe ich noch nie erlebt“, erzählt sie. Besonders leid tut es ihr um den zweitägigen Skikurs für Kinder. Nur der erste Tag konnte stattfinden.
Wie es zu erwarten war, ereigneten sich auf den spiegelglatten Fahrbahnen einige Unfälle. Anders als anderswo waren aber keine Verletzten oder gar Tote zu beklagten, es blieb bei Sachschäden. Eines der ersten Opfer der winterlichen Straßenverhältnisse war am Freitag einen Autofahrerin (60), die zwischen Bachhausen die Kontrolle über ihren Kleinwagen verlor und dann einen Zaun durchbrach. Sie selbst blieb unverletzt, der Sachschaden beläuft sich auf etwa 3000 Euro. Ähnlich glimpflich endeten auch die Unfälle am Samstag im Zuständigkeitsbereich der Wolfratshauser Polizei. Wie Polizeihauptkommissar Christian Fricke mitteilt, rückten seine seine Kollegen zu fünf Unfällen mit einem Gesamtschaden von etwa 11 000 Euro aus. Am Sonntag mit seinem extremen Schmuddelwetter kam kein weiterer Unfall hinzu.
Auch die Bilanz der Geretsrieder Polizei fällt relativ harmlos aus. „Nix Dramatisches“, fasst Lorenz Lunghamer, Dienstgruppenleiter in der Geretsrieder Inspektion, das Wochenende zusammen. Er berichtet von über 40 Einsätzen seiner Kollegen im Laufe des Samstags und Sonntags. „Den Großteil davon machen Meldungen über Verkehrsbehinderungen, hauptsächlich umgestürzte Bäume, aus. Da die Straßenmeistereien mit dem Winterdienst mehr als ausgelastet sind, sind die Feuerwehren als Holzfäller im Dauereinsatz.“ Erstaunlich: Die Geretsrieder Beamten mussten am Samstag nur zu zwei und am Sonntag nur zu drei Verkehrsunfällen ausrücken. In allen Fällen blieb es bei Sachschäden.
Glück im Unglück hatte ein 23-jähriger Geretsrieder, der am Sonntag gegen 2.30 Uhr mit seinem Audi A6 die TÖL 7 von Königsdorf in Richtung Bad Tölz befuhr. Auf Höhe der Bushaltestelle „Fiecht“ knickte ein Baum unter der Schneelast ein und stürzte im selben Moment auf die Fahrbahn, als der Mann den Bereich passierte. Der Baum traf den Wagen an der Front, der Geretsrieder blieb unverletzt. Der Schaden liegt bei etwa 1000 Euro.
Mit acht Fahrzeugen und vier Mann zusätzlich zur Stammbesetzung pausenlos im Einsatz ist seit Freitag die Wolfratshauser Straßenmeisterei. Sogar der Chef höchstselbst, Jürgen Neidhardt, tat am Sonntag Dienst: „Wenn Land unter ist, geht’s nicht anders.“ Probleme bereiteten den Räumern laut Neidhardt „einige Straßensperren wegen umgestürzter Bäume“. In den höher gelegenen Ortschaften Eglings und Dietramszell – dort wo der Schnee schneller fiel, als er wegzuschieben war – mussten die Männer in Orange deutlich mehr malochen als unten in Wolfratshausen.
Probleme gab es – mal wieder – auf der S-Bahnlinie 7. Samstagvormittag kam es aufgrund von witterungsbedingten Störungen für mehrere Stunden zwischen Mittersendling und Baierbrunn zu Verzögerungen. Am Sonntag ging dann gar nichts mehr: Die Strecke musste ab etwa 7 Uhr wegen eines umgestürzten Baums, der über dem Gleis lag, zwischen Icking und Wolfratshausen gesperrt werden. Die Züge aus München endeten vorzeitig in Ebenhausen-Schäftlarn. Die Bahn richtete einen Schienenersatzverkehr mit Bussen zwischen Ebenhausen-Schäftlarn und Wolfratshausen ein. Doch auch der wurde ein Opfer des heftigen Schneefalls. Gegen 8.30 Uhr blieben auf der B 11 nahe der Landkreisgrenze zehn Autos liegen – darunter das Schienenersatzfahrzeug der Bahn. Die Feuerwehr Ebenhausen zog die Karossen heraus, anschließend bahnte sich ein Räumfahrzeug den Weg über die stark verschneite Bundesstraße. Wie der Kommandant der Ebenhauser Feuerwehr Andreas Noel berichtet, schneite es in diesem Abschnitt besonders stark.
Freuen dürften sich über die Wetterkapriolen die Ickinger Schüler: Die Direktorin des Rainer-Maria Rilke-Gymnasiums, Astrid Barbeau und Bürgermeisterin Margit Menrad haben entschieden, den Unterricht an diesem Montag aufgrund der Wetterlage an Grundschule und Gymnasium komplett ausfallen zu lassen. „Es ist einfach zu riskant“, erklärt Bürgermeisterin Margit Menrad. Wegen der Wetterverhältnisse droht an der Ulrichstraße Chaos. Es werden nämlich üblicherweise viele Kinder mit mit dem Privat-Pkw gebracht. Auch ist durchaus denkbar, dass die S-Bahn bis dahin noch nicht wieder verkehrt. Ob und wann der Tag nachgeholt wird, ist noch nicht geklärt.
