Bauamtsleiterin stellt Projekt vor

Extraspur: Wolfratshausen macht Weg für Radfahrer frei

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Eine Extraspur bekommen Radfahrer auf der rechten Seite der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen.
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Noch in diesem Monat will die Stadt Wolfratshausen Hand anlegen: Radfahrer bekommen eine Extraspur.

Wolfratshausen Ein Schutzstreifen auf der Fahrbahn: Was Radfahrer in dem einen oder anderen Bundesland bereits kennen, findet nun auch in Wolfratshausen Anwendung. Die Kommune hat sich einem Modellprojekt im Freistaat angeschlossen – genau so wie die Stadt Erlangen, die Gemeinde Fattigau im oberfränkischen Landkreis Hof sowie Wörthsee im Nachbarlandkreis Starnberg.

Der einseitige, 1,50 Meter breite Schutzstreifen wird auf der Sauerlacher Straße markiert – vom S-Bahnhof stadtauswärts in Richtung Friedhof. „Und zwar auf der rechten Fahrbahnseite“, kündigt Bauamtsleiterin Susanne Leonhard an. Das heißt, die Extraspur verläuft entlang von Apotheke und Aral-Tankstelle. Alle Details wird Leonhard in der Stadtratssitzung am 18. Juni bekannt geben. Die Räte sind nach ihren Worten bereits in das Projekt eingeweiht, auch Fachbehörden wie Polizei, Landratsamt und das Staatliche Bauamt in Weilheim hätten nach einer „Vorher-Untersuchung“ bereits ihr Einverständnis erklärt.

Extraspur kommt „so schnell wie möglich“

„So schnell wie möglich“ soll der Schutzstreifen angelegt werden. Leonhard rechnet damit, dass die Markierungsarbeiten bis Ende Juni erfolgt sind. Was passiert dann mit dem bestehenden Weg parallel zur Sauerlacher Straße? „Das ist ein Gehweg, der für Radfahrer freigegeben worden ist“, erklärt Leonhard. Radfahrer seien auf dem Weg sozusagen nur geduldet – „und sie dürfen sich nur in Schrittgeschwindigkeit fortbewegen“, betont die Bauamtsleiterin.

Wer die Szenerie – vor allem am Wochenende – beobachtet, stellt rasch fest: Statt im Schritttempo sind die Biker im Sauseschritt unterwegs. Das zweite Problem: Für Mamas und Papas mit Kinderwagen, Mädchen und Buben mit Tretrollern, Senioren mit Gehhilfen, Fußgänger und Radfahrer ist der Weg „definitiv zu schmal“.

Ist der neue Schutzstreifen angelegt, müssen die Radfahrer die exklusive Spur stadtauswärts nutzen. Ausgenommen sind Kinder bis zum zehnten Lebensjahr sowie deren erwachsene Begleiter: „Die dürfen den Gehweg benutzen“, sagt Leonhard. Der größte Vorteil des Schutzstreifens: „Radfahrer dürfen schneller fahren und können auch die Autos bequem passieren, die sich aufgrund der Ampelkreuzung am Friedhof auf der Sauerlacher Straße stauen.“

Für Pkw und Lkw ändert sich nichts

Für Pkw- und Lkw-Fahrer ändert sich nach den Worten von Leonhard nichts. Die Straße sei breit genug für ein gutes Miteinander, allein beim Lkw-Begegnungsverkehr seien Vorsicht und Rücksichtnahme verlangt: Brummi-Fahrer müssen und dürfen im Falle des Falles auf den Schutzstreifen ausweichen.

Die geplante Maßnahme sei ein weiterer Schritt auf dem Weg, die Flößerstadt noch fahrradfreundlicher zu machen, so Leonhard. Der Modellversuch wird unterstützt vom Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr und getragen von der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen (AGFK) in Bayern sowie der Technischen Hochschule Nürnberg. Die Stadt Wolfratshausen ist Mitglied der AGFK. „Mit dem Forschungsprojekt sollen Maßnahmen für mehr Fahrradfreundlichkeit und Verkehrssicherheit in den Kommunen evaluiert werden, denn nur wer sich als Radfahrer sicher fühlt, wird das Rad auch häufig benutzen“, erläutert AGFK-Geschäftsführerin Sarah Guttenberger.

Der Schutzstreifen – das Markierungsbeispiel findet man bereits an der Pfaffenrieder Straße im Gewerbegebiet – soll mindestens 540 Meter vom S-Bahnhof zum Friedhof führen. Lieber wäre es Susanne Leonhard, Radverkehrs-Beauftragte der Stadt Wolfratshausen, wenn der einseitige Streifen weitere knapp 500 Meter bis zur Lärchenstraße gezogen würde. An dieser Stelle, so die Bauamtsleiterin, könnten die Fahrradfahrer gefahrlos nach links auf den Radweg in Richtung Marienbrücke/Pupplinger Au wechseln. cce

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