Der Verein „Bürger fürs Badehaus“ sitzt zum Jahreswechsel auf einem Berg von Schulden. Vorsitzende Dr. Sybille Krafft bittet die Politik um Hilfe.
Wolfratshausen – „Es war nicht abzusehen, dass die Betriebskosten so hoch sein würden“, sagt Krafft. Das liege auch an der erfreulichen Nachfrage. Rund 5000 Menschen hätten das Museum, das die Geschichte der Juden im Lager Föhrenwald beleuchtet, bislang besucht. Nach der Eröffnung im Oktober 2018 habe der Verein keinerlei Zuschüsse mehr bekommen, weder von kommunaler noch staatlicher Seite, sagt Krafft. Wie berichtet hat die Stadt Wolfratshausen das Bürger-Projekt mit gut 500 000 Euro bezuschusst. Die Vereinsmitglieder sammelten 1,7 Millionen Euro Spenden. Aus dem EU-Förderprogramm LEADER kamen 92.500 Euro. Die Regierung von Oberbayern und der Landkreis gaben insgesamt rund 80 000 Euro dazu. Doch nun fressen Strom, Heizkosten, Reinigung, Versicherung und viele weitere laufende Kosten ein Loch in die Vereinskasse.
Die Vorstandschaft hat sich bereits an den Kreistag gewandt mit der Bitte, das aktuelle Minus von 20 000 Euro zu übernehmen und eine einmalige Anschubfinanzierung im ersten Betriebsjahr zu gewähren. Der Antrag wurde abgelehnt. „Es ist sehr schade, dass Menschen, die über den Antrag entschieden haben, sich noch nicht einmal das Badehaus angeschaut haben“, findet Historikerin Krafft.
Man dürfe die Gedenkstätte nicht mit einem „x-beliebigen Projekt“ vergleichen. Im Gegensatz zu einem Schützenheim oder einem Trachtlerhaus sei sie nicht nur für Vereinsmitglieder gebaut worden, sondern für die ganze Bevölkerung. „Es handelt sich um ein historisches Vermächtnis für die gesamte Region“, sagt Krafft. Sie wirbt um Verständnis für die Anfangsschwierigkeiten. Zum einen seien Ehrenamtliche wie der Webmaster und ein Grafiker ausgeschieden. Andere Mitglieder könnten sich aus Alters- oder Krankheitsgründen nicht mehr so stark engagieren. „Ich kenne kein Museum in dieser Größe und von dieser Bedeutung, dass von Ehrenamtlichen geführt wird“, sagt die „Badehaus“-Vorsitzende. Zudem habe jedes neue Projekt in der Startphase mit Problemen zu kämpfen. Es brauche Zeit, bis sich die Dinge einspielten, bis tragfähige Strukturen aufgebaut seien.
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Sybille Krafft hat nach eigener Aussage nun die Stadt Wolfratshausen um finanzielle Unterstützung gebeten: „Ich hoffe, darüber wird noch vor der Wahl entschieden.“ Noch mehr freiwilliges Engagement sei den Mitgliedern kaum zuzumuten, sagt sie. Benefizveranstaltungen kosteten Zeit und Energie. Für jede Sonderführung müssten zwei Personen einen halben Tag opfern. Am Eintrittspreis – fünf Euro für Erwachsene und drei Euro für Schüler und andere Gruppen mit Ermäßigung – will der Verein nicht rütteln. „Wir müssen ja konkurrenzfähig bleiben mit anderen staatlich und städtisch subventionierten Museen“, sagt Krafft.
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Dass der Verein mit seinen rund 440 Mitgliedern aus dem In- und Ausland sich womöglich übernommen habe, verneint die Vorsitzende vehement. Die „Bürger fürs Badehaus“ stünden nach wie vor voll hinter dem Projekt. „Es wird so toll angenommen. Wir bekommen so viele positive Rückmeldungen“, betont die Initiatorin. Einige Gästebucheinträge belegen dies, zum Beispiel: „Liebes Badehaus-Team, je öfter wir hierher kommen, desto mehr merken wir, dass nicht nur ein Erinnerungsort geschaffen wurde, sondern auch ein Begegnungsort mit Raum für Gespräche, Eindrücke, Stimmungen, Kontakte“ oder: „Im Unterschied zu anderen Orten der Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus wird an diesem Ort nicht die Verzweiflung deutlich, sondern die Hoffnung“ oder: „Vielen Dank für die sehr nahe gehende Führung. Die Idee dieses Hauses macht Mut.“ Tanja Lühr
