VonDominik Stalleinschließen
Die Altstadt von Wolfratshausen soll wieder ein Kundenmagnet werden. Zuletzt machten aber einige Traditionshändler dicht. Wie gehts weiter in der Markstraße?
Wolfratshausen – Es ist ein ungleicher Kampf: Die kleinen, teilweise eigentümergeführten Läden in der Innenstadt nehmen ihn aber auf. Ihre Gegner: das Internet, das Konsumverhalten, die Großstadt. Die Altstadt möchte wieder ein Kundenmagnet werden. Auf dem Weg dorthin gibt es jedoch immer wieder Rückschläge. Zwei Vereine haben aber weiter Hoffnung.
Wolfratshausen: Traditionsgeschäfte schließen - Vereine fordern große Maßnahmen in der Marktstraße
Ein Traditionsgeschäft macht dicht – schon wieder. In den vergangenen Monaten verließen mehrere Händler die Altstadt. Jüngst kündigte die Betreiberin des Haushaltswaren-Ladens Michlbauer an, dass der Betrieb nach über 60 Jahren schließt. Das Festmodenhaus – seit 30 Jahren in der Loisachstadt – ist seit Beginn der Sommerferien ebenfalls zu. Während im Stadtrat und im Zuge einer Bürgerbeteiligung Lösungen gesucht werden, die Altstadt zu beleben, brechen immer wieder langjährige Stützen des stationären Handels weg. In den vergangenen Monaten kam kein neues Geschäft im Bereich der Altstadt hinzu, nur ein Immobilienbüro am Untermarkt wurde neu eröffnet. Dem Werbekreis Einkaufsstadt und dem Verein Lebendige Altstadt Wolfratshausen (LAW) macht die Entwicklung Sorgen. Allerdings gibt es auch gute Nachrichten: Ernst Gröbmair, Chef des LAW, zählt auf: „Das ,Rat.Haus.Cafe.‘ öffnet in wenigen Tagen, in das Gebäude am Untermarkt 10 kommt auch ein neues Geschäft.“ Dort wird zudem das Museum Wolfratshausen wiedereröffnen – „zu diesem Termin machen wir schon ein Fass auf“, sagt Hans-Joachim Kunstmann. Der Werbekreis, dem Kunstmann vorsteht, wird sich an der Eröffnungsfeier beteiligen.
Wolfratshausen: Wettbewerb ist „knallhart“ - und einige Eigentümer haben schon aufgegeben
Über die beiden genannten Lokalitäten hinaus ist derzeit wenig Bewegung in der Stadt. „Es ist relativ stabil“, sagt Kunstmann. Das sei angesichts der Pandemie-Nachwirkungen und der Inflation zwar keine schlechte Nachricht, zur Wahrheit gehört laut Gröbmair aber auch: „Einige Immobilieneigentümer haben es aufgegeben, einen Pächter für ihren Laden zu finden.“ Kunstmann hat – obwohl er selbst mit dem ehemaligen Rathauscafé eine Neueröffnung wagt – Verständnis dafür, dass es weniger Unternehmensgründer in der Altstadt gibt. „Das Wettbewerbsumfeld ist knallhart geworden.“ Große Unternehmen mit deutschlandweiten Lieferstrukturen hätten es leichter, eine neue Filiale zu eröffnen, als ein Lokaler mit einer guten Idee. Die Corona-Pandemie sei ein Katalysator für den Online-Handel gewesen, der sich ohnehin schon auf dem Vormarsch befand. Kunstmann und Gröbmair wollen den stationären Handel aber keineswegs totsagen – im Gegenteil. „Wir hätten, wenn wir mehr Menschen in den Markt brächten, optimale Voraussetzungen für einen florierenden Handel in einer schönen Einkaufsstraße“, betont der LAW-Chef. Kunstmann setzt auf zwei Bausteine, die dabei helfen: „Viele Wolfratshauser können seit Corona im Homeoffice arbeiten, sind also schon hier und nicht in München. Wenn sie nach der Arbeit noch einkaufen möchten, können sie das hier tun.“ Außerdem versucht die Stadt, den Tagestourismus voranzubringen, „die Menschen, die da kommen, wollen auch einkaufen und bummeln“.
Marktstraße Wolfratshausen: Aufwertung der Altstadt soll Kunden bringen
Ohne Kunden hält sich kein Geschäft. Ohne eine Auswahl an Geschäften kommen aber auch keine Kunden in die Marktstraße – nur darauf zu warten, dass die Menschen wieder in die Altstadt pilgern, reicht für Gröbmair und Kunstmann nicht aus. „Wenn wir eine Dienstleister-Straße statt der Markstraße schaffen, dann können wir diese Entscheidung nicht mehr umkehren“, warnt Gröbmair angesichts einer steigenden Zahl an Büros und Praxen an Ober- und Untermarkt. Um die Markstraße wieder attraktiver für Unternehmer wie Passanten zu machen, hält das Duo die Aufwertung der Altstadt für dringend notwendig. „Wir sehen bei Veranstaltungen wie dem Wirtefest oder verkaufsoffenen Sonntagen, dass diese Stadt aktivierbar ist“, sagt Kunstmann. Gröbmair fügt an: „Was fehlt, ist die tägliche Frequenz und die tägliche Attraktivität.“ Dafür müsse die Aufenthaltsqualität erhöht und Flair geschaffen werden – zum Beispiel durch breitere Gehsteige und eine schönere Anbindung von Bergwald und Loisachufer. „Es ist eine historische Chance.“
Baustelle und Sperrung im Markt: Geschäfte fürchten Umsatz-Rückgang
Einige Ladenbesitzer in der Innenstadt fürchten große Umsatzeinbußen, wenn die Marktstraße zur Baustelle wird. Für Gröbmair ein Problem, das man lösen kann: „Wir hätten die Möglichkeit an allen Ortseingängen für die Altstadt zu werben, indem wir Plakate aufhängen, dass alle Geschäfte erreichbar sind. Die Erfahrung anderer Kommunen, die in ihren Einkaufsstraßen Verschönerungen vorgenommen haben, hätten gezeigt: „Die Einbußen während der Umgestaltung waren nicht so wild.“ Für den LAW-Vorsitzenden steht fest: „Wir müssen in das Marketing für die Innenstadt investieren“ – und das müsse nach Abschluss der Baustelle auch gar nicht aufhören. Denn der Kampf für die Innenstadt wird weitergehen.


