Wolfratshausen - Der Verein Lebendige Altstadt Wolfratshausen (LAW) und der Werbekreis kritisieren den Stadtrat auf großen Plakaten für seine angebliche Untätigkeit. Der Bürgermeister sagt vorläufig nichts dazu, sein Vorgänger - inzwischen Wirtschaftsreferent - schon.
„Wir Bürger fordern: Marktstraße gestalten, Loisachufer gestalten, Parkraumkonzept“, steht in schwarzen Lettern auf orangem Grund. Ein Adressat findet sich darauf auch: Der Stadtrat von Wolfratshausen. Die Initiatoren der Plakataktion werfen dem Gremium Untätigkeit vor. Die Marktstraße sei seit 2005 ein Provisorium. Fertige Pläne aus einem Ideenwettbewerb für die Umgestaltung des westlichen Loisachufers würden seit 2014 in der Schublade liegen und nicht umgesetzt. Das umfassende Parkraumkonzept für die Innenstadt werde seit 2015 immer wieder verschoben. Den beiden Vereinen geht die Geduld aus. „Es geht um die Zukunft unserer Stadt. Die Zeit läuft ab“, steht auf den Plakaten. Die Vereine verteilen im Stadtgebiet Unterschriftenlisten, um den Stadtrat zu einem höheren Tempo bei der Umsetzung anzuhalten.
Die harsche Rathauskritik stoße bei vielen Wolfratshausern auf offene Ohren, berichtet LAW-Vorstandsmitglied Ernst Gröbmair. „Die Rückmeldungen sind überwältigend.“ Das bestätigt Werbekreis-Chefin Ingrid Schnaller: „Wir wurden von sehr vielen Passanten schon beim Aufhängen bestärkt.“ Neben den 40 Plakate druckten die Initiatoren kleine Flyer für Geschäfte und Lokale. „Die Nachfrage ist riesig“, so Gröbmair. Schnaller wertet das als Zeichen der Unterstützung. „Die Händler und Unternehmer in der Stadt sehen die Situation scheinbar so wie wir“, sagt sie.
Helmut Forster versteht die Aktion „überhaupt nicht“
Die Adressaten der Kritik würden sich gegenüber den Initiatoren bislang ausschweigen. Auch auf Nachfrage unserer Zeitung bezieht Bürgermeister Klaus Heiling-lechner keine Stellung. Er verweist auf ein Pressegespräch, das in den nächsten Tagen angesetzt werden soll. „Dabei soll es um verschiedene Themen – auch um die Innenstadt – gehen.“ Auf Nachfrage sagt er: „Ich werte die Plakate als Kritik an der Stadtratsarbeit. Ich weiß aber nicht, ob man den Projekten mit so einer Aktion einen Gefallen tut.“ Weiter ins Detail möchte er nicht gehen.
Wirtschaftsreferent Helmut Forster teilt diese Meinung. „Ich verstehe die Aktion in dieser Form überhaupt nicht“, sagt er. Er halte es für zielführender, „Gespräche miteinander zu führen, als auf Plakaten übereinander zu sprechen“. Dass es Vereine wie den LAW und den Werbekreis gibt, die sich für die Entwicklung der Stadt einsetzen, begrüße er sehr. „Es steht auch außer Frage, dass in den Punkten etwas passieren muss. Das tut es aber auch.“ Für den Hatzplatz würden beispielsweise Verhandlungen geführt, um Parkplätze zu schaffen. Wenn dieses Thema abgehakt sei, könne man sich der Ufergestaltung widmen. „Diese Projekte dauern länger“, räumt Forster ein. „Das liegt daran, dass es die Aufgabe des Stadtrates und des Bürgermeisters ist, sich intensiv mit den einzelnen Themen auseinanderzusetzen.“ Dazu zählten auch Gutachten, „die manche Prozesse verzögern, aber dann können wir Beschlüsse auf fundierter Grundlage fassen“, erklärt Forster. Den Vorwurf der Untätigkeit weist er zurück: „Es tut sich sehr wohl etwas.“ Dominik Stallein