“Es gibt im Bayern-Lande ein kleines Fleckchen Erd‘...“

Wo das Waldram-Lied zum ersten Mal abgedruckt war

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Zeitgeschichtliches Dokument: Das Waldram-Lied leitet die Abi-Zeitung des ersten Jahrgangs des Spätberufenen-Seminars St. Matthias ein.
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Das Waldram-Lied, das heute oft gesungen wird, entstand Ende der 1950er Jahre. Der erste Abdruck ist wohl die erste Abi-Zeitung von St. Matthias.

Wolfratshausen – „Es gibt im Bayern-Lande ein kleines Fleckchen Erd / Das ist ja unser Waldram, das uns so lieb und wert“: Kürzlich hat unsere Zeitung sich auf die Suche nach dem Texter des Waldram-Lieds gemacht, das seit einigen Jahren wieder eifrig gesungen wird. Danach wurde uns ein Dokument zugespielt, in dem Text und Melodie wohl zum ersten Mal abgedruckt worden. Es handelt sich um die Abi-Zeitung 1959 – der erste Jahrgang, der in St. Matthias in Waldram sein Abitur abgelegt hat. Ein bemerkenswertes Dokument der Zeitgeschichte.

Das Waldram-Lied taucht an prominenter Stelle auf, nämlich nach dem Vorwort auf Seite 4 (von über 40), leider ohne Nennung des Autors. Die Tatsache, dass es die Abi-Zeitung quasi einleitet, ist ein klares Indiz dafür, dass die 31 Spätberufenen (von Matthias Altrichter aus Schwäbisch-Gmünd bis Helmut Zehentmeier aus Mühldorf) eine starke emotionale Beziehung zu ihrem Studienort aufgebaut haben. Das ist umso erstaunlicher, als sie mitten in ihrer Studienzeit umgesiedelt wurden, und zwar vom Schloss Fürstenried, wo das Seminar zuvor untergebracht war, in das 1957 eröffnete Waldramer Institut.

Auf einem separaten Blatt sind einige Strophen notiert, die Lehrer von damals aufs Korn nehmen. So heißt es etwa: „Und im Gymnasium drüben / Da wohnt der Papa Glaux / Willst Du Homer nicht üben / Ists mit der Freundschaft aus.“ Dieser erste Jahrgang scheint extrem kreativ gewesen zu sein, was sich auch an den vielen Karikaturen und Versen in der Abi-Zeitung zeigt.

Einer, der sich an die Zeit gut erinnert, ist Rudolf Baumgartl (91), von Anfang Lehrer in der Volksschule und, was die ersten Jahre der Heimatvertriebenen angeht, eine wichtige Quelle. Zeitweise hat er auch in St. Matthias Musik unterrichtet und pflegte Kontakt mit den Seminaristen. Wann er das Waldram-Lied zum ersten Mal gehört hat? „Das weiß ich leider nicht mehr“, sagt er. Baumgartl hält es durchaus für möglich, dass der von unserer Zeitung ins Spiel gebrachte Alois Zaby die neuerdings wieder so viel gesungenen Zeilen verfasst hat. „Ich traue es ihm absolut zu“, erzählt er. „Er war ein Alleskönner.“

Der spätere Pfarrer im Bistum Augsburg könnte der Autor des Waldram-Liedes sein.

Für wahrscheinlicher hält es Baumgartl allerdings, dass es sich um eine „Gemeinschaftsleistung“ der jungen Leute handelt, die sich gegenseitig mit ihrer Kreativität ansteckten. In seinem Beitrag für das Waldram-Buch aus dem Jahr 1982 bezeichnete der ehemalige Leiter des Kirchenchors das Lied als „seminärrisches Gewächs“ aus den Anfangsjahren. So sieht er das noch heute noch.

Wie dem auch sei – Alois Zaby war in den ersten Waldramer Jahren eine bemerkenswerte Erscheinung, an die sich viele erinnern. Der junge Mann, der aus Friedberg an der Moldau (geboren 1932) nach Waldram gekommen war, spielte in den ersten Jahren am Seminar eine besondere Rolle. Wegen seines gewinnenden Wesens war er allseits beliebt. Hochmusikalisch, wie er war, saß er oft an der Orgel. Nicht zu vergessen sein handwerkliches Geschick, das den ersten Seminardirektor, Karl Braun, dazu veranlasste, ihn als Hausmeister und als Chauffeur einzustellen. „Er hat damals 500 Mark verdient, das Doppelte wie ich als Lehrer“, erinnert sich Baumgartl. Er ließ den Kontakt zu Zaby, der nicht in Waldram, sondern später in Stams/Tirol seinen Abschluss machte, nicht abreißen. „Er hat mir später erzählt, dass er im Bistum Augsburg drei Orgeln gebaut hat“, so der immer noch hellwache Zeitzeuge.

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Im Archiv des Bistums Augsburg hat sich ein Nachruf erhalten, der davon erzählt, wie es mit Alois Zaby nach seiner Zeit in Waldram weiterging. Nachdem er 1970 im Augsburger Dom zum Priester geweiht worden war, wurde er Pfarrer in Großohrenbronn, Rehrosbach und schließlich Fristingen. Sein wichtigster Kontakt war der zu seinem Bruder Alfred, der als Missionar in Namibia tätig war. Darüber hinaus pflegte Zaby einige Hobbys. So widmete er sich Sprachstudien, machte den Pilotenschein, liebte das Funken und hatte großen Spaß daran, kaputte Dinge zu reparieren. „Seine herzliche Art, gepaart mit Humor, machte ihn bei Alt und Jung beliebt“, schreibt der Autor des Nachrufs, Ludwig Schwind.

Am Ende seines Lebens erlitt Alois Zaby einen Schlaganfall, verlor aber nie seinen Humor und sein Gottvertrauen. Er starb am 24. Februar 2012, dem Gedenktag des Heiligen Matthias. Ob er wirklich der Autor des Waldram-Lieds war oder es eine Gemeinschaftsleistung der ersten, kreativen Seminaristen war, die auch die erste Abi-Zeitung veröffentlicht haben: Das wird wohl immer ein Geheimnis bleiben.

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