Eine Ausstellung im Heimatmuseum zeigt das Leben der Flößer in alter Zeit. Eine bestimmte Stelle in der Loisach nannten sie „kalte Angst“ - aus gutem Grund.
Wolfratshausen – Seit mittlerweile zehn Jahren gibt es den Verein Flößerstraße. „Das ist für uns der passende Anlass, um am internationalen Museumstag eine Führung durch die Flößerausstellung im Heimatmuseum zu veranstalten“, erklärte Vorsitzende Gabriele Rüth. Zusammen mit Hermann Paetzmann beschrieb sie am Sonntag einer Gruppe von 15 Interessierten – darunter auch der Wolfratshauser Kulturreferent Alfred Fraas und Stadträtin Annette Heinloth – anhand von Exponaten die Geschichte des traditionsreichen Handwerks.
Auf einem alten Stich ist noch die Wolfratshauser Burg zu sehen. „Um sie zu versorgen, bedurfte es der Flößerei“, erklärte Rüth. Ein anderes Bild zeigt den Floßkanal, der ab 1927 nicht mehr benötigt und zugeschüttet wurde. Eine riskante Stelle war das Besenbräuwehr, das ungefähr auf Höhe des heutigen Sebastianistegs stand. Die dortige steile 90-Grad-Kurve nannten die Flößer ehrfürchtig „kalte Angst“.
Wertvolle Dienste leistete das Flößerhack. „Ein Universalwerkzeug, mit dem sich auch Bierflaschen öffnen ließen“, wusste Paetzmann zu berichten. Er verwies außerdem darauf, dass ein Floßmeister früher vor seiner Ausbildung verschiedene Voraussetzungen zu erfüllen hatte. So mussten Bewerber nicht nur einen ehrbaren Namen tragen, ansässig und verheiratet ein. „Ein Floßmeister war auch für die beförderten Güter verantwortlich und haftete persönlich: Im schlimmsten Fall konnte ihm sogar eine Hand abgehackt werden“, ergänzte Paetzmann. Die Floßordnungen erließen der herrschende Adel und der Klerus.
Blickfang der von Museumsleiterin Annekathrin Schulz zusammengestellten Ausstellung ist zweifellos eine 1858 angefertigte Zunftfahne – ein mit Goldstickerei versehener roter Seidenstoff, in dessen Mitte ein Bildmedaillon mit dem Wasser- und Schifffahrtspatron St. Nikolaus zu sehen ist. „Die Flößer wollten immer zeigen, dass sie etwas Besonderes sind“, erklärte Paetzmann. Deshalb präsentierten sie die edle Fahne bis ins 20. Jahrhundert bei Fronleichnamsprozessionen.
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Besonders amüsant waren Rüths Schilderungen über die Wortkargheit der Flößer, die sich auf ihren Holzgefährten meist mit Handzeichen verständigten, an Land aber keine Kinder von Traurigkeit waren. So gab es an den Ufern von Isar und Loisach Wirtschaften und Privathäuser, in denen Bier ausgeschenkt wurde. Manchem Flößer gefielen die Bedienungen sehr gut – aus einigen Begegnungen entstanden uneheliche Kinder. Weil die Wolfratshauser auch in puncto Speis und Trank unersättlich gewesen sein sollen, beschimpften die Tölzer Flößerkollegen sie als „Krautleffe“ (Krautlöffel).
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Nach der Führung hatten Kinder am Museumstag noch die Gelegenheit, in der Druckwerkstatt von Museumspädagogin Eva-Maria Wawatschek eigene Kunstwerke zu entwerfen oder sich an einem Museumsrallye-Quizspiel zu beteiligen. So wusste am Ende des von der Stadt Wolfratshausen und dem Verein Flößerstraße durchgeführten Aktionsnachmittages jeder, warum ausgerechnet das Handwerk der Flößer 2014 von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe erhoben wurde. Peter Herrmann
Ausstellung
Zum zehnjährigen Bestehen zeigt der Verein Flößerstraße von Donnerstag, 13. Juni, bis Mittwoch, 7. August, die Ausstellung „Handelsweg Fluss“ (35 Collagen) in der Sparkasse an der Sauerlacher Straße.