Erfolgreiche Zusammenarbeit

Wolfratshausen: Zusammenarbeit zwischen Polizei und Weißer Ring mehr als „nur Blabla“

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Pakt für den Opferschutz: (v. li.) Katrin Schwarz (Polizistin und WR-Mitarbeiterin), Christoph Fuchs (WR), Helgrad van Hüllen (WR) und Andreas Czerweny, Leiter der Wolfratshauser Polizeiinspektion.

Vor gut einem Jahr trafen sich Vertreter der Polizeiinspektionen mit dem Weißen Ring. Ziel der Versammlung war, die gemeinsame Zusammenarbeit zu intensivieren. Ein Jahr später kam erneut eine Gesprächsrunde zusammen um Bilanz zu ziehen: Das Ergebnis ist durchaus positiv.

Wolfratshausen – Im November 2017 hatten sich Vertreter der Polizeiinspektionen Wolfratshausen, Geretsried und Bad Tölz, des Polizeipräsidiums in Rosenheim, der Kriminalpolizei Weilheim sowie der Opfer-Hilfsorganisation Weißer Ring (WR) erstmals zusammengesetzt und erörtert, wie sie ihre Zusammenarbeit intensivieren beziehungsweise verbessern können. Ein Jahr später trafen sich die Protagonisten erneut, „um zu resümieren, ob der Runde Tisch damals etwas gebracht hat, ob wir etwas erreicht haben oder ob es nur Blabla war“, wie Andreas Czerweny sagte. Die Antwort gab Wolfratshausens Polizeichef in einer an die Konferenz anschließende Presserunde gleich selbst: „Nein, es war kein Blabla. Wir, die Polizei, sind näher mit dem Weißen Ring zusammengerückt – und profitiert haben die Opfer.“

Von denen gibt es im Landkreis – was die Kriminalitätsrate betrifft, immerhin der sicherste im Oberland – einige: Laut Auskunft des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd kam es 2017 beispielsweise zu 138 Strafanzeigen im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. Letztere ist neben Stalking ein Schwerpunkt der Arbeit der hiesigen Außenstelle des Weißen Rings, wie dessen Leiterin Dr. Helgard van Hüllen verriet.

Van Hüllen, überdies stellvertretende Bundesvorsitzende der Opfer-Hilfsorganisation, sowie ihre Mitarbeiter Christoph Fuchs, Reiner Berchtold und Katrin Schwarz – letztere ist zudem Polizistin in Wolfratshausen – machten in der Runde mit den Polizisten nochmals deutlich, dass der WR „allen Opfern von allen Straftaten“ helfe, unabhängig von einer Anzeige. „Für uns“, so van Hüllen, „ist die Arbeit natürlich einfacher, wenn wir einen verlässlichen Partner an unserer Seite haben.“

Und die Partnerschaft funktioniert. Laut Czerweny haben die Kollegen in den drei Dienststellen im abgelaufenen Jahr „mehr Opfern den Weißen Ring näherbringen können“ – sei es mit Kontaktdaten von Ansprechpartnern oder, falls gewünscht, einem sofortigen Anruf bei den Opferhelfern.

Die Arbeit des WR beginnt dort, wo die der Polizei endet. „Wir machen absolut korrekt unsere Arbeit“, sagte Czerweny. „Aber für dieses Mehr an Helfen haben wir nicht die Luft.“ Stehe dann jemand Kompetentes den Opfern mit Rat und Tat zur Seite, habe das einen ganz anderen Stellenwert. Van Hüllen betonte den symbiotischen Wert der Kooperation: Wenn die Betreuung durch die ehrenamtlichen Helfer des WR „das Opfer bestärkt und selbstbewusster werden lässt, ist es auch ein besserer Zeuge“.

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In einem sehr persönlichen Plädoyer warb Czerweny dafür, die Hilfe des WR in Anspruch zu nehmen – falls nötig. Er habe aktuell im privaten Bereich ein Thema, bei dem er auch als tougher Polizist nicht mehr so routiniert funktioniere wie beispielsweise bei einem schweren Verkehrsunfall. „Wenn du das im privaten Bereich hast, bist du gleich ein wenig aus der Spur.“ Deswegen nimmt der Polizeichef aus der Zusammenarbeit mit dem WR auch selbst etwas mit: „Sich Hilfe zu holen, ist kein Zeichen der Schwäche, sondern der Stärke.“

peb

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