Ex-Bürgermeister Helmut Forster (BVW) und die ehemaligen CSU-Bürgermeisterkandidaten Dr. Manfred Fleischer und Richard Kugler haben eine eigene politische Gruppierung gegründet.
Wolfratshausen – Am Freitag wurde sie ins Vereinsregister eingetragen. Am Dienstagabend stellte sich die „Wolfratshauser Liste“ (Liste WOR) auf einer Pressekonferenz vor – und sparte dabei nicht mit Kritik an der Politik in der Loisachstadt.
Helmut Forster erklärte seine Beweggründe, eine neue Gruppierung ins Leben zu rufen, so: „Seit einigen Monaten bin ich – wie meine Mitstreiter – mit der Politik unzufrieden.“ Das ginge nicht nur ihm so: Viele Bürger hätten sie angesprochen, „und uns gebeten, endlich etwas zu tun“. Nachdem Forster „in mehreren Gesprächen mit dem Bürgermeister“ festgestellt habe, „dass wir nicht mehr zusammenarbeiten können“, verblieb ein politischer Neustart die einzige Option für ihn. Forster war der direkte Vorgänger von Klaus Heilinglechner, beide gehören der Bürgervereinigung an. Forster möchte auch in Zukunft BVW-Mitglied bleiben.
Die Gründer der Liste WOR, so erklärte Manfred Fleischer, wollen „den Bürgern zuhören, was sie eigentlich wollen“, und diese wieder in den Mittelpunkt der Stadtpolitik rücken. „Miteinander reden und gemeinsam handeln“, nannte er als Leitgedanke des Vereins. Gründungsmitglied Lisa Herold (29) beobachtet nach eigenen Worten seit einigen Jahren, „wie sich die Stadt verändert“, und möchte darüber „nicht nur motzen, sondern auch aktiv selbst etwas tun“. Die Stadt habe „viele Baustellen begonnen und viele Themen angefangen“, die nie oder nicht sinnvoll zu Ende gebracht wurden. „Der Stadtrat“, so ergänzte Hermann Paetzmann, „braucht kritische Stimmen, und die Liste ist ein Versuch, diese einzubringen.“
Beispiele für Themen, die aus ihrer Sicht schief gelaufen sind, lieferten die Protagonisten zur Genüge. „Die Stadt will eine Surfwelle für Auswärtige bauen, und unsere Kinder können nicht einmal vor Ort schwimmen lernen“, sagte Sibylle Steckermaier. „Das Vorgehen um das mittlerweile geschlossene Rathauscafé wurde falsch angegangen“, meint Swantje Suthmann (43). Die Innenstadt-Pläne, den Brunnen am Marienplatz zu verschieben, die Platanen daneben zu fällen und die B11 am (künftig möglicherweise höhengleichen) Ober- und Untermarkt zu verschwenken „finde ich katastrophal“, sagte Forster. Genau wie das jahrelange, meist ergebnislose, Ringen um die Zukunft des Gebäudes am Untermarkt 10, das derzeit von einer städtischen Tochterfirma saniert wird.
Richard Kugler störte sich an der Parkplatzproblematik und dem „Desaster“ am ehemaligen Isar-Kaufhaus. Die Arbeiten auf der Baustelle sind seit Monaten gestoppt. Fleischer monierte, dass „seit sechs Jahren auf ein Parkdeck am Hatzplatz gewartet wird und in diesem Jahr nur noch mehr Parkplätze verschwinden, während kein einziger neuer entstanden ist“. Auch möchte er einige Punkte verändern, die „die Sportvereine schmerzen“.
Die genannten Punkte sollen bald zu einem Wahlprogramm zusammengezurrt werden. Dieses könnte zusammen mit einer Personalie öffentlich bekannt gemacht werden: „Wir wollen einen Bürgermeisterkandidaten aufstellen“, sagte Fleischer auf Nachfrage. Wer das sein wird, sei noch unklar. Auch wie viele Wolfratshauser sich auf der Liste um ein Stadtratsmandat bewerben wollen, stünde noch in den Sternen. „Wir können jetzt erst richtig in die Mitgliederwerbung gehen“, erklärte Forster. „Das Ziel ist, möglichst viele, am besten alle 24 Plätze vollzukriegen“, ergänzte Kugler. Ein formaljuristischer Akt steht für die Gruppe noch an: Ab dem Zeitpunkt, an dem die amtliche Wahlbekanntmachung veröffentlicht wird – in der Regel kurz vor Weihnachten – benötigt die Liste WOR 180 Unterschriften von wahlberechtigten Wolfratshausern, um bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 antreten zu dürfen.
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Aller Voraussicht nach wird es dann sechs Kandidatenlisten geben. Neben den vier derzeit im Stadtrat vertretenen Parteien (Bürgervereinigung, CSU, SPD und Grüne) hat die FDP angekündigt, sich ebenfalls um Stadtratsmandate bewerben zu wollen.
Dominik Stallein
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