645.000 Euro für Abbiegespur zum Kraft-Areal

Wolfratshauser Räte murren: Warum muss Stadt Löwenanteil für neue Straße bezahlen?

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Schon im September sollen die Arbeiten beginnen: Die Stadt Wolfratshausen lässt an der Sauerlacher Straße unter anderem eine Linksabbiegespur aufs Neubaugebiet Kraft-Areal anlegen.
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Um das Kraft-Areal zu erschließen, lässt die Stadt Wolfratshausen eine neue Abbiegespur anlegen. Einige Räte wundern sich über die Kostenverteilung.

Wolfratshausen – Auf dem rund 11 000 Quadratmeter großen Grundstück östlich des S-Bahnhofs, einst Firmensitz des Baustoffhandels Kraft, entstehen wie berichtet fast 120 neue Wohnungen plus Tiefgarage und Edeka-Supermarkt. Voraussichtlich können die ersten Mieter im nächsten Jahr einziehen.

Das Projekt, das war Bürgermeister und Stadträten stets bewusst, sorgt für eine kräftige Zunahme des Verkehrs auf der Sauerlacher Straße. Aus diesem Grund lässt die Kommune eine neue Linksabbiegespur zum Kraft-Areal anlegen sowie neue Ampeln installieren. Stand heute kostet die Gesamtmaßnahme mehr als 760 000 Euro. Knapp 645 000 Euro davon schultert die Stadt, den Rest die Scherbaum-Unternehmensgruppe, Bauherr auf dem Kraft-Areal. Nicht nur Richard Kugler (Wolfratshauser Liste) wunderte sich in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses des Stadtrats über die Kostenverteilung.

Wolfratshauser Räte murren: Warum muss Stadt Löwenanteil für neue Straße bezahlen?

Das Projekt ist aufwendig, die Details mussten mit vielen Grundstücksbesitzern abgesprochen werden. Auch die Deutsche Bahn will immer wieder gefragt werden. Zum einen liegt der Bahnhof nur einen Steinwurf vom Neubaugebiet entfernt, zum anderen ist bekanntlich der Ausbau der Gleisstrecke von Wolfratshausen nach Geretsried geplant.

Inzwischen stehen viele Eckdaten fest, denen der Bauausschuss mit 8:2 zustimmte. Schon im September, so ließ Wolfgang Mucha vom Rathaus-Referat „Bauen und Liegenschaften“ die Mitglieder des Fachgremiums wissen, sollen die Arbeiten beginnen. Mit der Fertigstellung rechnet Mucha Ende November dieses Jahres.

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Eine neue Linksabbiegespur, neue Ampeln für Autofahrer sowie für Fußgänger und Radfahrer, neue Gehwege, die Pflanzung neuer Bäume – das geht ins Geld. Kugler bezeichnete den Kostenanteil für die Stadt als „exorbitant“. Er frage sich, warum nicht die Scherbaum-Gruppe, die auf dem Kraft-Areal Wohnungen und Edeka-Markt errichtet, den Löwenanteil übernimmt. Schließlich sei der Investor doch der Nutznießer des Straßenbaus. „Bedenklich hoch“ seien die Kosten für die Kommune, gab Renate Tilke (CSU) zu Protokoll. Auch sie rätselte, warum die Scherbaum-Gruppe nicht stärker zur Kasse gebeten werde.

Wolfratshausen: Grünen-Vertreter lehnen Straßenbau ab

„Eine interessante Frage, die wir uns auch gestellt haben“, sagte Dr. Hans Schmidt (Grüne). Er und sein Parteifreund Rudi Seibt blieben im Übrigen auf ihrem bisherigen Kurs: Beide lehnten die Aufweitung der Sauerlacher Straße zwischen dem Bahngleis im Osten und der Einmündung Auf der Haid im Westen ab. Begründung: „Unsere Fraktion ist wie bisher der Ansicht, dass das Verkehrsgutachten, auf dem diese Straßenquerschnitte beruhen, für eine Verkaufsfläche von 6000 Quadratmetern ausgelegt war. Nun sind es nur noch 2000 Quadratmeter“ – angesichts der „anstehenden Mobilitätswende“ brauche es eine zusätzliche Straße nicht.

Rathauschef Heilinglechner zeigte sich verwundert. Das Verfahren habe eine lange Historie, in nicht öffentlichen Sitzungen sei „genau festgelegt worden, wer was bezahlt“. Die Vereinbarungen seien in einem städtebaulichen Vertrag mit der in Grünwald beheimateten Unternehmensgruppe fixiert. Details nannte der Bürgermeister nicht, ließ aber durchblicken, dass die Scherbaum-Gruppe einige Grundstücksflächen im Bereich der Sauerlacher Straße an die Stadt abgetreten habe.

Es gibt kein ganzes Glück.

Bürgermeister Klaus Heilinglechner zitiert seine Mutter

Das Entwurfskonzept für die Straßenplanung stammt vom Büro Traudisch in Wolfratshausen, dasselbe gilt für die Kostenberechnung. Das Planungsbüro für Verkehrstechnik (PVT) in Essen war mit der Planung der Ampelanlagen beauftragt. Summa summarum muss die Stadt rund 645 000 Euro investieren. Diese Zahl sei angesichts galoppierender Preissteigerungen in Folge der Corona-Pandemie und des andauernden Krieges in der Ukraine mit Vorsicht zu genießen, warnte der Bürgermeister. Schon 645 000 Euro „sind für uns kein Riesenvergnügen“, so Heilinglechner. „Zumal wir noch keine Angebote haben, „da schwimmen wir noch ein bisschen.“ Heilinglechner zitierte augenzwinkernd seine Mutter: „Es gibt kein ganzes Glück.“

Der Ausschuss billigte die Entwurfsplanung mit 8:2 Stimmen. 600 000 Euro waren bereits im Haushalt fürs laufende Jahr bereitgestellt – weitere knapp 45 000 Euro werden „über eine andere Tiefbaumaßnahme gedeckt“, ist im Beschluss zu lesen. (cce)

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