Dichtungshersteller EagleBurgmann

Wolfratshauser Unternehmen schreibt Rekordzahlen: Jetzt werden 20 Millionen investiert

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Gleitringdichtungen „in Champions-League-Qualität“: Die entstehen tagtäglich im EagleBurgmann-Werk in der Gemeinde Eurasburg – und finden weltweit unter anderem in der Öl-, Gas- und Chemie-Industrie sowie in der Luft- und Raumfahrt Anwendung.
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Der Dichtungshersteller EagleBurgmann bleibt trotz Rekordzahlen bescheiden – und investiert jetzt kräftig in den Standort Wolfratshausen.

Wolfratshausen/Eurasburg – Die Corona-Pandemie, gerissene Lieferketten, der von Russland entfesselte Krieg in der Ukraine und horrende Energiepreise: Das alles ging und geht am Dichtungshersteller EagleBurgmann nicht spurlos vorüber. „Doch wir sind ein robustes Unternehmen“, sagt Dr. Andreas Raps, der Vorsitzende der Geschäftsführung. „Höher, schneller, weiter“ ist für den gebürtigen Oberfranken nicht die Maxime. Aber angesichts eines Rekordumsatzes sowie der bis dato höchsten Mitarbeiterzahl in Deutschland (1550 Frauen und Männer) stellt der 48-jährige Diplom-Kaufmann das Licht nicht unter den Scheffel. Und der Chief Executive Officer, kurz CEO, formuliert ehrgeizige Ziele.

Wolfratshauser Unternehmen schreibt Rekordzahlen: Jetzt werden 20 Millionen in Standort investiert

6000 Mitarbeiter weltweit, davon 650 am Standort in Wolfratshausen und 800 in Eurasburg, zählt das Unternehmen aktuell. 45 000 Kunden rund um den Globus gibt’s, der Umsatz näherte sich im zurückliegenden Geschäftsjahr mit 823 Millionen Euro der Milliarden-Grenze. Diese Schallmauer soll mittelfristig durchbrochen werden, zudem will sich EagleBurgmann das Prädikat „Weltmarktführer“ anheften. Noch gibt es einen amerikanischen Wettbewerber, der dem Wolfratshauser Unternehmen, ein Teil der deutschen Freudenberg- und der japanischen EKK-Gruppe, diesen Titel streitig macht.

Wir denken langfristig, und wir sind sehr verbindlich, wir halten unsere Versprechen. 

Dr. Andreas Raps, CEO bei EagleBurgmann

Riskante Schnellschüsse, Wachstum um jeden Preis, das entspricht allerdings nicht Raps’ Philosophie. „Wir denken langfristig“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung, „und wir sind sehr verbindlich, wir halten unsere Versprechen.“ Mit einem Lächeln ergänzt Raps: „Deswegen geben unsere Mitarbeiter 110 und nicht nur 100 Prozent.“ Was zähle, sei „der nachhaltige, der langfristige Erfolg“, betont der CEO. Das garantiere nicht zuletzt den vielen Tausend Mitarbeitern eine sichere berufliche Zukunft. Wichtig sei zudem, immer wieder eine kritische Nabelschau zu betreiben. Eine große Gefahr für einen prosperierenden Wirtschaftsbetrieb „ist die Selbstverliebtheit“, meint der 48-Jährige. Dieses Merkmal kennzeichne EagleBurgmann, dessen Fundament im Jahr 1884 in Dresden mit der Gründung einer Handelsgesellschaft für technische Artikel gelegt worden war, nicht. Ja, sagt Raps, „wir sind ein Global Player“, doch im Kern ein Familienunternehmen, das nach außen bescheiden auftrete. „Wir sind kein Lautsprecher.“

Schon vor Corona-Pandemie gab‘s Konzepte für mobiles Arbeiten

Dass EagleBurgmann seine Hausaufgaben macht, trug in der Corona-Pandemie Früchte. Längst gab es Konzepte für mobiles Arbeiten, Teams und Zoom waren keine Fremdworte. „Wir sind global aufgestellt“, erklärt Raps, „wir sind in jedem Winkel dieser Erde vertreten.“ Schon bevor das Coronavirus zu digitalen Konferenzen zwang, „war bei uns klar, dass man nicht für ein einziges Meeting mal eben nach Japan fliegt“.

Gibt die Richtung vor: Dr. Andreas Raps (48), Chief Executive Officer, kurz CEO des Dichtungsherstellers EagleBurgmann in Wolfratshausen.

Das liegt in der Tatsache begründet, dass Nachhaltigkeit für Raps kein Lippenbekenntnis ist. „Was wir tun, ist echt gut“, schwärmt er von den Produkten, die im Werk in Eurasburg hergestellt werden. Gleitringdichtungen „in Champions-League-Qualität“, stellt der CEO fest. Diese finden in der Öl-, Gas- und Chemie-Industrie Anwendung, in der Luft- und Raumfahrt – aber auch in Lebensmittelbetrieben sowie in einer Meerentsalzungsanlage in Israel. „Hier können 100 Milliarden Liter Wasser jährlich entsalzen und in Trinkwasser und Brauchwasser für über 1,5 Millionen Menschen umgewandelt werden“, erläutert René Heilmann, Director Global Communications & Marketing. „Das entspricht 20 Prozent des Wasserbedarfs Israels.“

Kampf dem Trinkwasserverlust: Das Thema wird an Bedeutung noch zunehmen

Den Augen von Otto Normalverbraucher bleibt die Hightech-Dichtung made in Wolfratshausen in der Regel verborgen. „Doch wir tragen zu einer besseren Umwelt bei“, so Raps. Jeder Tropfen Öl, der aus einer Leckage rinnt, „schadet der Umwelt“. Dichtungen schieben dem einen Riegel vor. „Unsere Produkte beugen auch dem Verlust von Trinkwasser vor“ – ein Thema, das nach Raps’ Einschätzung an Bedeutung noch zunehmen wird.

„Es läuft“, bilanziert der CEO mit Blick auf die Auftragseingänge. Auch deren Zahl sei rekordverdächtig. Obwohl er davon ausgeht, „dass wir definitiv in eine Rezession gehen“, dass Deutschland eine gesamtwirtschaftliche Abschwächung bevorsteht, prognostiziert er für EagleBurgmann: „Die Zukunftsaussichten sind sehr gut.“

EagleBurgmann investiert 20 Millionen Euro am Standort Wolfratshausen

Auf diese Prognose baut das Unternehmen im buchstäblichen Sinne: Wie berichtet entsteht am Firmensitz an der Äußeren Sauerlacher Straße das neue „EagleBurgmann Innovation Center“. Rund 20 Millionen Euro werden nach Unternehmensangaben investiert. „Für eine langfristige Sicherung des Standorts soll der traditionelle Stammsitz des im Planungsgebiet ansässigen Unternehmens langfristig und zukunftsträchtig weiterentwickelt werden“: So stand’s im Bauantrag zu lesen – der im Bauausschuss des Stadtrats nicht nur auf einhellige Zustimmung stieß, sondern ausdrücklich begrüßt wurde. Vize-Bürgermeister Günther Eibl sieht in dem Bauvorhaben ein „Bekenntnis zum Standort“ Wolfratshausen, über das er „glücklich“ sei.

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Derweil rührt sich auch einiges am Standort in Eurasburg. Hier hatte das Unternehmen vor rund zehn Jahren 40 Millionen Euro in den Neubau einer Produktionshalle investiert und die Betriebsfläche so auf einen Schlag verdoppelt. Aktuell arbeitet man akribisch am „Projekt Eurasburg 2027“, wie Barbara Görmer (Senior Operations Director Strategic Production Development) bei einem Rundgang erläutert.

Akribische Arbeit am „Projekt Eurasburg 2027“

Die Wirtschaftsingenieurin stieß 2007 zum Dichtungshersteller und schuf 2015 gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen „eine Art Denkfabrik“. Auf einen einfachen Nenner gebracht heißt das Ziel: die Digitalisierung forcieren, die Arbeitsorganisation optimieren, Prozessabläufe beschleunigen und noch leistungsfähiger werden. „Bis 2027 wollen wir das Ganze hier auf ein neues Niveau heben“, erklärt Barbara Görmer. Alles ist im Fluss, im laufenden Betrieb werden Maschinen versetzt und neue Transportwege angelegt. „Hier steht nichts mehr, wo es stand“, sagt Görmer und lacht. Sie macht kein Hehl aus der Tatsache, dass sie für ihren Job bei EagleBurgmann brennt.

Dasselbe gilt für den Mann, der die Richtung vorgibt: Er arbeite „als wenn’s mein eigenes Unternehmen wäre“, sagt Raps. „Unternehmerisch denken“ – dazu animiert der CEO auch die langjährigen Mitarbeiter sowie die Auszubildenden. Die wüssten, „dass sie hier etwas zählen“. So führen viele Faktoren zum Erfolg. Und fällt erneut eine Rekordmarke – der Chief Executive Officer wird’s verschmerzen. (cce)

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