200 Interessenten bei Infoveranstaltung

Wolfsee: So viel kosten die Grundstücke - und so kommt man an sie ran

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Hatte viele Zuhörer: Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner stellt im Klostersaal die Modalitäten für die potenziellen Bauwerber vor.
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Das Interesse am Neubaugebiet Wolfsee ist groß. Doch wer eins der 21 Grundstücke kaufen will, braucht nicht nur Geld, sondern muss sich erst dafür bewerben. Das sind die Details.

Fischbachau – Einen zweiseitigen Fragebogen muss ausfüllen, wer am Wolfsee bauen will. So sieht es das Verfahren vor, das der Fischbachauer Gemeinderat für die Vergabe der 21 Parzellen auf dem Gelände des früheren Campingplatzes beschlossen hat. Bei einer Infoveranstaltung im Klostersaal hat Bürgermeister Josef Lechner nun neben Details zum Bewerbungsablauf auch die Preise für Grundstücke und Erschließung vorgelegt. Rund 200 Interessenten waren der Einladung gefolgt. Am Ende könne sich jeder einen der Fragebögen mitnehmen, schickte Lechner voraus und fügte schmunzelnd an: „Sofern Sie dann noch interessiert sind.“

Wie berichtet, setzt Fischbachau am Wolfsee nicht auf ein klassisches Einheimischenprogramm, sondern auf ein Punktesystem. Damit können sich nicht nur Gemeinde-, sondern alle Landkreisbürger für die zwischen 770 und knapp 2000 Quadratmeter großen Grundstücke bewerben. Dennoch werden Fischbachauer bevorzugt behandelt, wie Lechner erklärte. Wer in der Gemeinde wohne, erhalte 30 Punkte, alle anderen zehn. Positiv wirken sich auch eine Lebenspartnerschaft, Kinder oder Vereinsaktivitäten und soziales Engagement aus.

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Eine unabdingbare Voraussetzung sei der Selbstbezug, betonte Lechner. Entweder der Käufer oder ein direkter Angehöriger müsse seinen Erstwohnsitz an den Wolfsee verlegen. Kommerzielle Bauträger sollen damit ausgeschlossen werden. Eine Vermietung sei insofern möglich, als dass für 17 Parzellen zwei Wohneinheiten pro Einfamilienhaus, für die vier „Hofgrundstücke“ sogar drei zulässig seien.

Sollte die Umfrage ergeben, dass der Bedarf an Eigentumswohnungen größer ist als gedacht, könne man vier weitere Parzellen per Bebauungsplanänderung um ein Dachgeschoss erweitern und damit bis zu vier Wohnungen ermöglichen – etwa für ein Mehrgenerationenhaus. Im gesamten Areal zulässig ist laut Lechner „stilles Gewerbe“ wie eine Werbeagentur oder ein Friseursalon. Das benachbarte Schotterwerk hätten die neuen Siedlungsbewohner zu dulden.

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Die Interessenten lauschten Lechners Ausführungen konzentriert, manch einer fotografierte die Folien auch ab. Vor allem, als es um die Preise ging. Pro Quadratmeter werden zwischen 400 Euro (Innenlage) und 620 Euro (Seelage) fällig. Hochgerechnet auf die Grundstücksgrößen ergeben sich damit Kaufpreise zwischen rund 352 000 Euro (Randlage, 800 Quadratmeter) und 938 000 Euro („Höfe“, 1950 Quadratmeter). Fairerweise müsse man die Beträge aber auf die Zahl an möglichen Wohneinheiten herunterbrechen, fügte Lechner an.

Pauschal hinzukommen 115 Euro pro Quadratmeter für die Erschließung. Mehr als 7 Millionen Euro werde die Gemeinde in den Rückbau des Campingplatzes, den Abbruch der Gaststätte an der Wolfseehalle (hier soll ein neues, öffentliches Café oder Bistro entstehen) sowie die Infrastruktur mit Ringstraße, Wasser, Kanal, Entwässerung und Hochwasserschutz investieren. 4,3 Millionen Euro werden auf die Hausbauer umgelegt.

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Ferner erhalten sie das Angebot, für 5000 Euro an ein neues Nahwärmenetz mit einer zentralen Hackschnitzelanlage auf dem Parkplatz der Wolfseehalle anzuschließen. „So günstig kommen Sie woanders nicht zu so einer Heizung“, meinte Lechner. Zumal im Bebauungsplan fossile Brennstoffe ausgeschlossen sind. Auch ein E-Mobilitätsangebot für einen Solar-Carport mit Ladestation und zwei Elektroautos zum Ausleihen spendiert die Gemeinde. Vorerst müssten die Bewohner des „Quartier Wolfsee“ nur die Miete bezahlen. Die Leasinggebühr übernimmt die Gemeinde. Nach zwei Jahren könnten die Bürger über eine Fortführung auf eigene Kosten entscheiden. Ziel ist es laut Lechner, dass möglichst viele auf ein Zweitauto verzichten.

Bis Mitte Dezember haben die Interessenten Zeit, die ausgefüllten Fragebögen im Rathaus einzureichen. Am 25. Februar entscheidet der Gemeinderat über die Vergabe der Grundstücke. Im Frühjahr starten die Arbeiten an der Infrastruktur, ab 2020 können die Bauherren ihre Häuser errichten. „So haben wir dem Siedlungsdruck Rechnung getragen, ohne grüne Wiese zu verbauen“, sagt der Bürgermeister auf Nachfrage. Obendrein könnten heimische Firmen Aufträge in Millionenhöhe an Land ziehen. Am mangelnden Interesse scheint das Projekt nicht zu scheitern. Die Fragebögen fanden reißenden Absatz.

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