VonSebastian Grauvoglschließen
In Corona-Zeiten läuft alles langsamer. Auch die Vermarktung der Grundstücke auf dem Wolfseegelände ist gebremst. Die Käufer haben nun Bedenkzeit.
Fischbachau – Die Corona-Krise verunsichert auch die Bauwerber: Viele fragen sich, ob sie sich eine so große Investition noch zutrauen können. Von einem „eingefrorenen Immobilienmarkt“ sprechen Experten in einer solchen Situation. Die Kaufinteressenten für die Grundstücke am Wolfsee in Fischbachau haben jetzt mehr Bedenkzeit. Sie müssen die Notarverträge erst im dritten oder vierten Quartal unterzeichnen.
Einen Nachfrageeinbruch fürchtet die Gemeinde nicht. Auf einer Gesamtfläche von rund 26 000 Quadratmetern will sie bekanntlich 26 Parzellen unterschiedlicher Größe für Wohnbebauung verkaufen. Im Oktober 2019 hat der Gemeinderat die ersten 18 Grundstücke vergeben Der Verkauf des ganzen Areals soll mehr als 13,3 Millionen Euro in den Gemeindesäckel fließen lassen. Fischbachau wäre damit bis auf die rentierlichen Schulden alle Kredite los.
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So jedenfalls der Plan vor der Corona-Krise. Grundsätzlich habe sich daran laut Gemeinde nichts geändert. Lediglich der Zeitablauf habe sich um ein paar Monate nach hinten verschoben. Weil wegen des Coronavirus die Fachstellen nicht immer erreichbar gewesen seien, hätte sich das Planfeststellungsverfahren für den Hochwasserschutz verzögert.
Baustart voraussichtlich im Frühjahr 2021
Damit könne man die Ausschreibung für die Baumaßnahmen und die Erschließung der Grundstücke erst jetzt vornehmen. Die Fertigstellung werde daher nicht im Herbst, sondern erst im Winter erfolgen. Das wiederum bedeutet, dass die Häuslebauer erst im Frühjahr 2021 loslegen können. In unsicheren Corona-Zeiten könnte das sogar ein Vorteil sein. Da die Kaufpreise erst Anfang 2021 fließen müssten, könnten die Interessenten erst in Ruhe abwarten, wie sich die Krise auf ihre persönlichen Finanzen auswirkt.
Dass es zu einem großen Nachfrageeinbruch kommt, erwartet die Gemeinde nicht. Selbst wenn Kaufinteressenten abspringen, ist sie haushaltstechnisch immer noch auf der sicheren Seite. Nur ein Viertel der Gesamtfläche müsste veräußert werden, damit die Erschließungskosten ohne neue Kreditaufnahme bezahlt werden können. Dass man in so einem Fall nicht sofort alle nicht rentierlichen Schulden tilgen könnte, sei angesichts anhaltend niedriger Zinsen nicht tragisch.
Eine Vorfinanzierung der Erschließungskosten muss die Gemeinde übrigens ebenfalls nicht leisten. Fischbachau hat den Dienstleister BayernGrund GmbH mit der Ausschreibung und Durchführung beauftragt. Die Abrechnung werde erst nach Abschluss erfolgen, voraussichtlich im Frühjahr 2021, wenn auch die Kaufpreise für die Grundstücke fließen sollen.
Bei Vergabe der Leistungen mitreden
Und noch einen weiteren Vorteil hat diese Vorgehensweise: Die Gemeinde kann bei der Vergabe der Leistungen mitreden und will sich dafür stark machen, dass vor allem einheimische Firmen die Aufträge erhalten. Also eine Art kommunales Konjunkturprogramm.
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