VonSilke Reinbold-Jandretzkischließen
Schmuckstücke tauchten ebenso auf wie Messer, Waffen, Werkzeuge und verbrannte Tierknochen. Auf dem Zeilkopf bei Ohlstadt/Eschenlohe befanden sich vor tausenden Jahren ein vorgeschichtlicher Brandopferplatz sowie eine Höhensiedlung der Bronze- und Urnenfelderzeit. Doch Unbekannte schändeten das Areal des heutigen Bodendenkmals.
Ohlstadt/Eschenlohe – Der Finder bereicherte sich nicht wie andere vor ihm. Diese hatten auf dem Zeilkopf, einem Höhenrücken 210 Meter über dem Talgrund der Loisach auf der Gemeindegrenze zwischen Ohlstadt und Eschenlohe, regelrecht geplündert. An mehreren Stellen der Bergkuppe am Westfuß von Pfaffenwänden und Osterfeuerspitze haben die illegal agierenden Raubgräber die typischen Sondengängerlöcher hinterlassen und archäologisch wertvolle Spuren beschädigt oder gar zerstört.
Dann entdeckte der ehrliche Finder die vorgeschichtliche Schatzkammer Zeilkopf. Er trug ein Arsenal an Artefakten zusammen, die er mit einer Metallsonde aufgespürt hatte, und meldete sich 2017 beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD).
Zeilkopf bei Ohlstadt/Eschenlohe: Sondensucher bringt Stein ins Rollen
Er brachte den Stein ins Rollen. Am Ende stand nun die Entscheidung, die Stelle auf dem Zeilkopf als geschütztes Bodendenkmal auszuweisen: als vorgeschichtlichen Brandopferplatz sowie Höhensiedlung der Bronze- und Urnenfelderzeit. Ein BLfD-Experte ging mit dem Sondensucher das Gelände ab, erkannte die Bedeutung. Man sah sich am Ort einer teilweise umwehrten vorgeschichtlichen Höhensiedlung, entdeckte nach Angaben von Silke Wapenhensch, Referentin für Presse und Öffentlichkeitsarbeit am Landesamt, weitere archäologische Funde, „insbesondere Siedlungskeramik, Tierknochen und Steingerät“. Die Objekte vom Zeilkopf – Wapenhensch nennt des weiteren unter anderem Schmuck wie Nadeln und Gürtelhaken, persönliches Gerät wie (Rasier-)Messer sowie Bewaffnung (Pfeilspitzen, Lanzenfragmente) und Relikte der Metallverarbeitung – stammen aus mehreren Zeitschichten. Dies legt nahe, dass der Ort in diversen vorgeschichtlichen Perioden unterschiedlich genutzt wurde. Den ältesten Nachweis liefert ein kleiner Griffplattendolch aus Kupfer, der aus der frühen Bronzezeit stammt (2300/2200 bis 1600 v. Chr.) oder noch älter ist. Der Siedlungsschwerpunkt lag in der Zeit 1300 bis 800 v. Chr.. Keramikfunde belegten, so Wapenhensch, „dass die gesamte umwallte Fläche besiedelt war. Der Brandopferplatz ist durch eine kleinräumige Konzentration verbrannter Tierknochen nachgewiesen“ .
Eschenlohes Bürgermeister Anton Kölbl (CSU) reagierte „überrascht“ auf die Funde; auch Franziska Lobenhofer-Hirschbold hatte zuvor nicht die leiseste Ahnung. Die Vorsitzendes des Vereins zur Erforschung und Erhaltung der Eschenloher Heimatgeschichte findet die Siedlung „spannend“ und im Nachhinein „logisch“: ein geschützter, erhöhter Platz an einer uralten Handelsroute, der Übersicht bietet, abseits von Schlamm und Morast im Tal.
Bodendenkmal auf dem Zeilkopf
wissenschaftlich bedeutend
Wissenschaftlich weist der Fund Bedeutung auf. „Mit dem Zeilkopf liegt nun erstmals der archäologische Nachweis vor, dass auch das Loisachtal als Handelsweg für Kupfer in das westliche Oberbayern diente“, so Wapenhensch. Dies war bisher nur vermutet worden. Die Siedlung auf dem Zeilkopf gehöre „zu einer kleinen Gruppe von bronze- und urnenfelderzeitlichen Höhensiedlungen am Alpenrand, die den Handel mit Kupfer aus den Tiroler Lagerstätten in das Alpenvorland kontrollierten oder zumindest daran Teil hatten“. Der sehr wahrscheinlich eisenzeitliche Brandopferplatz besitze als typisch alpine Kultplatzform ein gutes, archäologisch untersuchtes Pendant in Farchant (Spielleitenkopf).
Wohl für immer im Dunkeln bleibt, was sich Raubgräber alles unter den Nagel gerissen haben. Sie wilderten in Privatwald auf Ohlstädter und Eschenloher Flur. Wapenhensch betont, man gehe nicht nur davon aus, dass sich die Täter „in unbekanntem Umfang bereichert haben“. Sie brachten auch die Grundeigentümer um den hälftigen Anteil, der ihnen zustand.
Deshalb setzt nach Bayern ein
Raubgrabungs-Tourismus ein
Raubgrabungen stellen für die Denkmalpflege ein großes Problem dar. In Bayern kommt nach Angaben von Wapenhensch erschwerend hinzu, dass es nicht wie alle anderen Bundesländer eine im Denkmalschutzgesetz verankerte Eigentumsregelung für archäologische Funde aufweist („Schatzregal“). Herrenlose, verborgene Schätze gehen mit ihrer Entdeckung nicht ins Eigentum des Staates über, sondern gehören Finder und Grundstückseigentümer jeweils zur Hälfte. Dies gilt auch für Raubgräber, die gegen Gesetze verstoßen haben. Weil das Schatzregal fehlt, hat eine Art Ausgrabungstourismus nach Bayern eingesetzt. In den vergangenen Jahren sei zu beobachten gewesen, dass der Freistaat „zunehmend Ziel von Sondergängern aus anderen Bundesländern und dem Ausland geworden ist“, so Wapenhensch. Der Schaden am historischen Erbe, der durch Raubgrabungen entstehe, sei kaum zu beziffern, da nur ein Bruchteil der Funde überhaupt bekannt werde.
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