Nur eins hat sich nicht verändert

Riesige Gletscher und urige Hütten: Video von 1965 offenbart, wie sich die Zugspitze verändert hat

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Ein Retro-Video begleitet zwei Wanderer bei ihrem Aufstieg auf die Zugspitze anno 1965. Der Film offenbart den Wandel, den Deutschlands höchster Berg von damals bis heute durchgemacht hat.

Garmisch-Partenkirchen - Die beiden Wanderer steigen mühsam über ein riesiges Geröllfeld, dann erreichen sie den Höllentalferner. Der Gletscher ist anno 1965 mit einer dicken Schneeschicht bedeckt und noch nicht so vom abschmelzen bedroht wie heute. Mit einem großen Schritt müssen die zwei Männer eine breite Randkluft überwinden, um in den Klettersteig in Richtung Gipfel der Zugspitze einzusteigen.

Der Gipfel der Zugspitze: 2022 drängen sich die Touristen auf der Besucherterrasse (l.), 1965 besteht er weitgehend aus dem Gipfelkreuz und dem Münchner Haus.

Während sich hier heutzutage die Wanderer die Klinke - oder das Steigeisen - in die Hand geben und der Gipfelstürmer an Spitzentagen hier manchmal Schlange steht und auf den Aufstieg warten muss, sind die beiden Bergsteiger in den 1960ern noch mutterseelenallein. Nicht ganz: ein Kamera-Team des Bayerischen Rundfunk hat sie damals begleitet. Der dabei entstandene Film „Die Zugspitze“ ist als Retro-Video in der ARD-Mediathek zu sehen.

Aufstieg auf die Zugspitze 1960: so sehr hat sich Deutschlands höchster Berg verändert

Der achtminütige Clip begleitet zwei Männer bei ihrem Aufstieg von Garmisch-Partenkirchen durch das Höllental auf Deutschlands höchsten Berg. Die Tour führt sie zunächst durch die Höllentalklamm und dann auf einem breitem ausgebauten Weg bis zur Höllentalangerhütte, wo sie übernachten. Und wer 2015 oder später auf der Höllentalangerhütte wird sich bei den Bildern wundern: die Höllentalangerhütte sieht aber ganz anders aus. Die „alte“ DAV-Hütte wurde 2013 abgerissen. Ein moderner Neubau aus Holz mit 110 Schlafplätzen entstand, der im September 2015 eröffnet wurde. Das alte Haus konnte bis zu 80 Personen beherbergen.

Die 2015 eröffnete, moderne Höllentalangerhütte.
Und die alte Höllentalangerhütte, wie sie in einem BR-Retro Video 1965 ausgesehen hat.

Der Gipfel der Zugspitze 1965: Film zeigt, wie ungewohnt ruhig es dort damals war

Heute ist die Zugspitze viel mehr bebaut und vom (Wander-)Tourismus erschlossen. Ob das den Alpen guttut, steht auf einem anderen Blatt. Als die Bergsteiger im Film endlich das Gipfelkreuz erreichen, genießen sie den Blick auf die niedrigeren Berge noch ungestört von anderen Menschen.

Dann steigen sie hinüber zum Münchner Haus. Hüttenwirt Anselm Barth, dessen Enkel die Hütte heute führt, begrüßt seine Gäste persönlich. Wäre damals schon so viel los gewesen wie heute, wäre das undenkbar. 1965 ist die Gastronomie auf dem Gipfel der Zugspitze aber noch weit weniger ausgebaut. Vom Restaurant und Hotel Sonnalpin am Zugspitzplatt und einer großen Aussichts-Terrasse ist 1965 noch nichts zu sehen. Das wurde erst in den 1980er-Jahren gebaut.

Zugspitze: Hotel wird in den 1990er-Jahren Forschungsstation

Als Hotel dient dafür damals noch das Schneeferner-Haus, die heutige Wetter- und Klima-Forschungsstation. Der Hotelbetrieb wurde 1992 - vor 30 Jahren - eingestellt. Anschließend wurde das Haus umgebaut und seit 1999 arbeiten dort oben auf 2965 Metern Höhe Wissenschaftler und Studenten der TU München. Die betrachten auch mit Sorge, wie stark die Gletscher zurückgehen.

Der Höllentalferner Gletscher ist 2022 allein im Vergleich zu 2021 deutlich abgeschmolzen.
Zum Vergleich: der Höllentalferner 1965.

Der Klimawandel hat das ewige Eis auf der Zugspitze stark abschmelzen lassen. Der südliche Schneeferner-Gletscher hat im Sommer gar seinen Gletscher-Status verloren. Auch der Höllentalferner hat in diesem heißen, trockenen, regenarmen Sommer weitaus weniger Schnee getragen, als noch im vergangenen Jahr. Und beim Nördlichen Schneeferner prognostizieren Experten, dass er in zehn bis 15 Jahren verschwunden sein wird.

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Die Zugspitze im Wandel: auf eines hat der Mensch keinen Einfluss

Aber eines wird sich wohl nie ändern: die Schnellebigkeit des Wetters im Hochalpinen. „Was ist denn jetzt los, plötzlich scheint es aus zu sein, mit dem schönen Wetter“, bemerkt der Kommentator des Films, als die beiden Bergsteiger im Klettersteig auf dem Weg zum Gipfel unterwegs sind. Es kann sich in den Bergen binnen Minuten zuziehen. Das mussten, müssen und werden Wanderer auch in Zukunft beachten müssen. Bei einem Aufstieg auf Deutschlands höchsten Berg ganz besonders.

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Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa, Screenshot BR

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