Mitten in der Flutkatastrophe

In letzter Minute aus brennendem Haus gerettet: Brüder verlieren ihr Zuhause – Hilfeaufruf

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Vom Erdgeschoß bis ins Dach ausgebrannt ist dieses Wohnhaus an der Dobelstraße in Niederhummel. Die beiden über 80-jährigen Bewohner befinden sich nun vorerst in einer Notunterkunft der Gemeinde Langenbach.
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Mitten im Hochwassereinsatz eilt die Feuerwehr in Niederhummel zu einem Brand und rettet Senioren auf dramatische Weise das Leben. Doch nun braucht es erneute Hilfe.

Niederhummel - In einem Moment, in dem der halbe Landkreis die Wassermassen verflucht, wünscht man sich an einem Fleck in Niederhummel (Gemeinde Langenbach) wohl nichts sehnlicher herbei: Am Dienstagmorgen, mitten in der Zeit der Hochwasserkatastrophe, bricht in dem Dorf ein Feuer an der Dobelstraße aus. Welch bittere Ironie des Schicksals, könnte man meinen. Doch gerade das Zusammentreffen der Ereignisse ist am Ende ein gewaltiger Glücksfall.

Denn just zu dieser Zeit, gegen 8 Uhr, befindet sich eine Einheit der Freiwilligen Feuerwehr Ober- und Niederhummel noch im Hochwassereinsatz, man hat soeben die Dammsperre an der FS13 zur Isar eingesetzt und möchte nun eigentlich nur noch die Übergabe an die Straßenmeisterei abwickeln. Als dann plötzlich der Alarm „Wohnhausbrand“ eingeht, können die Floriansjünger direkt in voller Montur an die nahe Unglücksstelle eilen.

Ein Zufall spart entscheidende Minuten

Knapp eine Minute später, am betroffenen Einfamilienhaus an der Dobelstraße angekommen, stehen schon mehrere Räume in Vollbrand. Die Flammen schlagen im Erdgeschoß aus dem Ess- und Wohnzimmer und sind gerade dabei, auf den ersten Stock sowie den Dachstuhl überzugreifen. Im Haus lebt ein Brüderpaar, 80 und 84 Jahre alt. Der Jüngere hat sich bereits durch die Eingangstür aus dem brennenden Gebäude ins Freie geschleppt – aber der Ältere steckt noch im Haus fest. Er steht drinnen an einem Fenster und kann sich nicht selbst in Sicherheit bringen. Auch Anwohner, die den Notruf abgesetzt haben und herbeigeeilt sind, konnten ihn noch nicht alleine befreien.

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Josef Kratzer, einer der ersten eintreffenden Feuerwehrleute, berichtet später dem Freisinger Tagblatt: „Wir waren mit einem Mannschaftswagen unterwegs, hatten also eigentlich keine Einsatzmittel dabei. Wir haben dann trotzdem geschaut, was wir schon mal machen können.“ Insgesamt drei Kameraden packen den Mann schließlich und ziehen ihn mit vereinten Kräften nach draußen – gerade noch rechtzeitig: Beide Bewohner haben bereits viel Qualm eingeatmet. Sie werden dem inzwischen eingetroffenen Rettungsdienst übergeben und müssen wegen leichten Rauchgasvergiftungen behandelt werden.

Das Haus ist unbewohnbar geworden

„Als dann kurz darauf das erste Löschfahrzeug angekommen ist, hat der Trupp von den Kameraden vor Ort gleich ein super Lagebild bekommen und direkt mit der Brandbekämpfung loslegen können“, berichtet Hummels Kommandant Gerhard Kiermeier am Tag danach. Insgesamt waren 64 Feuerwehrkräfte mit zwölf Fahrzeugen aus Ober- und Niederhummel, Langenbach, Thonstetten sowie Moosburg an dem Löscheinsatz beteiligt. Brandfahnder der Polizei untersuchen das Gebäude inzwischen, um die Ursache der Flammen zu ermitteln. Wie die Beamten mitteilen, liege der Sachschaden laut ihrer Schätzung bei etwa 50.000 Euro. Das Haus ist durch das Feuer unbewohnbar geworden.

Die beiden Brüder kamen nach der ärztlichen Untersuchung in eine Langenbacher Notunterkunft. „Sie werden jetzt von der Gemeinde und der Feuerwehr versorgt und sollen sich erst einmal ordentlich von ihrem Schock erholen“, sagt Bürgermeisterin Susanne Hoyer. „Nach Rücksprache mit dem Einsatzleiter konnten sie auch noch einmal kurz zurück ins Haus, um persönliche Gegenstände mitzunehmen – soweit das jedenfalls möglich war.“ Die Kommune stelle jetzt die Grundversorgung: Kleidung oder Möbel etwa. Hoyer: „Wir wollen das auch weiter begleiten.“ Die Nachbarschaftshilfe habe ebenfalls bereits Unterstützung angeboten, freut sich die Ortschefin.

Jetzt braucht es Hilfe für die Senioren

Auf die Frage, wie es mit der Wohnsituation der zwei Senioren weitergeht, sagt Hoyer: „Soweit ich das vom Einsatzleiter gehört habe, scheint das Haus dem ersten Anschein nach nicht mehr sanierungswürdig zu sein. Und selbst wenn, dann würde das sicher länger dauern.“ Inwieweit Hilfsmaßnahmen anlaufen können, auch aus der Bevölkerung, müsse nun erst einmal im Detail koordiniert werden. Das Brüderpaar sei bekannt im Dorf, habe aber eher zurückgezogen gelebt. „Wir wollen sie jetzt in dieser schwierigen Situation nicht überfordern.“

Was man aber sicher bereits zu diesem Zeitpunkt sagen könne: „Langfristig wird für die Herren wieder Wohnraum benötigt. Da bitten wir die Bewohner aus Langenbach oder Hummel natürlich um Unterstützung, damit die Betroffenen in ihrer Heimat bleiben können“, sagt Susanne Hoyer. Wer also ein entsprechendes Angebot unterbreiten könne, solle sich gerne bei der zuständigen Stelle im Rathaus melden. Die Fäden laufen dort im Vorzimmer der Bürgermeisterin bei Magdalena Scheurenbrand zusammen. Sie ist unter der Telefonnummer (08761) 742030 erreichbar.

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