VonAndreas Steppanschließen
60 Jahre sind Gertraud und Bernhard Backa verheiratet. Zum Valentinstag erzählen die beiden von ihrer gemeinsamen Zeit.
Bad Tölz – Zum Valentinstag werden sich heute wieder viele jung verliebte Paare bei Candle-Light-Dinners tief in die Augen schauen, dazu werden Ringe, Rosen und Pralinen ausgetauscht. Wie viele dieser romantisch zelebrierten Beziehungen in einem Jahr noch bestehen, muss sich erst zeigen. Ganz anders verhält es sich bei Gertraud und Bernhard Backa. Im Gespräch mit dem Tölzer Kurier erklärt das Paar, wie es gemeinsam mehr als 60 Jahre Höhen und Tiefen gemeistert und sich dabei die Liebe bewahrt hat.
Es begann im Juni 1956 in München. Bei einem Ball, den eine Studentenverbindung veranstaltete, „musste mein Tischherr früher weg“, erinnert sich Gertraud Backa. „Er spielte in der Studenten-Fußball-Nationalmannschaft, hatte am nächsten Tag ein Spiel gegen die Schweiz und musste deshalb früh aufstehen“, ergänzt Bernhard Backa. Der Fußballer bat seinen Freund Bernhard, der jungen Gertraud Gesellschaft zu leisten. „Es war Schicksal“, kommentiert Bernhard Backa heute trocken. Später begleitete er die junge Frau zu Fuß nach Hause. Der Weg quer durch die Stadt von der Theresienwiese bis zur Maximiliansbrücke dauerte etwa eine Stunde – Zeit genug, sich eingehender zu unterhalten. Danach sagte Gertraud zu ihrer Großmutter, die zu Hause noch wach war: „Heute habe ich einen Mann kennengelernt, den werde ich heiraten.“
Die 21-jährige Münchnerin machte damals eine Ausbildung zur Regierungsinspektorin. Bernhard Backa, der in Radzionkau in Schlesien geboren worden und mit 17 als Luftwaffenhelfer für fünf Jahre in russische Kriegsgefangenschaft geraten war, war seinerzeit fertiger Diplom-Chemiker und nach dem Studium gerade per Motorrad auf einer Tour quer durch Deutschland. Nach seiner Heimkehr nach Hannover fand er bereits eine Postkarte von Gertraud vor. „Meine Mutter war zuerst entsetzt, dass ich Post von einer Frau aus Bayern bekommen hatte.“
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Umgekehrt musste sich Gertraud fragen lassen, was sie denn mit einem „Preißn“ wolle. Die jungen Leute ließen sich nicht beirren. „Wir haben heute noch jeder einen dicken Ordner mit den Briefen, die hin- und hergingen“, sagt Gertraud Backa. „Telefoniert haben wir nur ganz selten – seine Familie hatte gar kein Telefon zu Hause.“ Zum Oktoberfest kam Bernhard zu Besuch nach München, an Allerheiligen stellte er Gertraud in Hannover seiner Familie vor – von Vorbehalten gegen die Bayerin war da nichts mehr zu spüren.
Das Paar heiratete am 30. November 1957 standesamtlich, am 31. Mai 1958 kirchlich, zog zunächst nach Selb, wo Bernhard beim Porzellanhersteller Rosenthal angestellt war. Schon 1960 – Tochter Karin war gerade drei Monate alt – zog die kleine Familie nach München um. Bernhard Backa arbeitete für Siemens. Er hatte auch die russische Sprache studiert, sich zusätzlich zum Patentanwalt qualifiziert und vertrat nebenberuflich russische Mandanten. Gertraud Backa hatte ihren Beruf in einem Münchner Ministerium aufgegeben, hielt ihrem Mann den Rücken frei, während er häufig auf Dienstreise war, erledigte zu Hause für ihn Sekretariatsarbeiten, wenn die Kinder – 1964 kam die jüngere Tochter Doris zu Welt – in Kindergarten und Schule waren.
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Vor knapp neun Jahren wechselte das Ehepaar aus seiner Münchner Altbauwohnung ohne Lift ins Tölzer Seniorenheim „Haus am Park“. Er ist 91 Jahre alt, sie 83. „Es gibt schöne Zeiten, es gibt schwierige Zeiten“, sagt Gertraud Backa mit Blick auf ihre Ehe. „Wir haben Rücksicht aufeinander genommen, sind nie im Streit ins Bett gegangen.“ Offenbar gilt hier seit Jahrzehnten: Gegensätze ziehen sich an. „Ich bin introvertiert und häuslich, mein Mann hatte immer einen großen Bekanntenkreis“, sagt sie. „Er hat mich mitgerissen, dass ich mal unter die Leute gehe – und wenn es zu viel wurde, habe ich gebremst.“ Stolz ist das Paar darauf, was ihm gemeinsam gelungen ist: ihre beiden Töchter großzuziehen. Karin ist heute Richterin, Doris ist Chefärztin an der Fachklinik in Bad Heilbrunn. Die Backas haben zwei Enkelkinder. Tim (23) und Paula (19) studieren.
Was sie heute verbinde, das sei ein tiefes „Vertrauensverhältnis“ und „Zuneigung“, sagt Gertraud Backa. Sie habe früh ihre Eltern verloren und in ihrer ganzen Ehe großen Halt bei ihrem Mann gefunden. „Heute versuche ich, etwas davon zurückzugeben.“ Denn ihr Mann braucht im Alltag Unterstützung, sie sei seine „Vermittlerin zur Außenwelt“.
