VonSabine Schörnerschließen
Er war einer der bedeutendsten Bildhauer unserer Zeit: Alf Lechner ist am Samstag, 25. Februar 2017, im Alter von 91 Jahren gestorben. Rund 25 Jahre wohnte und arbeitete er im sogenannten Kunstbunker am Isardamm.
Geretsried – 1998 wurde ihm mit dem Ehrenring die zweithöchste Auszeichnung der Stadt Geretsried verliehen. Drei Jahre später zog Lechner nach Obereichstätt bei Ingolstadt, wo heute ein Museum und ein Skulpturenpark an sein Werk erinnern. Der Geretsrieder Stadtrat Volker Witte bedauert es noch heute, dass man den großen Künstler damals hatte ziehen lassen. Volker Witte, 14 Jahre Betreiber der Künstlerkneipe „Korkenzieher“, lernte Alf Lechner auf einem Spaziergang kennen. Als freischaffender Maler wusste Witte natürlich, wer in dem ehemaligen Kohlebunker aus der Zeit der Rüstungswerke lebte, und wagte sich auf das Anwesen. „Er war schon von seinem Körpervolumen ein unglaublich mächtiger Mann“, erinnert sich Witte an die erste Begegnung – „groß gewachsen, mit grobschlächtigen Händen“. Mit ihnen formte Lechner Tonnen von Stahl zu monumentalen Skulpturen, die heute überall in Deutschland im öffentlichen Raum stehen.
Die „Kurvenharmonie“ ist hier sein bekanntestes Werk
Witte hat Lechner über die Jahre oft besucht. Gerne erinnert er sich an die Gespräche mit dem Bildhauer, der trotz seiner Berühmtheit immer bescheiden blieb. „Damals war sicher vielen nicht bewusst, welch
großen internationalen Künstler wir in Geretsried haben“, sagt der 74-Jährige und meint dies nicht als Vorwurf. An den rostenden Schönheiten Lechners haben sich viele Diskussionen entzündet. Sein in Geretsried bekanntestes Werk ist die „Kurvenharmonie“ vor der Stadtbücherei. Lechner schenkte sie der Stadt zum Abschied. Eine Miniaturausgabe davon wurde bis 2016 als Kulturpreis verliehen. Eine andere Skulptur steht vor dem Seniorendomizil Haus Elisabeth, eine zweite verschwand in Teilen während der Bauarbeiten. Es wurde vermutet, dass die „Versinkende Gruppe“ auf dem Schrottplatz gelandet ist.
In Ingolstadt: eigenes Museum und Skulpturenpark
Als Lechner 1998 den Ehrenring erhielt, stand bereits fest, dass er wegziehen würde. Mit dem Angebot der Stadt Ingolstadt, dort ein eigenes Museum und einen Skulpturenpark zu schaffen, konnte Geretsried nicht mithalten. „Ich habe immer gerne hier gelebt und gearbeitet“, sagte Lechner zum Abschied. „Was ich hier geschaffen habe, hätte ich woanders niemals machen können.“ Sein Anwesen verkaufte er an Albrecht Widmann, der es für Ausstellungen nutzte. Heute steht der Kunstbunker zum Verkauf.

