Fläche der Containeranlage steht nicht mehr zur Verfügung

Zur Unzeit für Landkreis: Sammelunterkunft in Warngau kommt weg

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Die Bewohner sind schon ausgezogen: Die Container der Sammelunterkunft neben dem Warngauer Pfarrhof und Kindergarten (im Hintergrund) werden zum Jahreswechsel abgebaut.
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Kurz vor Weihnachten 2015 zogen erstmals Geflüchtete in der Sammelunterkunft in Warngau ein. Sieben Jahre später sind die letzten ausgezogen, die Container werden abgebaut – obwohl Unterkünfte dringend gebraucht werden.

Warngau – Geflüchtete, die ohne Vorlauf per Bus im Landkreis ankommen, Turnhallen, in denen Schul- und Vereinssport Feldbettlagern Platz machen müssen: Die derzeitige Situation erinnert an ein Déjà-vu. 2015 kämpften die hiesigen Behörden schon einmal mit einer ähnlichen Lage. Um Abhilfe zu schaffen, wurden damals auch in Warngau Wohncontainer aufgestellt. Direkt neben dem Pfarrhof und dem Kinderhaus St. Johann an der Bergfeldstraße in Oberwarngau entstand eine Sammelunterkunft mit Platz für 50 Asylbewerber. Aus der übergangsweisen Unterbringung wurden für einige Bewohner Jahre als sogenannte Fehlbeleger, weil Wohnungen kaum zu finden waren. Nun ist in Warngau damit Schluss: Zum 31. Dezember 2023 läuft der Vertrag für die Container und die Stellfläche aus. Die Unterkunft wird abgebaut.

„Die Auflösung läuft bereits“, teilt Landratsamtssprecherin Sabine Kirchmair auf Anfrage unserer Zeitung mit. Eine erste Besichtigung zusammen mit dem Eigentümer habe bereits stattgefunden. „In der ersten Januarwoche erfolgt die tatsächliche Rückgabe. Unmittelbar nach der Rückgabe werden auch die Container entfernt.“

Die Bewohner sind inzwischen ausgezogen. „Alle 50 dort untergebrachten Personen konnten landkreisintern in anderen dezentralen Unterkünften untergebracht werden“, erklärt Kirchmair, in den Gemeinden Hausham, Fischbachau, Kreuth, Otterfing, Tegernsee, Valley, Waakirchen und Weyarn. Dezentral bedeutet: keine Sammelunterkunft. „Da im Container Warngau überwiegend Familien oder Mütter mit Kindern untergebracht waren, haben wir die Sommerferien bereits für die landkreisinterne Umverteilung genutzt“, schildert die Sprecherin des Landratsamts. „So konnten die Kinder bereits mit Beginn des neuen Schul- und Kindergartenjahres in der neuen Heimatgemeinde starten.“ Anfang November zog die letzte Familie aus den Warngauer Containern aus.

Sammelunterkunft wird aufgelöst – obwohl Landratsamt Unterkünfte sucht

Die Auflösung kommt für das Landratsamt zu einer Unzeit. Selbstverständlich habe die Behörde mit allen Beteiligten gesprochen, sagt Kirchmair. „Es ist ja bekannt, dass das Landratsamt seit langem händeringend nach Unterkünften für Geflüchtete sucht – und das im gesamten Landkreis Miesbach.“ Am Vertragsende zu rütteln war aber nicht mehr, denn der Besitzer – die katholische Kirche – wollte den Vertrag mit dem Freistaat nicht ein weiteres Mal verlängern, denn sie hat Eigenbedarf.

„Das Grundstück soll künftig für den Kindergarten der Gemeinde Warngau zur Verfügung stehen“, teilt das Landratsamt mit. Genauer gesagt abermals für Container – allerdings eben mit anderem Zweck, wie der Warngauer Bürgermeister Klaus Thurnhuber ergänzt: Während des geplanten Umbaus des Kinderhauses St. Johann, den die Gemeinde zu zwei Dritteln finanziert, federführend aber das Ordinariat plant (wir berichteten), müssen die Kindergarten- und Krippengruppen aller Voraussicht nach in Container ausgelagert werden. Und die sollen anstelle der Wohncontainer Platz finden.

Auch die bisherigen Wohncontainer könnte das Landratsamt nicht einfach versetzen, sollte sich irgendwo noch ein Stellplatz auftun. „Die Container wurden durch den Freistaat Bayern lediglich gemietet“, erklärt Kirchmair. „In der Regel hat die jeweilige Containerfirma die Anlagen entsprechend der vereinbarten Laufzeiten bereits wieder weitervermietet.“ Aktuell steht damit nur noch eine Container-Sammelunterkunft im Landkreis: in Valley, wo Mitte 2023 der bisherige Vertrag ausläuft. Wie es dort weitergeht? „Hierzu können wir zum aktuellen Zeitpunkt keine Angaben machen“, teilt die Landratsamtssprecherin mit.

Asyl-Helferkreis liegt auf Eis

Mit dem Ende der Sammelunterkunft in Warngau wird auch der örtliche Helferkreis Asyl auf Eis gelegt, erklärt dessen Sprecherin, Dritte Bürgermeisterin Andrea Anderssohn. „Wir haben nur noch eine Handvoll gut integrierter Leute hier.“ Und eine Familie aus der Ukraine, die privat aufgenommen wurde. Aus dem Helferkreis-Verteiler habe sich trotzdem kaum einer der ehrenamtlichen Helfer abgemeldet. Anderssohn glaubt auch nicht, dass die Unterstützung bei der Integration neu angekommener Geflüchteter endgültig obsolet ist. „Man muss nur die aktuelle Lage anschauen“, sagt Anderssohn. „Es wäre blauäugig, zu glauben, das wäre es jetzt gewesen.“

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