Holzkirchner Fools-Ensemble wird Sparte des Freien Landestheaters Bayern in Miesbach

Zwei Bühnen gehen gemeinsame Wege

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Unter einem Dach, auf neuer Bühne: (vorne v.l.) FLTB-Geschäftsführer Andreas Haas, Fools-Ensemble-Gründerin und Kultur-im-Oberbräu-Chefin Ingrid Huber, FLTB-Intendant Rudolf Maier-Kleeblatt und Isabella Krobisch, Leiterin des Waitzinger Kellers.
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Das Freie Landestheater Bayern und das Holzkirchner Fools-Ensemble gehen künftig gemeinsame Wege. Die Musikbühne mit Sitz in Miesbach und das Holzkirchner Theaterensemble fusionieren - und hoffen dadurch auf mehr Möglichkeiten.

Miesbach/Holzkirchen – Es dürfte die Hochzeit des Jahrzehnts in der Kulturlandschaft im Landkreis sein: Das Freie Landestheater Bayern (FLTB) und das Holzkirchner Fools-Ensemble sind fusioniert, das Fools-Ensemble firmiert künftig als Sparte Sprechtheater. Das FLTB zählt damit zu den fünf größten Privattheatern in Bayern. Die Hintergründe erläuterten die Verantwortlichen nun bei einem Pressegespräch.

Geliebäugelt haben das Fools-Ensemble unter Ingrid Huber und das FLTB mit Rudolf Maier-Kleeblatt als Intendant und Andreas Haas als Geschäftsführer mit dem Zusammenschluss schon länger. Das Holzkirchner Ensemble durfte sich in den vergangenen Jahren Kostüme, sogar komplette Ausstattungen vom großen Musiktheater borgen. Und das FLTB-Stammhaus, der Waitzinger Keller, und das Holzkirchner Kultur im Oberbräu, das Huber leitet, kooperieren schon länger. Da lag die Idee nahe, sich zu vermählen, erklärt Maier-Kleeblatt. Man erhoffe sich Synergieeffekte durch gemeinsame Verwaltung, Werbung, Fundus und Lager. Im Verbund eröffnen sich auch mehr Möglichkeiten, mehr Vorstellungen.

63 Mal soll sich der Vorhang für das Fools-Ensemble in der ersten Spielzeit bis Juli 2019 in Holzkirchen und im Waitzinger Keller heben. Dafür hat Isabella Krobisch, Leiterin des Waitzinger Kellers, mit Maier-Kleeblatt, Haas und Huber eigens eine neue Vorstellungsform entwickelt: ein Kammertheater für bis zu 65 Zuschauer auf ansteigender Bestuhlung. Zu finden ist die neue Bühne auf der großen im Festsaal des Waitzinger Kellers. Ein schwarzer Vorhang trennt das Kammertheater vom großen Saal ab. Mit einer 90-Grad-Drehung der Spielrichtung kommt die neue Plattform wie ein hippes Studiotheater daher – wie man es sonst aus Großstädten kennt. Die Haustechnik im Miesbacher Kulturzentrum ist auf modernstem Stand, sorgt für angenehmes Raumklima, perfekte Beleuchtung und Tonqualität.

„Dieses Format Kammertheater“, sagt Krobisch, „bleibt vorerst dem FLTB Fools-Theater vorbehalten.“ Im Waitzinger Keller sei man stolz, diese Hochzeit ausrichten zu können. „Von Anfang an waren wir die Bühne für das Freie Landestheater. Ihm verdanken wir auch unsere überregionale Stellung. Und jetzt können wir nochmal ernten.“ Ein Format wie das Kammertheater habe als Spielstätte bislang gefehlt. Weil der Terminkalender schon prall gefüllt ist, stehen die Holzkirchner in der aktuellen Spielzeit in Miesbach 16 Mal auf der Bühne. „2020 wir es mehr sein“, verspricht Krobisch.

Darüber freut sich mit Blick auf die staatliche Förderung, die von Theatern mindestens 100 Vorstellungen im Jahr erfordert, auch der FLTB-Geschäftsführer. „Gemeinsam sind wir breiter aufgestellt. Mit circa 160 Vorstellungen in bayerischen Schulen, Theatern und Kulturzentren, knapp 200 Mitarbeitern und einem Haushaltsvolumen von über einer Million Euro pro Jahr dürfte das Freie Landestheater Bayern zu den größten bayerischen Privattheatern mit permanentem Spielbetrieb gehören“, sagt Haas.

„Jetzt sind wir ein Profitheater“, verwies Maier-Kleeblatt auch auf die eigene Gewandmeisterei und Hutmacherei. Davon profitiert auch das Fools-Ensemble mit der größten Freude. Huber, die das erfolgreiche Theater über 15 Jahre lang ehrenamtlich aufbaute, Regie beim Kindertheater führte und nächtens auch noch Kostüme nähte, gab zu, dass das ehrenamtliche und ohne öffentliche Zuschüsse tätige Team an seine Belastungsgrenze gekommen sei. Daher freut sich Huber über die Verbindung: „Wir haben einen hohen Qualitätsanspruch. So eingebunden zu werden in Miesbach, wird spannend und beschert uns eine glänzende Zukunft.“

Da die Stückauswahl für Musik- und Sprechtheater weiterhin separat erfolgen, ist von einer modernen Ehe auszugehen, wie auch Maier-Kleeblatt witzelte: „Meine Frauen machen, was sie wollen. Ich zahl’s.“

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