VonVolker Ufertingerschließen
Die frühere Zugspitzstraße und die Max-Dingler-Straße in Stockdorf sind umbenannt worden - aus unterschiedlichen Gründen.
Gauting – Vor Jahren wurde hitzig darüber debattiert, nun sind die Straßenumbenennungen in Stockdorf vollzogen worden. Seit dem 1. Juni heißt die Zugspitzstraße Wettersteinstraße und die Max-Dingler-Straße Oskar-Maria-Graf-Straße. Das ist im Amtsblatt bekannt gegeben worden.
Die Gründe für die Umbenennung sind sehr verschieden. Im Fall der Zugspitzstraße liegt es daran, dass es zwei Straßen dieses Namens im Gemeindegebiet gibt, eine im Hauptort, eine in Stockdorf. So genannte Zwillingsstraße sind in erster Linie ein Problem für Rettungsdienste, die Gefahr laufen, zuerst die falsche Adresse anzusteuern. Laut Gesetz „ müssen die Gemeinden für den ordnungsmäßigen Gang der Geschäfte in der Gemeinde und damit auch für eine rasche und zuverlässige Orientierung im Gemeindegebiet sorgen“, heißt es im Amtsblatt. Der neue Name ist passend, schließlich liegt die Zugspitze im Wettersteingebirge.
Die Umbenennung in Wettersteinstraße geht auf einen Beschluss des Bauausschusses vom 9. April 2013 zurück, wonach Zwillingsstraßen zu beseitigen sind. Die Zugspitzstraße ist die letzte dieser Art. Dass die Stockdorfer und nicht die Gautinger Straße umgetauft wurde, hängt damit zusammen, dass in Gautinger mehr Bürger betroffen wären (199) als in Stockdorf (58). Dass dies mit Unannehmlichkeiten für die Bürger verbunden ist, ist den Entscheidungsträgern in der Kommune klar. „Doch dies vermag nicht das geschilderte Interesse der Gemeinde an der Umbenennung zu überwiegen.“
Hoher Aufwand für die Anwohner
Unternehmensberater und Autor Werner Siegert (93), der gegen die Maßnahme protestiert hat, schildert gegenüber dem Starnberger Merkur, was das mit sich bringt: „Ich habe sicher 50 Briefe ins In- und Ausland geschrieben.“ Neben den Kosten in Höhe von 250 Euro komme auch ein beträchtlicher Zeitaufwand auf die Bürger zu. „Meine Frau und ich sind sicher zwei, drei Tage damit beschäftigt gewesen.“ Besonders schwierig sei es, Banken die neue Adresse mitzuteilen, weil dies vor allem online geht, und dafür braucht man diverse PINs. „In unserem Alter sind wir natürlich keine digital Natives“, sagt er. Das ist alles sehr lästig.“
Seit 1. Juni heißt auch die Max-Dingler-Straße Oskar-Maria-Graf-Straße. Der eine Dichter, Dingler (1883 - 1961), war ein glühender Verehrer des Nationalsozialismus. Graf (1894 - 1964) hingegen, gebürtig aus Berg am Starnberger See, musste wegen seiner offen zur Schau getragenen Abneigung gegen das Regime nach Amerika fliehen. „Heute stehen wir berechtigterweise mit großer Sensibilität den vom NS-Regime belasteten Namen gegenüber“, heißt es im Amtsblatt. Der Beschluss fiel im Gemeinderat am 19. Juli 2022.
