VonThomas Kuzajschließen
Bremen – 50 Jahre Landesamt für Denkmalpflege – dieses Jubiläum wird am Sonntag, 11. September (dem „Tag des offenen Denkmals“), mit einem Festakt im Rathaus gefeiert. Die Ursprünge des institutionalisierten Denkmalschutzes in Bremen liegen im 19. Jahrhundert. Erster bremischer Landeskonservator wurde später Ernst Grohne (1888 bis 1957), der Direktor des Focke-Museums.
Neben dem Landeskonservator hatte Bremen nach dem Zweiten Weltkrieg ein städtisches Amt für Denkmalpflege. Am 15. September 1972 wurden die Aufgaben dieses Amts und jene des Landeskonservators im neuen Landesamt für Denkmalpflege zusammengefasst. Leiter – und damit hauptamtlicher Landeskonservator – wurde Hans-Christoph Hoffmann. Ihm folgte 2001 Georg Skalecki. Im Interview spricht Skalecki über Arbeit und Aufgaben der Denkmalpflege.
Wie hat sich der Stellenwert der Denkmalpflege durch die Einrichtung des Landesamts verändert?
Die Einrichtung des Landesamts 1972 erfolgte in einer Zeit, in der eine Bürgerbewegung grundsätzlich die Stärkung der Denkmalpflege forderte als Reaktion auf die zerstörerischen Stadtsanierungsprojekte der 1960er Jahre. Insofern war es ein von einer breiten Öffentlichkeit getragener Schritt, die Denkmalpflege in Deutschland zu institutionalisieren und ihr durch Gesetze auch Durchgriffsmöglichkeiten zu geben. Somit wurde die Denkmalpflege zu einer festen Instanz. Mit dem Europäischen Denkmalschutzjahr 1975 wurde der Stellenwert weiter gesteigert.
Ist die Akzeptanz der Denkmalpflege in den zurückliegenden Jahrzehnten gewachsen?
Nach einem Hoch gab es auch schwierige Zeiten. Nach der deutschen Wiedervereinigung gab es auch einmal kritische Stimmen, besonders wegen einiger schwieriger und schlecht kommunizierter Entscheidungen in den neuen Bundesländern. Die Erläuterung der denkmalpflegerischen Denkmodelle fehlte oftmals. So kam es 2000 zu einer kritischen Situation, als die Grünen mit einem Gutachten des Stadtsoziologen Hoffmann-Axthelm die staatliche Denkmalpflege angriffen. Das führte aber zu einer Gegenbewegung, wieder einer breiten Öffentlichkeit und des deutschen Feuilletons, die die Bedeutung der Denkmalpflege herausstellten. Einige Reformen, besonders im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, ließen danach seit 2000 die Akzeptanz der Denkmalpflege wieder kontinuierlich steigen.
Wünschen Sie sich – etwa in stadtplanerischen Fragen – ein größeres Bewusstsein für die Bedeutung historisch gewachsener Grundsätze? Oder anders: Wieviele Hochhäuser verträgt Bremen – und wo könnten die stehen?
Wir versuchen ständig, die besondere historische städtebauliche Entwicklung Bremens zu erklären und deutlich zu machen, dass Bremen eben keine Hochhausstadt ist, sondern historisch andere Modelle der Bauentwicklung besaß, an die es anzuknüpfen gilt. Das heißt nicht, dass es nicht Bereiche gibt, wo auch neue Hochpunkte entstehen können. In Außenbereichen gibt es Flächen, die auch Hochpunkte vertragen, ohne die historische Stadtsilhouette zu stören.
Gibt es bei geplanten Unterschutzstellungen von Bauwerken eigentlich häufig Diskussionen mit den Eigentümern?
Jede Unterschutzstellung wird vom Landesamt für Denkmalpflege mit einem ausführlichen Gutachten begleitet, und der Wert wird den Eigentümern erläutert. Wir schreiben die Eigentümer an, oftmals gab es auch zuvor persönlichen Kontakt bei der Begutachtung und Begehung. Danach gibt es immer wieder Rückfragen, meist zur Frage, was der Denkmalschutz bei späteren Veränderungswünschen bedeutet. Dann führen wir intensive Gespräche und spielen auch mögliche Umbauszenarien durch. Niemandem wird eine Unterschutzstellung aufgezwungen ohne ausführliche Darlegung, was dies in Zukunft bedeutet.
Wenn die sprichwörtliche gute Fee zu Ihnen käme und Sie drei denkmalpflegerische Wünsche frei hätten, welche wären das?
Personell ist das Amt nach zwei Verbesserungen nun so aufgestellt, dass wir zufriedenstellend ausgestattet sind, aber mehr geht immer. Was uns sehr zu schaffen macht: Es fehlen uns Zuschussmittel für Sanierungsmaßnahmen der privaten Eigentümer und Komplementärmittel für externe Fördermittel, besonders des Bundes. Dafür würde ich alle drei Wünsche investieren.
Rundgänge und Besichtigungen am „Tag des offenen Denkmals“ in Bremen
Einmal mehr bietet Bremen zum „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, 11. September, ein üppiges Programm – dieses Mal unter dem Motto: „Kultur-Spur – Ein Fall für den Denkmalschutz“. „Es geht darum, Spuren zu entdecken, die aufzeigen, welche Restaurierungsmaßnahmen an einem Denkmal ausgeführt oder welche handwerklichen ,Verbrechen‘ im Laufe der Zeit am Denkmal verübt wurden“, heißt es in einer Vorschau. „Aber auch die Frage nach der Methode, wie ,Spuren‘ sichtbar zu machen sind, spielt dabei eine Rolle. Die gewonnenen Erkenntnisse liefern wertvolle Hinweise auf frühere Moden, Bau- und Lebensweisen.“
In Bremen öffnet zum Denkmalstag stets auch das Rathaus; diesmal ab 13.30 und bis 17 Uhr (letzter Einlass: 16.30 Uhr). Das Haus der Bürgerschaft bietet von 11 bis 17 Uhr Rundgänge an.
Im Dom gibt es zwei Themenführungen zur Restaurierung im 19. Jahrhundert (14 und 16 Uhr). In der Liebfrauenkirche steht unter anderem eine Führung in die St.-Veit-Kapelle, den ältesten begehbaren Raum Bremens, auf dem Programm (15 Uhr). Die Propsteikirche St. Johann im Schnoor bietet um 14 Uhr eine „Spurensuche“ mit dem Autor und Bremen-Kenner Wilhelm Tacke an.
Auf die Spuren der Balge, einst eine Lebensader Bremens (deren Name im „Balge-Quartier“ auflebt), führt ein Spaziergang mit dem Archäologen Dr. Dieter Bischop. Treffpunkt: Roland (14 Uhr). Führungen gibt es auch wieder in der Baumwollbörse an der Wachtstraße. Dafür sind kostenlose Tickets nötig, die an der Rezeption zu haben sind, und zwar vom 5. bis 9. September jeweils zwischen 14 und 17 Uhr. An Bremens Grenze liegt das Zollhaus „Storchennest“ an der Ochtum (Warturmer Heerstraße 153) – heute ein Wohnhaus; offen von 14 bis 18 Uhr.


